Betrüger ersteigert Fachwerkhaus in Westhofen

Die Erleichterung schlug schnell in Entsetzen um: Ein Betrüger hat im Schwerter Stadtteil Westhofen ein leer stehendes, verfallenes Fachwerkhaus ersteigert - sehr zur Freude von Stadt und Anwohnern. Endlich sollte der unter Denkmalschutz stehenden Bruchbude neues Leben eingehaucht werden. Doch der Mann zahlte den Kaufpreis nie. Er stand jetzt vor Gericht. Und das Fachwerkhaus verfällt weiter.

Westhofen.. Nur ein Haufen Schulden statt Geld in der Tasche. Trotzdem bot der Dortmunder kräftig mit um das Fachwerkhaus Reichshofstraße 95, bis er für 10.500 Euro den Zuschlag erhielt. Weil er nicht zahlte, musste er jetzt noch einmal ins Amtsgericht - vor den Strafrichter. "Er ist wegen Betrugs am Montag zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden", so Rechtspflegerin Christina Dörnbrack.

Denn der Mann - so Christina Dörnbrack weiter - habe gewusst, dass er nicht zahlen konnte, da er schon eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte: "Er hat bei der Stadt Dortmund und beim Finanzamt Schulden in nicht unerheblicher Höhe."

Beschwerden über Ratten und Lärm

Besonders ärgerlich ist der Fall für die Rechtspflegerin, weil bei dem Termin im Herbst noch zwei weitere Interessenten mitgeboten hätten, die nicht zum Zuge kamen. Deshalb muss das Zwangsversteigerungs-Verfahren jetzt weitergeführt werden. Wann das Haus erneut unter den Hammer kommen soll, ist noch nicht festgesetzt. So bleibt der Schandfleck mitten im Altstadtkern von Westhofen. Mit zugenagelten Fenstern, bröckelnden Fassaden und Schmierereien ist das Gebäude eine traurige Ruine, die zunehmend verfällt. Schon mehr als einmal haben sich Nachbarn über herabfallende Ziegel, Ratten und nächtlichen Lärm aus dem Gebäude beschwert.

Das Fachwerkhaus mit der Schieferfassade wurde um 1800 gebaut. Seit 1992 steht es unter Denkmalschutz. Damals ließ die Stadt in großem Stil Gebäude schützen. Mit einem neuen Besitzer begann 1997 der Abstieg. Offensichtlich hatte sich der Mann finanziell überhoben. Davon zeugen Gerichtsakten, seit 2003 kam es immer wieder zu vergeblichen Versuchen, das Haus zu versteigern.

Stadt musste tätig werden

2010 zogen die letzten Mieter aus, seitdem ist das Fachwerkhaus unbewohnt. "Der Eigentümer gilt seitdem als verschollen", erzählten die Nachbarn.

Damit lose Ziegel und herabfallende Teile vom Kamin nicht zur Gefahr für Passanten werden, griff die Stadt ein. Sie ließ Fenster verschließen, klemmte das Haus von Strom und Gas ab und baute die Kamine zurück. Zuletzt wurde ein Bauzaun aufgestellt. Doch auch wenn das Gebäude mehr an eine Ruine erinnerte, der Denkmalschutz blieb. Und das, obwohl Nachbar Thomas Hörner 250 Unterschriften gesammelt hatte, die eine Aufhebung verlangten. Davon versprachen sich die Westhofener, dass der Schandfleck besser verkauft werden könne. Doch die Aufhebung scheitert an strengen Gesetzen und knappen städtischen Kassen. Anfang 2014 schrieb Bürgermeister Heinrich Böckelühr in einer Stellungnahme, die Aufhebung sei nur gemeinsam mit dem Landschaftsverband und mithilfe eines Gutachtens möglich. Die Kosten hierfür, rund 5500 Euro, könne die Stadt aber nicht übernehmen.

Mehrere Interessenten boten mit

Zumal die Kommune mittlerweile schon die Rechnungen für Sicherung und Rückbau bezahlt hatte. Im Sommer 2013 beantragte die Stadt schließlich die Zwangsversteigerung des Hauses, um zumindest das Geld für die Sicherung zurückzubekommen. Das langwierige Verfahren endete scheinbar im September 2014, als der Dortmunder den Zuschlag erhielt. Mittlerweile hatte ein Gutachter den Wert der Immobilie auf einen symbolischen Euro taxiert. Dass dennoch 10.500 Euro mehr geboten wurden, lag zum einen daran, dass man mit einem Mindestgebot von 6000 Euro starten musste, um die Verfahrenskosten einzuspielen und an der Tatsache, dass es plötzlich mehrere Interessenten gab, berichtete Rechtspflegerin Christina Dörnbrack.

Nach der Versteigerung - so Stadtsprecher Carsten Morgenthal am Freitag - holte der Bauhof seine Bauzäune wieder ab, da damit der neue Eigentümer für die Absicherung zuständig geworden sei.

"Wir haben keine Kenntnis, dass er irgendwelche Maßnahmen gemacht hat", sagt Morgenthal. Schließlich hätten Veränderungen mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden müssen. Auch die Nachbarn beobachteten nur wenig. "Er war zwar einmal mit einem Trupp da, aber das war es", erzählt Hörner.

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