Bekommt Schwerte eine zweite Gesamtschule?

Die Schwerter Hauptschule und die Realschule am Stadtpark werden schrittweise geschlossen. Aber gibt es bald eine zweite Gesamtschule? Darüber berät der Rat im Schulausschuss am Dienstag um 17 Uhr im Rathaus. Worüber wird abgestimmt? Wie geht es weiter? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Schwerte.. Die schrittweise Schließung der Hauptschule und der Realschule ist beschlossen, die Kapazität an der Gesamtschule reicht schon lange nicht mehr aus. Das ist die Ausgangsposition für den Schulausschuss, der am Dienstag um 17 Uhr im Rathaus, Rathausstraße 32, Grundlegendes über die Zukunft der Schullandschaft in Schwerte entscheiden wird. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was steht im Ausschuss heute auf der Tagesordnung?
Zwei Themen stehen auf der Tagesordnung. Erstens eine fünfte Eingangsklasse an der Gesamtschule für die Realschüler, die in diesem Jahr keinen Platz an einer Schwerter Schule gefunden haben. Zweitens die Frage, wie die Schwerter Schullandschaft ab dem Schuljahr 2016 aussehen soll.

Welche Alternativen haben die Ratsparteien im Angebot?
Eine Koalition aus SPD, Grünen, Linken und WfS befürwortet die Gründung einer zweiten Gesamtschule, die dann im Schulzentrum Nordwest untergebracht würde. Die CDU und die FDP wollen lieber an selber Stelle eine Zweigstelle der bestehenden Gesamtschule errichten.

Was spricht für eine zweite Gesamtschule?
An der bestehenden Gesamtschule am Gänsewinkel melden sich Jahr für Jahr rund 100 Schüler mehr an, als Plätze vorhanden sind. Es gibt also die Nachfrage, nach zwei Gesamtschulen. Die würden mit den Standorten Gänsewinkel (im Osten) und Bohlgarten (Nord-Westen) auch das Stadtgebiet gut abdecken.

Was spricht gegen die zweite Gesamtschule?
Eine Gründung einer Gesamtschule macht nur dann Sinn, wenn man sich von der letzten verbliebenen Realschule trennt. Es gäbe in Schwerte dann nur noch die Auswahl zwischen Gymnasium und Gesamtschule.

Was spricht für die Dependance-Lösung, also die Gründung einer Zweigstelle der bestehenden Gesamtschule?
Die Befürworter glauben, dass man mit dieser Lösung flexibler reagieren kann. Denn wenn die Schülerzahlen zurückgehen oder sich das Anmeldeverhalten der Eltern ändert, kann man die Eingangsklassen den Schülerzahlen anpassen. Außerdem könnte man theoretisch auch die Realschule erhalten, wenn es weiterhin eine Nachfrage gibt.

Was spricht gegen die Dependance?
Die Gesamtschule würde eine relativ große organisatorische Einheit, die zudem auf zwei Standorte verteilt wäre. Lehrer müssten auf jeden Fall pendeln, eventuell auch Schüler. Die Schule selber hält das pädagogisch für fragwürdig.

Ist mit der Entscheidung des Schulausschusses die Lösung dann endgültig?
Nicht unbedingt. Zum einen muss noch der Rat zustimmen. Der tagt Mittwoch und wird wahrscheinlich der Empfehlung des Ausschusses folgen. Für die Gründung ist allerdings noch die Anmeldung von 100 Schülern aus Schwerte notwendig. Denn um den Bedarf nachzuweisen, müssen sich im Gründungsjahr ausreichend Schüler aus Schwerte anmelden. In den Folgejahren können auch Schüler aus Nachbarkommunen miteingerechnet werden oder Schüler von der einen an die andere Gesamtschulen verwiesen werden.

Warum gibt es in Schwerte keine Hauptschule mehr?
Es hatten sich immer weniger Schüler angemeldet. Zum einen, weil immer weniger Eltern sich für diese Schulform entscheiden. Zum anderen, weil es immer weniger Kinder gibt. Im Frühjahr 2012 hatten nur noch 15 Anmeldungen für das neue Schuljahr vorgelegen. Die Bezirksregierung in Arnsberg hatte daraufhin die Schule auslaufen lassen.

Was passiert derzeit mit Kindern in Schwerte, die von ihrer Grundschule eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten habe?
Da die Gesamtschule nur ein kleines Kontingent aufnimmt, besuchen die meisten von ihnen derzeit bereits die Realschule. Denn schließlich kann man seine Kinder unabhängig von der Empfehlung an jeder Schulform anmelden. Einzelne wurden sogar auf dem Gymnasium angemeldet. Letztlich besuchen auch Schwerter Kinder die Hauptschulen in Holzwickede und Hörde.

Muss die Stadt jede Schulform anbieten?
Nein, aber sie muss sich bemühen. Das Schulgesetz des Landes formuliert das so: "Schulträgeraufgaben der Gemeinde ... dienen der Sicherung eines gleichmäßigen, inklusiven und alle Schulformen und Schularten umfassenden Bildungs- und Abschlussangebots in allen Landesteilen."

Für welche Lösung gibt es eine Mehrheit?
Die zweite Gesamtschule wird von einer politischen Mehrheit aus SPD, Grünen, Linken und WfS getragen. Sie verfügen zusammen über 23 Ratsmandate. CDU und FDP haben 15 Mandate, können aber mit der Stimme des Bürgermeisters rechnen. Die Bezirksregierung in Arnsberg, die eigentlich die Schulen betreibt, hat auf jeden Fall ihre Unterstützung für beide Lösungen angekündigt.

Ist die Forderung nach einer zweiten Gesamtschule neu?
Nein, bereits 2010 hatte die Gutachterin, die damals den Schulentwicklungsplan erstellte, eine zweite Gesamtschule gefordert. Das wurde damals von Rat und Verwaltung abgelehnt.