Angebot für Ältere mit geistiger Behinderung

Ein Stück Selbstständigkeit für ältere Menschen mit geistiger Behinderung und Pflegebedarf - das bietet ein neues Wohnprojekt der Arbeiterwohlfahrt im AWO-Zentrum Lippeaue in Lünen. Wir klären, was es damit auf sich hat.

Lünen.. AWO-Fachbereichsleiter Martin Hülsbusch, Heike Seckler, Leitung der Außenwohngruppe, und Sigrid Bäumer, Einsatzleitung ambulantes betreutes Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung, geben Antworten auf offene Fragen zum neuen Wohnprojekt.

Seit wann gibt es dieses Angebot?
Seit Anfang des Jahres. Möglich macht dies die Aufstockung des Gebäudes. In der einen Hälfte ist eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz (wir berichteten), in der anderen gibt es nun fünf Appartements für ältere geistig Behinderte mit Pflegebedarf.

Sind alle Appartements schon bewohnt?
Zwei der in freundlichem Hellgrün gestrichenen Appartements sind bereits seit Anfang des Jahres bewohnt. Für zwei weitere gibt es Interessenten. Ein Appartement ist noch frei.

Warum hat man sich entschlossen, dieses Angebot für ältere geistig Behinderte mit Pflegebedarf zu machen?
"Es ist für die Zielgruppe nicht so einfach, eine eigene Wohnung zu beziehen. Hier haben wir jetzt die Möglichkeit, dass sie nicht nur eine eigene Wohnung beziehen, sondern auch Gemeinschaftsräume nutzen können", so Hülsbusch. Und wenn man will, sich eben auch in die eigenen vier Wände zurückziehen.

Warum sind es Ein-Raum-Appartements und keine ganzen Wohnungen?
Hülsbusch: "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Appartements nicht allzu groß anzubieten. Damit einerseits die Bewohner nicht so viel hauswirtschaftliche Arbeit haben und andererseits spielt auch die Höhe der Grundsicherung eine Rolle." Eine Küche wird erst bei Bezug des Raumes eingebaut, je nach Bedarf. Standard ist eine große, ebenerdige Dusche in jedem Bad der Appartements. Und der behindertengerechte Zugang zu den Wohnungen.

Wird der Pflegedienst den Bewohnern vorgeschrieben?
Nein. Jeder Bewohner kann seinen Pflegedienst selbst wählen. Und sich auch - vielleicht mit Unterstützung des Betreuers - seinen Tag selbst gestalten.

Wie sieht so eine Tagesgestaltung aus?
Morgens kommt beispielsweise der Pflegedienst, dann fahren die Bewohner zur Werkstatt, um zu arbeiten, oder zur Einrichtung mit Tagesstruktur. Am Nachmittag kann man sich auf Wunsch im Kontakt-Caf treffen, das sich auch im AWO-Zentrum befindet, oder man nutzt die Einzelbetreuung. Und abends kommt dann noch mal der Pflegedienst. "Wichtig ist, so die Alltagskompetenz aufzubauen und zu erhalten", so Sigrid Bäumer.

Und was ist an den Wochenenden?
An den Wochenenden steht den Bewohnern nicht nur ihr eigener Pflegedienst zur Verfügung. Geplant ist auch, dass ein Ehrenamtlicher alle 14 Tage samstags und sonntags etwa drei bis vier Stunden Programm anbietet. Dann können die Bewohner, wenn sie das möchten, zusammen in der Küche des Kontakt-Cafs kochen oder auch mal gemeinsam spazieren oder schwimmen gehen. Sigrid Bäumer: "Viele haben auch noch Angehörige, die sie am Wochenende besuchen."

Wer sich für das Wohnprojekt interessiert, kann sich an Sigrid Bäumer wenden, Tel. (02306) 30 46 702, Fax (02306) 30 46 703, Mail: siebaeu@awoubunna.de Dort kann auch ein Beratungsgespräch vereinbart werden. Infos über das Wohnangebot gibt es auch auf der AWO-Website