An Realschule abgelehnt: Eltern ärgert das Timing

14 Kinder hat die Realschule am Bohlgarten aus Schwerte abgewiesen. Zwei betroffene Familien melden sich jetzt gemeinsam mit der Stadtschulpflegschaft zu Wort. Sie ärgert neben der Tatsache, dass es für ihre Kinder offensichtlich keinen Platz an einer Schwerter Schule gibt, das Timing der Ablehnung.

Schwerte.. Denn die Briefe mit dem negativen Bescheid gingen am Wochenende zu Beginn der Ferien ein. "Ich hatte mich schon gewundert, dass es so lange gedauert hat", erklärt Anette Peters.

Ihr Sohn Jannis war mit einer Realschulempfehlung aus der Lenningskamp-Grundschule entlassen worden. Sie hatten das Kind zunächst auf der Gesamtschule angemeldet, als es da aber keinen Platz bekam, war schnell klar, dass man zur Realschule am Bohlgarten wollte.

"In den Ferien können wir uns nicht erkundigen"

Silke Schieferstein meldete ihren Sohn Jerik direkt an der Realschule an. Auch sie war nach dem Anmeldegespräch der festen Überzeugung, dass dort genügend Plätze für alle Schüler zur Verfügung stehen. Als am Samstag der Brief mit der Ablehnung im Briefkasten lag, war sie deshalb schwer überrascht.

"Dadurch, dass jetzt Ferien sind können wir uns auch nicht an anderen Schulen erkundigen", sagt sie. Denn die Empfehlung der Realschule am Bohlgarten, die Kinder an der Johann-Gutenberg-Schule in Wellinghofen anzumelden, bedeute für ihren Sohn einen Schulweg von nahezu einer Stunde.

Arnsberg: 108 Anmeldungen wären notwendig gewesen

Mittlerweile hat auch die Bezirksregierung Arnsberg Stellung bezogen. "Das Problem liegt an der Anmeldesituation in Schwerte", so Sprecher Christoph Söbbeler. Die Schule habe zwar eine vierte Klasse angemeldet, doch dafür brauche man mindestens 108 Anmeldungen.

In Schwerte lagen aber nur 95 vor. Bei dieser Ausgangssituation gebe es keinen Ermessensspielraum, so Söbbeler. Im benachbarten Sauerland müssten Kinder deutlich weitere Schulwege zu weiterführenden Schulen in Kauf nehmen, betonte der Sprecher der Bezirksregierung. Im Übrigen handele es sich in Schwerte um eine besondere Fallkonstellation, die durch eine schwierige Schulentwicklungsplanung gekennzeichnet sei.

"Weitere Eskalationsstufe im Schwerter Schul-Debakel"

"Damit ist eine weitere Eskalationsstufe im Schwerter Schul-Debakel erreicht", erklärte Claudia Hülsmeyer von der Stadtschulpflegschaft. Schwerte habe nur genügend Schulplätze für Kinder, die dem G8-Stress gewachsen seien. Die Stadtschulpflegschaft wiederholt ihre Forderung nach einer zweiten vierzügigen Gesamtschule, die auch die Möglichkeit zum Abitur anbietet. Jetzt ginge es aber erstmal darum, dafür zu sorgen, dass die Realschule am Bohlgarten eine vierte Klasse für die abgelehnten Kinder anbieten könne. Zumal ja noch Flüchtlingskinder und die Gymnasiasten, die nach der Erprobungsphase zurückgehen, an der Realschule Platz finden müssten.

Damit sich die Eltern aller 14 abgelehnten Kinder vernetzen können, ruft die Schulpflegschaft alle auf, sich zu melden - und zwar hier.