"100 Prozent plus X sind realistisch"

Die Partei, 2004 von Redakteuren des Satiremagazins Titanic gegründet, hat seit dem 30. April einen Ortsverband in Schwerte. Den Vorsitz haben Jonas Pieper und Pascal Höhnel inne. Vor dem Parteitag am Freitag (10.7.) hatte Michael Nickel die Gelegenheit zu einem satirischen Gespräch mit den beiden 18-Jährigen, in dem es um eine U-Bahn für Schwerte, die Anpassung des Wahlalters und die Abspaltung zweier Stadtteile geht.

Schwerte.. Was machen Sie als Partei besser als andere Parteien?
Pieper
: Wir sind eine sehr gute Partei. Das liegt vor allem daran, dass wir wohl die populistischste Partei sind. Wir stehen immer im Interesse des Wählers, egal, was der Wähler möchte. Außerdem stehen wir vor allem hinter den weniger vorhandenen Massen hier in Schwerte, wir sind vor allem eine Partei der Jugend. Wir zielen da weniger auf ältere Stimmen ab und handeln dementsprechend populistisch.

Höhnel: Weshalb wir laut Programm auch das Wahlalter beschränken wollen, da wir eben nur in jüngeren Schichten gewählt werden. (Anm. d. Red.: Die Partei will das Wahlalter auf 12 bis 52 beschränken.)

Wie sehen Sie die Chancen, das durchzusetzen?
Pieper
: Das ist jetzt weniger unsere Sache, sondern mehr auf Bundesebene. Aber ich denke, bei der nächsten Bundestagswahl ist es realistisch, dass wir da 100 Prozent plus X erlangen.

120 Prozent wären da angemessen, oder?
Pieper
: Das ist das angestrebte Ziel.

Höhnel: Man muss ja bescheiden bleiben.

Auf Bundesebene wurde die Partei Die Partei bereits 2004 gegründet. Warum hat es elf Jahre gedauert, ehe in Schwerte ein Ortsverband gegründet wurde?
Höhnel
: 2004 waren wir im zarten Alter von sieben Jahren und fühlten uns der Aufgabe, diese große Partei zu gründen, noch nicht gewachsen. Es hat aber vermutlich so lange gedauert, weil Politik in Schwerte seit Jahren in konservativer Hand ist und Schwerte einfach noch nicht bereit für so etwas Grandioses wie Die Partei war.

Pieper: Wir waren anscheinend die einzigen mit dieser politischen Erleuchtung.

Sie bezeichnen die aktuelle Situation in Schwerte als misslich, schreiben von einem Häufchen Elend. Sie wollen weniger Sauerland und mehr sinnlose Selbstdarstellung und außerdem eine U-Bahn. An welchen Punkten muss sich in der Stadt noch etwas ändern?
Pieper
: Grundsätzlich muss sich am Stadtbild, an der Verkehrspolitik und am Wiedererkennungswert etwas ändern. Wir finden, dass die lästigen Busverbindungen nicht mehr tragbar sind. Daher sind wir für die U-Bahn, die Pläne kann man da deutlich einfacher takten. Außerdem sind U-Bahnen von Natur aus besser klimatisiert als Busse.

Höhnel: Schwerte sieht sich ja auch als Zukunftsstadt, daher ist das nur der nächste sinnvolle Schritt.

Sie sagen aber auch, dass die dann notwendige Untertunnelung der Ruhr eine schwierige Aufgabe werden könnte.
Höhnel
: Genau, aber das fällt ja sowieso weg, da wir Ergste und Villigst von Schwerte abspalten wollen und somit auch gar nicht mehr auf die andere Seite der Ruhr müssten.

Warum wollen Sie die beiden Stadtteile abspalten?
Pieper
: Da ist eine Sauerland-Mentalität, die einfach nicht ins Ruhrgebiet passt. Wir würden Ergste dann in unseren Kreis Schwerte aufnehmen, allerdings selbstverwaltend unter dem Namen Amt Ergste. Wir brauchen auch dringend einen besseren Fernsehturm wie in Dortmund, am besten mit einer drehbaren Kneipe oder etwas in die Richtung. Vor allem finden wir, dass der krumme Kirchturm von St. Viktor nicht mehr zeitgemäß ist. Den gilt es zu begradigen.

Was sagen Sie denn zum St.-Viktor-Maskottchen?
Höhnel
: Die Zweideutigkeit ist natürlich etwas problematisch. Wir sind stark dafür, dass man es etwas eindeutiger macht, man sollte direkt einen Penis an diesem Maskottchen verbauen. Wir wissen noch nicht wie, aber das sollte umsetzbar sein.

Speziell für Leute unter 30 gibt es in Schwerte nur wenige Angebote. Was wollen Sie in der Hinsicht verbessern?
Pieper
: Der einzig richtige Weg, die Jugend in Schwerte zu fördern, sind bessere Bus- und Bahnverbindungen nach Dortmund. Hier in Schwerte ist die Jugend für die nächsten Jahre erst mal verloren.

Mit welchen Aktionen wollen Sie Aufsehen erregen, ganz Schwerte aufrütteln?
Höhnel
: Wir haben viele geplante Aktionen. Eine davon, die bestenfalls noch in diesem Jahr stattfinden soll, ist eine Anti-alles-Demo im nihilistischen Stil. Wir demonstrieren gegen alles, jeder ist willkommen.

Pieper: Wir werden auch bald den Spatenstich für die erste U-Bahn-Station setzen, und zwar im Blumenbeet vor dem Bahnhof.

Höhnel: Nebenbei wird auch ein Briefkasten aufgehängt, an dem jeder Bürger den Zwangsbeitrag von 50.000 Euro zu entrichten hat. Man muss das Ganze ja auch irgendwie finanzieren.

Sie fordern auch mehr Toleranz in der rechten Szene, man solle schwulen Nazis eine Chance geben. Wo hat der Nazi an sich noch Verbesserungsbedarf?
Pieper
: Eigentlich überall. Optisch machen die Nazis nicht wirklich viel her. In Dortmund, wo die Nazis sich montags getroffen haben, haben wir mal eine Rede gehalten. Darin hieß es, dass auch die Musik nicht wirklich toll ist. Sie ist immer eintönig: Vaterland, Stolz, Ehre. Da kann man noch viel machen. Am besten, man ist gar kein Nazi.

Was noch außer Klamotten, Frisuren und Musik?
Höhnel
: Vielleicht auch die politische Einstellung.

Was sind Ihre persönlichen Ziele: Heute Schwerte, morgen Brüssel, wo Parteichef Martin Sonneborn im EU-Parlament sitzt?
Höhnel
: Ich würde schon mit Brüssel anfangen.

Und was soll dann kommen?
Höhnel
: Der nächste Schritt wird sein, in Schwerte bekannter zu werden, was als populistische Partei natürlich das Oberziel sein muss. Dann bei der nächsten Kommunalwahl die Machtübernahme. Danach muss Schwerte verbessert werden. Damit werden wir so beschäftigt sein, dass für andere Sachen keine Zeit bleibt.

Wer von Ihnen soll denn der nächste Bürgermeister werden?
Pieper
: Keiner von uns beiden. Wir haben noch einen Bürgermeisterkandidaten, wir halten uns - was das angeht - eher im Hintergrund. Wir sind nicht der optische Teil der Partei, wir sind eher die, die denken.

Die Partei "Die PARTEI" wird von Kritikern gern als "Spaßpartei" bezeichnet, weil sie den deutschen Politikbetrieb in satirischer, überzeichneter und parodistischer Weise aufs Korn nimmt. Gegründet wurde die Partei im Jahr 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins "Titanic". Seit der Europawahl 2014 ist sie mit einem Sitz im Europaparlament vertreten. Der vollständige Name der Partei Die PARTEI lautet "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative". Hier geht's zum Wikipedia-Eintrag von Die PARTEI.