Bad-Berleburg

Wenn Wege Liebschaften aufdecken

15.05.2008 | 11:41 Uhr

Diedenshausen. Wohin führt der Weg, der mit Sägespänen bestreut wurde? ...

... Mit diesem Pfingstbrauch sind in Diedenshausen schon einige heimliche Liebschaften aufgedeckt worden.(wp) Am Abend vor Pfingsten geht in Diedenshausen der Spruch herum: "Morn es Pingste, römmt alles fort." Dies hat seinen guten Grund. In der Nacht zu Pfingstsonntag herrscht emsiges Treiben auf Diedenshausens Straßen.

Die Dorfjugend schleppt hier eine Gartenbank fort und stellt sie einige Häuser weiter vor die Tür. An anderer Stelle findet sich die Wäschespinne am Elsoffbach wieder. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wechselt seinen Standort. Eine junge Frau wunderte sich in diesem Jahr beim Blick aus dem Küchenfenster, dass die Nachbarn die gleichen Gartenmöbel wie sie selbst gekauft hatten, bis ihr dann auffiel, dass es ihre eigenen waren.

Ein weiterer schöner Brauch ist das Bestreuen eines Weges mit Sägemehl vom Haus eines Mädchens zum Haus eines jungen Mannes, die sich lieben. Oft handelt es sich um eine heimliche Liebe, und mit großer Spannung verfolgen am Pfingstmorgen die Diedenshäuser den Wegverlauf. Man hat auch schon von jungen Männern gehört, die sich selbst einen Weg gestreut haben sollen, um auf ihre Schwärmerei für ein junges Mädchen aufmerksam zu machen. Wenn mehrere Wege zu einem Mädchen führen, ist das auch nicht gerade ein gutes Zeichen, und emsig werden in aller Frühe dann die Spuren weggefegt, bevor die Nachbarschaft die Wege sieht.

Eine Nachbarin erzählt, dass früher beliebte Mädchen ein Birkenbäumchen vor die Tür bekamen und weniger beliebte einen Dornenbusch. Bei ihrem Haus, wo vier Mädchen wohnten, fand sich morgens ein halber Wald, gemischt aus Birken und Dornensträuchern.

Auch waren früher die Streiche derberer Art. Öffnete man am Pfingstmorgen die Haustür, stand man vor einer Mauer. Fleißige Hände hatten in der Nacht die Tür von außen zugemauert. Bei einem anderen Hof hatten junge Männer einen alten Wagen auseinandergebaut und oben auf dem Scheunendach wieder zusammengesetzt. Zur Krönung beluden sie den Wagen noch mit Mist. Die entsetzen Blicke des Hofbesitzers und den Hohn der Nachbarschaft kann man sich sicherlich gut vorstellen.

In den letzten Jahren sind die Bräuche ein wenig eingeschlafen und es wurden nur wenige Streiche gespielt und Wege gestreut. In diesem Jahr scheint die schöne Tradition wieder aufgelebt zu sein. Etliche Wege durchzogen das Dorf und bis in die frühen Nachmittagsstunden suchten die Dorfbewohner nach ihren Gartenmöbeln und Co.

Rebecca Dienst Klasse 8b JAG Bad Berleburg

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