Zweiter Jakobsweg in Westfalen
24.03.2010 | 16:23 Uhr 2010-03-24T16:23:00+0100Soest. Gestern ist der zweite westfälische Weg der Jakobspilger nach historischem Vorbild eröffnet worden: Nach der Strecke von Osnabrück nach Wuppertal wurde nun die von Höxter nach Dortmund erforscht und ausgeschildert.
Mit dem Jakobsweg ist es wie mit seinem Wahrzeichen, der Jakobsmuschel: Einst lag sie nur in Gourmetrestaurants auf dem Teller, heute gibt es sie tütenweise tiefgekühlt beim Discounter. Nicht nur die Zahl der Jakobspilger steigt, sondern auch die der Jakobswege. Gestern wurde ein neuer in Soest eröffnet.
Er führt von Höxter über Paderborn und Soest nach Dortmund, wo er auf den Jakobsweg von Bremen über Münster, Hagen und Wuppertal nach Köln führt, wo wiederum der Jakobsweg von Marburg über Siegen nach Aachen kreuzt und der Jakobsweg von Kleve über Krefeld nach Trier, während der Jakobsweg von Dortmund über Düsseldorf nach Aachen derzeit noch vorbereitet wird.
Vier Jahre nach Kerkeling
Das kann verwirrend wirken, insbesondere für Menschen, die meinten, die Hauptpilgerei spiele sich bei Santiago de Compostela ab, also in Südfrankreich und Galicien. Wer es ganz genau nimmt, darf eigentlich auch nur die nordspanische Hauptverkehrsachse als Jakobsweg bezeichnen. Für alle anderen Routen lautet die korrekte Bezeichnung „Wege der Jakobspilger”. Aber so pingeling müssen wir 1000 Jahre nach den ersten Pilgern und vier Jahre post Kerkeling nicht mehr sein. Schließlich handelt es sich heute um ein Massenphänomen: 148 000 Pilger waren 2009 unterwegs, darunter zehn Prozent Deutsche. 2010 werden, weil der Namenstag des Apostels Jakobus auf einen Sonntag fällt, 240 000 erwartet. 1978 wurden ganze 13 Pilger gezählt. Da hat sich etwas entwickelt.
Das war gestern auch in Soest zu spüren, wo mehr als 300 Menschen an einem Festgottesdienst im Dom teilnahmen und anschließend, begleitet von Musikern in historischen Kostümen, ein kleines Stück wanderten. Natürlich erst, nachdem Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), ein von zwei jungen Damen gehaltenes blaues Band nicht furchtbar feierlich mit einer Schere durchschnitten hatte.
178 Kilometer und neun Etappen
Der LWL hat die wissenschaftliche Erforschung und die Ausschilderung des 178 Kilometer langen Weges in Auftrag gegeben, praktisch hat sich die Altertumskommission für Westfalen, die seit 110 Jahren besteht, gekümmert. Ihr Vorsitzender, Prof. Torsten Capelle, erklärte gestern, was der neue Weg bedeutet: „Wir machen Kulturhistorie begehbar.” Und wenn die Strecke sehr an den alten Hellweg erinnert, ist das kein Zufall: „Es gab für die Pilger keine eigenen Wege, im Gegenteil: Sie suchten aus Angst vor Überfällen stark frequentierte, bekannte Trassen”, so Capelle.
Projektleiterin Ulrike Spichal hat monatelang Literatur gewälzt und Karten verglichen, bevor sie ins Gelände ging, um zu schauen, wo auf den mittelalterlichen Trassen Pilger heute laufen können, ohne von Autos überrollt zu werden. Sie hat Spuren der Pilger entdeckt: neben den historischen Unterkünften auch Pilgerzeichen wie Jakobsmuscheln in Gräbern. Die Rückkehr war im Mittelalter eben nicht garantiert. Spichal ist auch Autorin des Reiseführers „Wege der Jakobspilger in Westfalen, Band 8” (Bachem Verlag, 240 S., 14,95 Euro), der in neun Etappen entlang der Sehenswürdigkeiten leitet.
Und ab morgen gehen die Forscher an die neue Strecke: von Minden über Bielefeld nach Lippstadt. Es führen eben viele Wege zum Jakob.

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