Zeitung macht wieder Schule
12.01.2009 | 17:30 Uhr 2009-01-12T17:30:00+0100Ennepetal/Düsseldorf. In 1200 NRW-Hauptschulklassen wird die Tageszeitung schon bald eine Hauptrolle im Unterricht spielen. Alle 9. Klassen der Hauptschulen erhalten auf Wunsch vom 20. April bis zum 12. Juni täglich kostenlos 30 lokale Tageszeitungen.
Dafür müssen sie sich nur bis zum 12. Februar unter www.partner-fuer-schule.nrw.de/zeitungszeit anmelden.
Die Universität Lindau hat eine bemerkenswerte Studie vorgelegt: Die Allgemeinbildung verdoppelt sich mit dem Zeitunglesen. „Es geht nicht nur um die Anhäufung von Wissen, es geht auch um die Persönlichkeitsentwicklung”, betont Schulministerin Sommer (CDU). Zum vierten Mal beteiligen sich alle 49 NRW-Verlage an der größten Leseaktion im Lande. Kosten des Projekts „Zeitungszeit”: 500 000 Euro.
10 Prozent lesen Zeitung
Die tägliche Zeitungslektüre soll die Lesefähigkeit der Hauptschüler verbessern. Bisher wird die Zeitung nur von zehn Prozent der Hauptschüler täglich genutzt. „Jeder zweite Hauptschüler stammt aus Familien, in denen Deutsch nicht die Familiensprache ist”, weiß Sommer. Da können 30 Minuten Zeitungslektüre am Tag die Lesekompetenz stark erhöhen.
Michael Münzer, Leiter der Hauptschule Friedenshöhe in Ennepetal, berichtet über gute Erfahrungen. „Das Projekt motiviert unsere Schüler zum Lesen, nicht nur der Sportergebnisse”, sagt Münzer. Einmal pro Woche gibt es ein „Zeitungsfrühstück” mit Brötchen. Außerdem schreiben Schüler Leserbriefe oder formulieren Texte im Internet unter www.zeitungszeit.de
Auch der Vorsitzende des Verlegerverbandes, Clemens Bauer, verweist darauf, dass der Unterricht mit Zeitungen Vorteile bringt. Das hat inzwischen auch manche Firma erkannt. So zahlt die Firma Henkel ihren Auszubildenden für die gesamte Lehrzeit ein Zeitungs-Abo, weil die Azubis beim Lesen lernen. „Wer etwas gelesen hat, gehört zu den Wissenden”, sagt Bauer. Bisher haben landesweit 82 000 Schüler an der Aktion teilgenommen.
Lebensnah und aktuell
2009 soll die 100 000er-Marke überschritten werden. Dabei können Schüler nicht nur eigene Artikel schreiben, sondern sich auch zu Internetangeboten durchklicken oder an Radioprojekten arbeiten. „Es geht in Zeitungen immer um lebensnahe und aktuelle Themen”, betont Sommer. In der Zeitung könnten Schüler selbst herausfinden, was sie packt und interessiert. Oft kommen Schüler in den Projekten zum ersten Mal mit Zeitungen direkt in Kontakt.

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