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Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann spricht Klartext

"Wir brauchen deutsche Spieler"

28.05.2009 | 23:56 Uhr
"Wir brauchen deutsche Spieler"

Im Interview der Westfalenpost fordert Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann den Einsatz deutscher Spieler in der Bundesliga. Und er spricht über Dirk Nowitzki.

Der Kampf um die deutsche Basketball-Meisterschaft ist in der entscheidenden Phase, dem Nationalteam steht ein Umbruch bevor. Am Rande einer Trainerfortbildung in Hagen führte unsere Zeitung mit Bundestrainer Dirk Bauermann ein Interview.

Frage: Es gibt in der Basketball-Bundesliga (BBL) Partien, in denen kein einziger deutscher Spieler mitwirkt. Wie bewerten Sie die Entwicklung im deutschen Basketball-Oberhaus?

Dirk Bauermann: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil ich glaube, dass es in den letzten fünf Jahren in den Bereichen Infrastruktur, Hallen und Professionalität der Vereine eine positive Entwicklung gegeben hat. Weinend, weil die Ausländerregelung dazu führt, dass kaum noch deutsche Spieler auf dem Feld stehen. Ihre Einsatzzeit in der BBL liegt bei 12 bis 15 Prozent.

Abgeschottet

Frage: Wie kann man das ändern?

Bauermann: Die Stellschraube im Profisport ist die Ausländerregelung. Hier darf man keinen Etikettenschwindel betreiben. Die 8+4-Regelung (Anm. d. Red.: höchstens acht Ausländer, mindestens vier deutsche Akteure auf dem Spielbericht), die nächste Saison gilt, wird oft zur 8+0-Regelung. Junge deutsche Spieler, die besser in der zweiten Liga oder Regionalliga Praxis sammeln sollten, werden durch Deutschland gefahren, um sich auf die Bank zu setzen. Wir brauchen keine Quoten-Deutschen auf dem Mannschaftsfoto, sondern deutsche Spieler auf dem Feld.

Frage: Es heißt oft, deutsche Spieler seien zu teuer?

Bauermann: Das stimmt doch nicht. Sonst hätten in der zu Ende gehenden Saison nicht Vereine wie Köln oder Gießen, die finanzielle Probleme haben, noch am ehesten auf deutsche Spieler gesetzt.

Frage: Die Nationalmannschaft steht vor einem Umbruch. Spieler wie Patrick Femerling oder Ademola Okulaja, die das Gesicht des Teams über ein Jahrzehnt geprägt haben, sind demnächst zu ersetzen. Durch wen?

Bauermann: Es kommt schon etwas nach, gerade im Bereich U20 und jünger gibt es bei uns sehr talentierte Spieler. Die U20-Nationalmannschaft hat nach meiner Einschätzung in diesem Jahr die Chance, unter die Top Vier in Europa zu kommen. Aber die jungen Spieler können sich nur entwickeln, wenn sie spielen, und zwar auf höchstem Niveau.

Frage: Wie sehen Sie die Nationalmannschafts-Zukunft von Dirk Nowitzki? Gibt es Chancen, dass er auch bei der EM im September in Polen für Deutschland aufläuft?

Bauermann: Wenn er nicht spielt, respektieren wir seine Entscheidung. Aber ich sehe die Chancen, dass er spielt, nicht so schlecht. Zumal er mit Dallas aus den NBA-Play-offs ausgeschieden ist und damit Zeit zur Regeneration hat. Je länger Dirk in der Nationalmannschaft spielt, umso weniger schmerzhaft wird der Umbruch sein. Weil gerade die jungen Spieler sehr, sehr viel von ihm lernen können.

Frage: Zurzeit ist Dirk Nowitzki wegen seiner ehemaligen Freundin, die verhaftet wurde, in aller Munde. Haben Sie seit dem Bekanntwerden dieser Geschichte Kontakt zu ihm gehabt?

Bauermann: Nein, er schottet sich momentan sehr ab. Zurzeit ist er in Deutschland, lässt aber nur die Familie und engste Freunde an sich heran.

Tradition und Moderne

Frage: Sie waren in der Saison 2000/2001 Trainer beim damaligen Bundesligisten Brandt Hagen. Jetzt hat Phoenix Hagen den Aufstieg in die BBL geschafft. Haben Sie das interessiert verfolgt?

Bauermann: Natürlich, Hagen ist eine Basketball-Hochburg, die Rückkehr in die erste Liga freut mich sehr. Ich hoffe, dass man es jetzt hier auch mit der Halle hinkriegt. Tradition und Moderne zu verbinden, das ist eine schöne Sache.

Rainer Hofeditz

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