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Winterwetter sorgt für Skivergnügen und Unfälle

31.01.2010 | 19:55 Uhr
Winterwetter sorgt für Skivergnügen und Unfälle

Hagen/Winterberg. Der Winter hält das Land im Griff: Am Wochenende kam es zu mehr als 4000 Unfällen allein in NRW, bei einem Gesamtschaden von über 10 Millionen Euro. Für Wintersportler im Sauerland allerdings schafft die weiße Pracht Traumbedingungen - und es schneit weiter.

Väterchen Frost hält ganz Deutschland mit seinen eisigen Armen umklammert. Immer wieder Schneefall, Minustemperaturen, glatte Straßen, Unfälle. Allein in Nordrhein-Westfalen hat es an diesem Wochenende - von Freitag, 20 Uhr, bis Sonntag, 5 Uhr, - 4179 Mal gekracht. Bei diesen „witterungsbedingten Unfällen” auf Autobahnen, Bundes-, Land- und Stadtstraße wurden 223 Menschen verletzt, davon rund 50 schwer.

Auch die Polizei wurde nicht verschont

Der Gesamtschaden liegt bei 10 080 245 Euro. Selbst die Polizei wurde nicht verschont. In Bochum rammte ein Pkw ein Einsatzfahrzeug der Polizei, dass gerade einen anderen Unfall absicherte. Ein Polizist verletzte sich leicht.

Am Samstag registrierte die Polizei auf den Autobahnen A1, A2, A33, A46 und A52 sechs Falschfahrer, die sich wegen des heftigen Schneefalls verirrt hatten. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden die A1, A2, A33, A44, A45, A46 wegen vieler Unfälle, Eisglätte und querliegender Lkw gesperrt.

Bei der Hunde-Rettung ertrunken

Auf der A61 bei Bedburg wurde ein 32-jähriger Mann bei einem Unfall getötet, als er bei eisglatter Fahrbahn aus seinem Wagen stieg und von einem nachfolgenden Fahrzeug erfasst wurde. In Köln starb ein 24-jähriger Mann. Er wollte seinen Hund retten, der am Fühlinger See in das Eis eingebrochen war. Obwohl der 24-Jährige noch mit dem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik geflogen wurde, starb er. Sein Hund wurde gerettet und überlebte das Eisbad.

Auch im Süden der Republik gab es viele Unfälle. In Bayern kamen zwei Menschen ums Leben, als zwei Autos auf vereister Fahrbahn frontal zusammenstießen. Im Schwarzwald löste sich auf dem 1493 Meter hohen Feldberg eine Lawine und verletzte zwei Menschen, einen davon schwer.

Windstärke 11 in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern hatte Tief Keziban Orkanböen mit der Windstärke 11 im Gepäck. Zwöf ist der Höchstwert. 50 Zentimeter Neuschnee und der tobende Sturm führten zu riesigen Schneewehen. 70 Auto saßen fest. Räumfahrzeuge kamen nicht mehr durch. Die A20 bei Greifswald wurde gesperrt. In der Hafenstadt Rostock standen auch Busse und die Bahn wegen vereister Straßen oder festgefrorener Achsen still. Im Nordwesten Brandenburgs saßen mehrere Autos in Schneewehen fest. „Es ist zum Verrücktwerden”, stöhnte die Polilzeisprecherin in Potsdam.

In Hamburg litten besonders die Fußgänger unter den Neuschneemassen. Die Feuerwehr registrierte „Dutzende Gestürzte, von denen etliche Knochenbrüche” hatten. In Schleswig Holstein wurden mehrere Buslinien eingestellt. Auf der Insel Fehmarn war keine Straße mehr zu befahren. Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt: „Das ist eine kleine Daisy.”

Innenstädte geräumt

Im sauerländischen Winterberg befreite die Feuerwehr die Dächer der Eissporthalle, der Tourismus-Zentrale, des Gymnasiums und der Hauptschule von einer 1,5 Meter dicken Schneedecke, um die Gefahr des Einsturzes zu beseitigen. In Winterberg und Schmallenberg wurden in der Nacht zu Sonntag mehr als 150 Sattelzüge bepackt mit Schnee aus den Innenstädten abgefahren, um die Straßen und Parkflächen für Pkw befahrbar zu halten.

Am frühen Morgen hieß es dann für die Wintergäste und Tagestouristen im gesamten Sauerland „Ski und Rodel gut”. Die schneebefreiten Parkplätze füllten sich und mehr als 100 Lifte nahmen in der Wintersportarena ihren Betrieb auf. Auf 430 km Loipe und bei immer wieder durchbrechendem Sonnenschein konnten die Wintersporter ihrem Hobby nachgehen.

Lediglich die Ski- und Fußwanderer, die ihren Schritt in die Wälder lenken wollten, wurden durch Schilder „Vorsicht Schneebruch” davon abgehalten. Zu hoch hatte sich der Schnee auf den Äste gelegt. Die schwere Last drohte abzustürzen. In allen Skigebieten wurden Schneehöhen von mehr als einem Meter gemessen. „Das hat es lange nicht mehr gegeben”, so die Sprecherin von Sauerland-Tourismus, Anna Galon.

Es schneit weiterhin

Und an diesen idealen Wintersportverhältnissen wird sich so schnell nicht ändern. „In den kommenden Tagen wird es immer wieder Schnee und Schneeschauer geben”, prognostiziert Franz-Josef Mole vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen. Nach den Feststellung des DWD zieht bereits am Dienstag das nächste „schneeführende Tief” heran. Die DWD-Metereologin Dorothea Paetzold: „Eine flächendeckende Schneemenge, die so lange hält, hatten wir das letzte Mal im Winter 1978/79.”

Ein hartnäckiges, grimmiges Winterwetter, das nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Wirtschaftsleistung drückt. „Der Wirtschaft gehen durch diesen Winter etwa zwei Milliarden Euro verloren”, schätzt DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Die größten Probleme gingen dabei auf die Bauwirtschaft zurück. Zwar würden die witterungsbedingten Ausfälle nachgearbeitet. aber es werde Engpässe geben. Volker Treier: „Das ist nicht dramatisch, aber dieser Winter hat das Zeug dazu, den Jahresauftakt einzutrüben.”

Volker Dörken

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