Wie die Mutter eines Kleinkindes
11.08.2009 | 22:04 Uhr 2009-08-11T22:04:00+0200Fröndenberg. Brigitte Kurschilgens Kinder sind aus dem Gröbsten heraus. Sie sind im besten Teenager-Alter und können schon ganz gut auf sich selbst aufpassen.
Dass sich die 51-jährige Hochsprung-Bundestrainerin aus Fröndenberg in diesen Tagen dennoch fühlt wie die Mutter eines Kleinkindes, liegt an ihrem Schützling Raul Spank. Der Olympia-Fünfte zählt bei den an diesem Samstag in Berlin beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu den deutschen Medaillenhoffnungen. Brigitte Kurschilgen wird ihn als Bundestrainerin begleiten und sich dabei ein bisschen vorkommen wie die Mutter eines kleinen Kindes: „Man muss permanent aufpassen, dass ihm nichts passiert”, sagt Kurschilgen und schildert, wie sie mögliche Gefahrenquellen aus dem Weg räumt, damit sich der junge Dresdner, der als Nachfolger von einstigen Hochsprung-Assen wie Dietmar Mögenburg und Carlo Thränhardt gehandelt wird, bloß nicht verletzt. Brigitte Kurschilgen war früher selbst Hochspringerin und gewann mit nur 20 Jahren bei der Europameisterschaft 1978 die Bronzemedaille mit 1,95 m und deutschem Rekord. 20 Jahre, so alt ist Raul Spank heute. Seit Spank bei den Olympischen Spielen in Peking 2,32 m sprang, zählt er zur Weltelite. Er ist ein anfälliger Spitzensportler. Spank kann es nämlich durchaus passieren, dass er beim Aufwärmen auf die Spielfeldumrandung tritt und dabei so unglücklich umknickt, dass der Wettkampf gelaufen ist. Zur Junioren-Weltmeisterschaft U 20 vor drei Jahren in Peking reiste er mit einem Gipsarm an, weil er sich eine Verletzung zugezogen hatte. Nicht etwa beim Hochsprung-Training. „Es war ein Rad-Unfall”, erinnert sich Brigitte Kurschilgen und atmet einmal so tief durch, als ob sie hoffte, dass Spank dieses Mal die Finger vom Fahrrad lässt. Eben wie eine Mutter, die ihren Sprössling das erste Mal beim freihändig fahren sieht und ein Stoßgebet gen Himmel schickt, dass ihr Kind nicht bald neben dem ohne Hände fahren auch das ohne Zähne fahren beherrscht. „In Stress-Stituationen hat er den Blick für mögliche Gefahren nicht”, analysiert
„In Stress- Stituationen hat er den Blick für mögliche Gefahren nicht.”Brigitte Kurschilgen die Bundestrainerin die weniger vorzeigbare Seite ihres Vorzeige-Athleten. „Und das ist dann die Ursache für Verletzungen, die überflüssig sind.” Seit Peking 2006 gab es kein Jahr, in dem Raul Spank verletzungsfrei war. Inzwischen habe Raul Spank gelernt, wie er trotz einer Beeinträchtigung hoch springen könne. „Und dass er ein unglaublich guter Wettkämpfer ist, steht außer Frage.” Wenn es drauf ankommt, ist Spank zur Stelle. Dieses Potential gilt es nun, im Berliner Olympiastadion abzurufen. Am Mittwoch nächster Woche beginnt um 11 Uhr die Qualifikation. „Ich denke, dass er ins Finale kommt”, setzt die Bundestrainerin auf ihren Schützling. Das Finale steht am Freitag, 21. August, um 19.15 Uhr auf dem Programmplan in der deutschen Hauptstadt. Und dann hofft Brigitte Kurschilgen, dass sie eine Mutter-Rolle nicht ausfüllen muss: die der Trösterin. Viel lieber möchte sie sich mit ihrem Schützling Raul Spank über eine WM-Medaille freuen.

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