Wenn NRWs Grenze nicht mehr durch das WC verläuft
22.06.2009 | 06:32 Uhr 2009-06-22T06:32:00+0200Düsseldorf. NRW wird demnächst ein kleines bisschen größer: Die bislang hessischen Teile in den Gemeinden Brilon-Bontkirchen sowie Marsberg-Udorf sollen nordrhein-westfälisch werden.
Der Gesetzentwurf zum Staatsvertrag, der die neue Landesgrenze beider Länder regelt, wird am Mittwoch von der Landesregierung im NRW-Landtag in die Beratung eingebracht.
Die Grenze verlief aus Sicht der Anwohner völlig umständlich - sie sie ging mitten durch beide Orte. Das Leben der hessischen Bewohner der Ortsteile war westfälisch ausgerichtet, doch zuständig waren für sie die Behörden in Hessen. Andere Termine für Landtagswahl oder Müllabfuhr und andere Autokennzeichen bedeutete das unter anderem. Verschiedene behördliche Zuständigkeiten erschwerten den Bewohnern den Alltag, weshalb die neue Grenze schon seit Jahrzehnten diskutiert und gefordert wird.
22 Menschen gehören künftig offiziell zu NRW
22 Personen in sieben Wohnhäusern sind in Brilon-Bontkirchen derzeit noch Hessen. Sie gehören offiziell zur Gemeinde Diemelsee-Stormbruch, aber ansonsten verbringen sie ihr Leben mit ihren 550 westfälischen Nachbarn. In Marsberg-Udorf liegen öffentliche Einrichtungen wie Teile der Schützenhalle, Friedhof, Ehrenmal und Sportplatz sowie ein Familienhaus im hessischen Bad Arolsen-Kohlgrund.
Die Grenze verlief in der Schützenhalle mitten durch die Damentoilette. Seit vielen Jahrzehnten versuchten beide Ortsteile, etwas an der umständlichen Lage zu ändern - nun zeichnet sich ein Erfolg ab. Der Staatsvertrag zwischen NRW und Hessen ist von beiden Ministerpräsidenten bereits unterschrieben. Ratifiziert werden muss dieser jedoch noch von den Landtagen in NRW und Hessen.
Gute Nachricht zum Schützenfestwochenende
Über die Entwicklung freut sich Marsbergs Bürgermeister Hubertus Klenner. „Das ist eine tolle Nachricht für uns und kommt perfekt zum Schützenfestwochenende”, freut sich der Bürgermeister. „Das werden einige gar nicht glauben, dass das nun endlich passiert.” Gemeinsam mit dem Briloner Bürgermeister Franz Schrewe habe man vor drei Jahren erneut die Initiative ergriffen, die Grenzfrage endlich zu klären. „Durch meine Zeit in der Bezirksregierung hatte ich noch einige Kontakte. Man muss auch ständig hinterher sein, sonst klappt das nicht”, meint der Marsberger Bürgermeister, der den Staatsvertrag auch als persönlichen Erfolg verbucht.
Durch den Staatsvertrag, in dem die neuen Grenzen geregelt sind, soll vor allem das Leben aller Einwohner in den Gemeinden erleichtert werden. Diese werden demnächst alle Nordrhein-Westfalen. Dafür gibt die Stadt Marsberg Grünflache an Hessen ab, von Brilon wird es eine Entschädigungszahlung für den Ausfall der Schlüsselzuweisungen geben.
Forum: Brilon wird größer!

07:34
Typisch sauerländische Bürokratie.