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Wenn die Rübe lockt . . .

07.01.2011 | 09:33 Uhr
Wenn die Rübe lockt . . .
Franz-Josef Kemmerling bereitet die Fütterung der Rehe vor.

Brilon.Wenn sich im Winter eine weiße Decke über die Höhen des Sauerlandes legt, wird es für viele Wildtiere fast unmöglich, durch die verharschte Schneeschicht an Nahrung zu kommen. Die Wildfütterung stellt die Jagdpächter in Hallenberg, Medebach und Titmaringhausen jedoch vor ganz spezielle Probleme: In Hessen dürfen Rüben gefüttert werden. In NRW ist es dagegen verboten, andere Futtermittel als Heu und Grassilage einzusetzen. Zu groß ist die Gefahr, dass sich die Schwarzkittel ausbreiten und das „ziehende Volk“ die Schweinepest einschleppt.

„Wir sind überrascht worden von der neuen Fütterungsverordnung. Hallenberg grenzt auf zehn Kilometern an Hessen. An den Randgebieten wandert das Wild auf die hessische Seite ab und lässt unser Heu liegen“, ist Edmund Paffe, Hegeringleiter für Hallenberg und Winterberg verärgert. Er würde auch gerne „Saftfutter“ geben.Dass dem Rehwild die Rüben auf hessischem Terrain munden, bemerkt auch der Medebacher Hegering­leiter Hubert Lattrich. „Unser Heu ist von hervorragender Qualität, trotzdem nehmen die Rehe es nur bedingt an. Ich habe den Verdacht, dass sie das Revier wechseln. Trotzdem können wir ihnen die ­Fütterung nicht verwehren.“ Eine Ausnahmegenehmigung möchte er jedoch nicht erwirken: „Der Aufwand ist sehr groß, außerdem müssen dies mehrere Reviere gleichzeitig beantragen. Den Jagdpächtern sollte individuell in Notzeiten die Möglichkeit eingeräumt werden, selbstverantwortlich die Fütterung vorzunehmen. Wir wissen schließlich am ­besten, wo Not herrscht.“

Die einheitlichen Vorgaben für NRW findet auch Volker Kraft, Hegeringleiter Brilon, nicht in Ordnung: „Die Fütterung sollte Sache der Pächter sein. Es darf nicht sein, dass die Jägerschaft, die sich intensiv um das Wild kümmert, durch die Politik eingeschränkt wird.“ In Brilon sehe es ganz anders aus als etwa in Rüthen. „Hier liegt eine Menge Schnee in den Wäldern und das Wild wird ständig von Skifahrern und Spaziergängern, die querfeldein marschieren, in der Ruhephase gestört.“

Die Heufütterung stellt Hegeringleiter Paffe vor logistische Probleme. Mit schwerem Gerät kämpft er sich durch den Wald: „Zwei Drittel der Revierfläche (46 000 ha) liegt 600 Meter über dem Meeresspiegel. Wir sollten die Tiere zentral an Gattern füttern und nicht mit Siloballen in den Wald fahren“, lautet sein Vorschlag. Dadurch würde auch der Verbiss an den Pflanzen im Wald verhindert. „Die Hegepflicht sollte nicht mit Gesetzen vorgeschrieben werden, das ist politischer Unfug. Jäger, Waldbesitzer und Naturschützer sollten im Einklang dafür sorgen, dass kein Wild verhungert.“

Lena Siegel

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