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Kriminalität

Warum die Flucht zum Scheitern verurteilt ist

30.11.2009 | 17:26 Uhr
Warum die Flucht zum Scheitern verurteilt ist

Bielefeld/Villingen. Die Flucht von Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff ist nach Ansicht von Polizei-Psychologe Gallwitz von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Sie hätten keinerlei Erfahrung, wie Menschen sich im Jahr 2009 vor den Gefängnismauern bewegen.

Die Flucht von Michael Heckhoff (50) und Peter Paul Michalski (46) war von vornherein zum Scheitern verurteilt - diese Meinung vertritt Prof. Dr. Adolf Gallwitz, Profiler, Polizei-Psychologe und Psychotherapeut an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen.

Die beiden Schwerstverbrecher waren am Donnerstag, 26. November, aus der JVA Aachen ausgebrochen. Ihr mutmaßlicher Fluchthelfer war ein 40-jähriger Beamter, der zeitweise als Pförtner im Aachener Gefängnis arbeitet.

Peter Paul Michalski. Foto: ap

Am Donnerstagabend vertrat der 40-Jährige, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, den regulären Pförtner, weil der eine Kontrollfahrt um die Gefängnismauer absolvierte. In dieser Zeit führte der Ersatzpförtner Heckhoff und Michalski aus dem Gefängnistrakt zur Pforte, übergab den Gangstern dort zwei Dienstwaffen mit jeweils acht Schuss Munition und öffnete das Gefängnistor. Warum der 40-Jährige die Ausbrecher unterstützte, ist völlig offen.

"Kein Netzwerk, keine Freunde, keine Bekannten"

So gut sich Heckhoff und Michalski im Knast auskennen, so schlecht ist „ihre lebenspraktische Fähigkeit, im Alltag in der Freiheit unauffällig zu funktionieren”, stellt der Polizeipsychologe fest.

Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff haben die vergangenen 25 Jahre fast „am Stück” in Gefängnissen verbracht. Dr. Adolf Gallwitz: „Das schabt an der sozialen Intelligenz. Sie haben keinerlei Erfahrung, wie Menschen sich im Jahr 2009 vor den Gefängnismauern bewegen. Außerdem haben sie draußen kein Netzwerk, keine Freunde, keine Bekannten.”

Michael Heckhoff. Foto: ddp

Das Zusammenbleiben der Ausbrecher nach der Flucht mache deutlich, dass „sie sich fest aneinander klammern, um sich gegenseitig Halt zu geben”. Halt oder Hilfe von außen werde offenbar nicht erwartet. Die Flucht nach Mülheim zeige den Rückzug auf ein bekanntes Terrain. Hier habe Heckhoff zeitweise gelebt, die Umgebung sei ihm bekannt, also suche er hier Sicherheit, so etwas wie Geborgenheit. Die Hoffnung, in alten Strukturen untertauchen zu können, ist trügerisch. Am Sonntagvormittag wird Michael Heckhoff in Mülheim festgenommen.

Auch Peter Paul Michalski sucht das Heil in vertrauter Region. Er setzt sich offenbar nach Bielefeld ab. Kein Wunder. Denn der 46-Jährige stammt aus Herford nahe Bielefeld und hat dort mehrfach Straftaten begangen. Für Dr. Adolf Gallwitz ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Polizei den Räuber und Mörder fasst. Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt der seit fünf Tagen andauernden Großfahnung mit Straßensperren und Personenkontrollen: Der Polizei gehen landesweit mehrere gesuchte „Kleinkriminelle” und einige Autofahrer ohne Führerschein ins Netz.

Warum Michalski und Heckhoff ausgebrochen sind, weiß auch der Polizeipsychologe nicht zu deuten. Es gebe viele Gründe - Haftkoller, Unzufriedenheit mit dem Urteil, der graue Alltag, keine Abwechselung, die Eintönigkeit oder den Wunsch, einfach mal rauskommen. Prof Gallwitz: „Vielleicht lassen sich die beiden ja nach ihrer Festnahme den Traum von der Freiheit auf den Malediven von einem bekannten Magazin entlocken.”

Von Volker Dörken

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