Trauermarsch mit fast 35 000 Menschen
12.11.2009 | 13:08 Uhr 2009-11-12T13:08:00+0100
Hannover. Es ist dunkel geworden in Hannover. Gut 24 Stunden liegt der unfassbare Selbstmord von Robert Enke mittlerweile zurück.
Dass der 32-Jährige nicht einfach nur Torwart oder ein Sympathieträger des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 war, sondern die Identifikationsfigur des Klubs schlechthin, zeigt sich mit Vehemenz, als der erste Abend ohne ihn anbricht.
Kilometerlanger Trauermarsch
Kilometer lang schlängelt sich der Trauermarsch, den die Fans der 96er spontan organisiert hatten, vom Opernplatz in der Innenstadt zur Arena, auf deren Vorplatz sich die Menschenmenge zum stillen Gedenken versammelt und anschließend in die 18 (!) ausgelegten Kondolenzbücher einträgt. Mit einigen Tausend war gerechnet worden, doch die wirkliche Zahl sprengt alle Dimensionen. „Wir schätzen, dass zwischen 30 000 und 35 000 Fans unterwegs sind”, sagen die Polizisten.
Menschen verschiedenster Couleur
Langsam und nachdenklich bewegt sich die Masse. Längst sind nicht mehr nur Schals und Trikots von 96 zu sehen. Menschen verschiedenster Couleur reden über den Erfolgsdruck, über Depressionen, über Robert Enke. Sie tragen Kerzen oder Fackeln und sorgen so für den würdevollen Rahmen. Mancher kämpft sprachlos gegen die Tränen.
Delegation der Nationalmannschaft
Aber warum soll es den Fans anders ergehen als den Nationalspielern? Eine Delegation um Trainer Joachim Löw reist zum Gedenkgottesdienst in der überfüllten Marktkirche an, der auf Grund des Andrangs auf dem Vorplatz der Kirche ebenso übertragen wird wie im Klubheim vor dem Stadion. Dort wiederum liegt ein Meer aus Abschiedskarten, Kerzen und Blumen.
Matthias weint um seinen Helden
Matthias weint bereits vormittags um seinen Helden - an einer Art Altar, der kurzfristig am Bahnhof in Eilverse, in unmittelbarer Nähe zum Ort des Unglücks, errichtet wurde. Der Spieler der D1-Jugend der SG Madorf-Schneren-Eilvese, im Aufstiegsjahr 2002 geboren, kann die Tränen nicht zurückhalten, schluchzt Herz zerreißend als ihn seine Mutter in den Arm nimmt. „Robert Enke war sein großes Vorbild”, erzählt sie. Natürlich ist Matthias ebenfalls Torwart. „Ich wusste erst gar nicht, wie ich ihm den Tod von Robert beibringen sollte”, erklärt die Mutter. Ein Problem, das viele Eltern unvorbereitet trifft.
"Als hätte ich einen Freund verloren"
Abends vor dem Stadion sagt ein Fan: „Obwohl ich Robert nicht persönlich kannte, habe ich das Gefühl, als hätte ich einen Freund verloren.” Robert Enke war nicht nur Hannover 96, er ist es auch nach seinem Tod.

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