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Nach den ETA-Anschlägen

Touristen genießen weiter ihren Urlaub

11.08.2009 | 05:00 Uhr
Touristen genießen weiter ihren Urlaub

Hagen. Als hätte die Schweinegrippe die Touristen auf Mallorca nicht schon genug aufgeschreckt, müssen sich die Reisenden jetzt um mögliche Anschläge auf der deutschen Urlaubsinsel Nummer eins sorgen. Doch nicht nur der Tourismusexperte Prof. Karl Born gibt Entwarnung.

Nur wenige hundert Meter war Ismael Jimenez von den Anschlägen der ETA entfernt - 600 Meter beim ersten, nur noch 300 Meter bei der zweiten Anschlagsserie am Sonntag. „Die Stimmung ist seitdem sehr schlecht, vor allem am Sonntag gab es viele Kontrollen durch die Polizei”, schildert der 53-Jährige. Sein Gewerbe sieht er bedroht: „Die ETA will nur den Tourismus und die Wirtschaft kaputt machen.”

In Iserlohn aufgewachsen, hatte sich Ismael Jimenez 1999 einen Traum in Mallorcas Hauptstadt erfüllt - „La Cueva”, ein Restaurant im Gastronomieviertel Palmas nahe der Kathedrale. Den Traum sieht er aber keineswegs zerstört. Zwar hätten weniger Touristen seine Dienste in Anspruch genommen, aber irgendwann würde es wieder aufwärts gehen. „Ich glaube aber, dass sich die Stimmung erst bessern wird, wenn jemand verhaftet wird.” Das war bis Montagabend nicht der Fall.

Die Touristen selbst sehen die Lage gelassen. Manuela Bruse-Springob und ihre vierköpfige Familie aus Attendorn urteilten nach der Rückkehr am Flughafen Hannover: „Es war fast wie auf den Malediven.” Nur die Polizei sei präsenter als in den Jahren zuvor gewesen.

Storno-Zahlen normal

Auch die beiden Fluglinien Germanwings und Air Berlin, die vom Flughafen Dortmund aus Flüge nach Mallorca anbieten, sehen keinen erhöhten Handlungsbedarf. „Bei den Stornierungen gibt es keine Auffälligkeiten”, so das Fazit. Nur besorgte Anrufe habe es vermehrt gegeben.

„So, wie es jetzt aussieht, gibt es keine Auswirkungen für den Tourismus auf Mallorca”, sagt auch Prof. Karl Born. Der Tourismus-Experte von der Hochschule Harz sieht drei Gründe für ein mögliches Fernbleiben von der Baleareninsel nicht erfüllt. Erstens: Die ETA-Anschläge hätten bisher keine deutschen Opfer gefordert. Daher sei die eigene Betroffenheit noch nicht allzu groß. „Wenn Nachbars Hund stirbt, trifft uns das härter, als wenn fünf Orte weiter der Bürgermeister stirbt.” Das sei in England oder Frankreich nicht anders.

Zweitens: Die touristische Infrastruktur sei nicht betroffen. Im Gegensatz zum ersten ETA-Anschlag vor zwei Wochen sei am Sonntag nicht direkt der ganze Flughafen geschlossen worden. Für die Touristen hätten sich keine grundlegenden Einschränkungen ergeben. Drittens: „Die Touristen haben gelernt, dass ein Anschlag genauso gut in Berlin passieren kann.”

Kritik an Ratschlägen

Prof. Karl Born rät daher, Ruhe zu bewahren. Dabei kritisiert er vor allem die Ratschläge des Auswärtigen Amts. „Hauptsache, man hat in solch einer Situation etwas dazu gesagt.” Was dahinter stecke, sei allerdings nicht zielführend: „Dass man die Anweisungen der Polizei befolgen soll, galt auch schon vorher.” Und daneben seien die Anschläge nicht auf größere Menschenansammlungen verübt worden. Daher greife auch nicht der Vorschlag, diese zu meiden.

Von Tobias Patzkowsky

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