Telefonieren ja, Schnickschnack nein
29.06.2009 | 12:56 Uhr 2009-06-29T12:56:00+0200Hagen. In mehr als 80 Prozent der deutschen Haushalte gibt es mindestens ein Handy. Jedoch besitzt nur knapp die Hälfte der über 65-Jährigen ein Mobiltelefon. Winzige Tasten, unverständliche Symbole und verworrene Menüs sind die Ursache.
„Obwohl fast ein Viertel der Deutschen älter als 60 Jahre ist, werden Handys nach wie vor für junge Menschen produziert”, klagt Joachim Dung von der Deutschen Seniorenliga in Bonn. Die Produkte seien wenig an den Bedürfnissen der Älteren ausgerichtet, haben Forscher an der Technischen Universität Berlin herausgefunden.
Grundfunktionen gewünscht
Dabei wissen die Älteren durchaus den Vorteil eines Handys zu schätzen: mit den Kindern telefonieren, den Enkeln eine SMS schicken, im Notfall Hilfe rufen. Hingegen legten sie keine Wert auf weiteren Schnickschnack. Auch seien sie bereit, Geld auszugeben, erklärt Joachim Dung. „Aber das Interesse der Firmen ist insgesamt noch sehr verhalten.” Selbst wenn manche Unternehmen den Markt mittlerweile für sich entdeckt haben: Mit einer Verdopplung des Absatzes rechnet in diesem Jahr beispielsweise „Emporia”. Das Unternehmen aus Österreich hat sich auf Senioren-Handys spezialisiert.
Um den Umgang mit herkömmlichen Handys zu lernen, bieten Volkshochschulen längst Handy-Kurse für Senioren an. Im Rheinland lernen Rentner von Realschülern mobil zu telefonieren. Und die Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz bietet für viele Handy-Modelle einfache Kurzanleitungen an.
Selbsterklärende Handys gefordert
„Ein Handy sollte sich selbst erklären”, fordert hingegen Joachim Dung von der Seniorenliga. „Man sollte die Bedienungsanleitung erst gar nicht herausholen müssen.” Ein Anspruch, den sicher nicht nur Ältere an die Technik haben.
Senioren-Liga und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) raten den Älteren, beim Kauf eines Handys unter anderem auf Folgendes zu achten:
- Vor allem die Lautstärke sollte schnell und einfach über eine Taste am Gehäuse einzustellen sein - nicht über das Display-Menü.
- Die Tastatur sollte zwar nicht überdimensioniert sein, aber auch nicht so klein, dass der Nutzer aus Versehen und ohne Warnung eine teure Internet-Verbindung wählt.
- Wer ein Hörgerät trägt, sollte prüfen, dass es keine Rückkopplung gibt.
- Das Menü sollte auf Anhieb bedienbar sein. „Testen Sie die Menüführung an einigen Punkten, die Ihnen wichtig sind - wie Mailbox ein- und ausschalten oder eine Telefonnummer ins Telefonbuch aufnehmen”, rät die Bagso.
- Das Display sollte groß und kontrastreich dargestellt sein, sodass es bei verschiedenen Lichtverhältnissen zu erkennen ist.
- Manche Handys verfügen zudem über eine spezielle Notruftaste, manche davon sind sogar mit fünf Nummern zu belegen. Zum Beispiel mit der Büronummer des Sohnes, der Handynummer der Tochter oder dem Festnetzanschluss des Nachbarn. Wird der Notrufknopf betätigt, wählt das Telefon nacheinander die gespeicherten Nummern - bis jemand abnimmt.
- Zudem sollte die Nutzung des Handys regelmäßig geübt werden, damit das Gerät auch im Notfall schnell bedient werden kann.
Eine Empfehlung allerdings, welches Modell besonders gut ist, mag niemand geben. Schließlich ist ein Senior nicht wie der andere, hat eine 65-Jährige andere Anforderungen als ein 85-Jähriger.
Im Übrigen muss es gar nicht immer ein „Seniorenhandy” sein. Bei einem Experiment der Stiftung Warentest zum Beispiel haben sich elf Tester mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren für ein „normales” Mobiltetelfon mit allerlei Extras entschieden. Es überzeugte offenbar dennoch durch Übersichtlichkeit und Bedienfreundlichkeit.

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