Symbolische Anerkennung des Leids
21.07.2011 | 18:22 Uhr 2011-07-21T18:22:00+0200
Paderborn/Soest.(rd) Das Erzbistum Paderborn hat die ersten Missbrauchsopfer entschädigt. 18 Betroffene haben 3000 bis 5000 Euro erhalten. Sie waren in den 1950er bis 1980er Jahren als Kinder und Jugendliche von Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht worden. Seit März haben sich 84 Opfer gemeldet, 38 Anträge auf Entschädigung sind seitdem gestellt worden.
Es sind Dramen. Unfassbar. Bedrückend. Die Vorfälle, die Manfred Frigger hört, lassen niemanden kalt. Auch den 64-Jährigen nicht. Er ist Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. „Die Schicksale der Opfer gehen unter die Haut.“
5000 Euro erhält ein heute 50-Jähriger. Immer wieder war er in den 1970er Jahren im Siegener Raum vom Pfarrer missbraucht worden. In der Sakristei, im Pfarrhaus. „Der Priester war der Täter“, sagt Frigger, „er zahlt auch die Summe. Das ist mit Erzbischof Becker vereinbart worden.“
Bis heute ist das Opfer in therapeutischer Behandlung. Das Geld wollte er nicht einfach so, er wollte mit dem Missbrauchsbeauftragten über die Verbrechen von damals sprechen. „Mir hat er gesagt“, so Frigger, „es mache ihn zufrieden, für ihn schließe sich ein Kapitel. Ein Kapitel, in dem die Kirche zu ihrer Schuld stehe“.
Jahrzehntelang hatte das Opfer die Geschichte mit sich herumgetragen, mit niemandem gesprochen. „Ihm ging es nicht ums Geld. Er wollte die Last loswerden“, sagt Frigger.
Für den Missbrauchs-Beauftragten selbst bedeutet die Zahlung der Entschädigung eine symbolische Anerkennung des Leids: „Sie ist weder ein Freikauf von Verantwortung noch eine umfassende Entschädigung, vielmehr ist sie ein wichtiger Schritt bei der umfassenden Aufarbeitung des seelischen Prozesses.“
Ein 64-Jähriger, der heute im östlichen Ruhrgebiet lebt, wollte das Grab des Priesters sehen, der sich an ihm immer wieder vergangen hatte. Vor drei Jahren starb seine Frau. Nie hatte er mit ihr über die Taten gesprochen. Jetzt suchte er auf Vermittlung Friggers die Pfarrei im Sauerland auf, wo das Unsagbare passierte. Der heutige Pfarrer sprach mit ihm, zeigte ihm erneut die Räume. Frigger: „Wissen Sie, was gesagt hat: ‘Ich brauche kein Geld. Ich bin geheilt.’ Eine bewegende Geschichte.“
Ähnlich tragisch ist es einem heute 62-Jährigen ergangen. Er wuchs ohne Vater auf, seine Mutter verstieß ihn, er landete im Kinderheim. Die Familie eines Küsters nahm ihn am Wochenende zur Pflege auf. Wochenenden, die sein Leben bis heute prägen.
Der Küster missbrauchte ihn - an jedem Wochenende. Frigger: „Er wusste jeden Freitag, jetzt bin ich wieder dran.“ Der Küster ist lange tot, seine Taten hat er mit ins Grab genommen. „Ihn und seine Mutter hasst er bis heute. Beim Ausfüllen des Antrags war er unendlich froh, endlich darüber sprechen zu können.“
Das siebenseitige Antragsformular für die Entschädigung kritisiert der Verein ehemaliger Heimkinder heftig. Die Vorsitzende aus Soest, Monika Taschapek-Güntner: „Die Opfer sollen beschreiben, was ihnen wann wie oft mit wem zugestoßen ist.“
Es sei unzumutbar, Betroffene Jahrzehnte später bezüglich des schlimmen Geschehens nach Uhrzeiten zu Fragen: „Das geht gar nicht. Das schreckt ab.“

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09:24
...wieder einmal sehr billig weggekommen, dieses fromme Volk....