Starke Frau in schwieriger Zeit
04.01.2009 | 14:36 Uhr 2009-01-04T14:36:00+0100
Ob „Der große Bellheim” oder „Die Patriarchin” - opulente Mehrteiler haben zu Jahresbeginn im ZDF Tradition. In dem aufwendig inszenierten Drama Die Rebellin (ZDF, 5. Januar, 20.15 Uhr sowie Mittwoch und Sonntag) beweist sich nun Alexandra Neldel als starke Frau in schwieriger Zeit.
Im Mittelpunkt steht die 20-jährige Lena Berkow (Alexandra Neldel), die im April 1945 mit ihrer Mutter Hilde (Saskia Vester) und ihrer jüngeren Schwester Betty (Anna Fischer) aus dem zerstörten Berlin flieht. Während ihr Vater (Dominique Horwitz) bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, findet die Familie Unterschlupf auf einem Bauernhof in Franken.
Dort verliebt sich Lena in den schweigsamen Bauernsohn Walter Juskowiak (Sebastian Bezzel) und träumt mit ihm von einer gemeinsamen Zukunft in den USA. Als ihre Mutter schwer erkrankt, nimmt Lena in der nächsten größeren Stadt eine Stelle beim Radiofabrikanten Wilhelm Sattler (Friedrich von Thun) an. Dort lernt sie seinen forschen Sohn Hans (David Rott) kennen, der - aus Amerika zurückgekehrt - seinen Vater zur Produktion von TV-Geräten bewegen will.
Zwischen zwei Männern Der alte Sattler (seine Figur ist angelehnt an Max Grundig, einen der bedeutensten Wirtschaftspioniere der frühen Bundesrepublik) winkt ab, doch die junge Frau ist begeistert, denn ihr eigener Vater war an der Entwicklung des ersten Fernsehers in der Nazi-Technikschmiede Hakeburg beteiligt.
Rückschläge
Lena steht plötzlich zwischen zwei Männern - Hans hat sich in sie verliebt. Doch der weiß nicht, dass sie nach Konstruktionsplänen sucht, die der Fabrikant ihrem Vater während des Krieges abgekauft hat, ohne jedoch dafür zu bezahlen.
Alexandra Neldel, die kürzlich den Bayerischen Fernsehpreis für die Reihe „Unschuldig” (PRO 7) erhielt, gibt Lena als couragierte Pionierin, die viele gesellschaftliche Konventionen missachtet, in die Männerdomäne der Rundfunktechnik eindringt und die nach allerlei Rückschlägen - beruflich wie privat - ihr Glück machen kann. Damit passt diese starke Frau überhaupt nicht ins bundesdeutsche konservative Weltbild der 50er Jahre.
Regisseurin Ute Wieland konnte für das leider etwas ausufernde, aber dennoch spannende und emotionale Zeitgemälde ein hochrangiges Ensemble (darunter Rosel Zech, Vadim Glowna und Ulrike Folkerts) vor der Kamera versammeln. Vor allem Alexandra Neldel (32), die wie schon bei „Verliebt in Berlin” Mut zur Hässlichkeit beweist, zeigt sich der differenzierten Rolle voll gewachsen.
Der in Prag und Umgebung gedrehte, fast acht Millionen Euro teure Dreiteiler, besticht durch die hochwertige, bis in kleinste Detail passende Ausstattung. Sie garantiert viel stimmige 50er-Jahre-Atmosphäre.

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