Sprechstunde in der rollenden Praxis
18.02.2010 | 18:15 Uhr 2010-02-18T18:15:00+0100
Hagen. Theo Scholten spricht mit Engelszungen. „Sie gehören ins Krankenhaus, bitte.” Der Fuß seines Patienten ist dunkellila. „Der ist gebrochen”, sagt der Mediziner, der im Arztmobil der Diakonie in Hagen obdachlose Menschen behandelt.
„Lass mal Professor”, sagt der Mann, lächelt und humpelt mit seinem Rucksack voller Schnaps in die Kälte hinaus.
Seit Dezember vergangenen Jahres ist das Arztmobil in der Stadt unterwegs. Neben Theo Scholten sind Arzthelferin Christel Lässer und der ehemalige Feuerwehrmann Wolfgang Hellmich an Bord. Hellmich steuert den ausrangierten Rettungswagen, der schon mehr als 250 000 Kilometer gefahren ist, aber alles hat, was die rollende Praxis braucht: Behandlungsliege, Medikamente, Verbandsmaterial und Überweisungsscheine. Das gesamte Team arbeitet ehrenamtlich. „Wir machen das gerne”, sagt Christel Lässer. „Das ist ein ganz friedliches Miteinander.”
Das Arztmobil ist Teil eines NRW-weiten Projektes, das seit 2006 läuft und mit dem die medizinische Versorgung Obdachloser sowohl organisatorisch als auch finanziell gesichert wird. Die Kosten werden für alle beteiligte Städte von den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und den Kommunen finanziert.
Vor dem Einstieg in das Projekt konnte den Hilfesuchenden in Hagen nur eine Erstversorgung angeboten werden, die zum großen Teilen von Spenden getragen wurde. „Heute haben wir erstens die Mittel und zweitens die nötige Ermächtigung, um einen Schritt weiterzugehen”, erklärt Heike Spielmann-Fischer von der Diakonie. Jetzt können Medikamente verschrieben, die Patienten an Fachärzte überwiesen und damit in das bestehende Gesundheitssystem integriert werden. „Und das ist eigentlich unser oberstes Ziel.”
Denn nur jeder zehnte Obdachlose wendet sich mit seinen Beschwerden an einen Hausarzt, weiß Theo Scholten. Die Hemmschwelle ist groß: „Sie wissen, dass sie in einer Arztpraxis unangenehm auffallen, andere verlieren gar das Gefühl für körperliche Symptome”, sagt der Mediziner. „Wir kriegen die Menschen einfach nicht in die Routineversorgung”, so Scholten. „Das ist das größtes Problem.”
Zwei Patienten hat der ehemalige Chefarzt heute ins Krankenhaus geschickt und damit zumindest den Weg für eine gute Behandlung geebnet. Wichtig ist Theo Scholten aber vor allem, dass den Hilfebedürftigen überhaupt die Möglichkeit zur medizinischen Versorgung gegeben wird. „Die Menschen vertrauen uns.” So auch der Mann mit dem gebrochenen Fuß. Dass er nicht in die Klinik gehen wird, das steht für den Mediziner so gut wie fest. „ Aber er wird wieder herkommen”, da bin ich mir ganz, ganz sicher.

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