Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Verschärfung des...

Sogar Farbmunition im Visier

07.05.2009 | 19:00 Uhr

Hagen. „Was verbieten sie noch - vielleicht das Flipper-Spielen?” Alex Mayer betreibt seit zwei Jahren in Lippstadt eine Paintball-Halle. Dort beschießen sich junge Männer mit Gelantine-Kugeln voll Lebensmittelfarbe aus Luftdruck-Pistolen.

Paintball-Spieler: Das Verschießen von Farbkugeln per Druckluft soll künftig 5000 Euro Strafe kosten. Foto: ddp

Das soll künftig 5000 Euro Strafe kosten - weil es „menschenverachtend” sei. Zumindest, wenn die Vorschläge zur Verschärfung des Waffenrechts Gesetz werden.

„Das ist wie Fußball”, erklärt Mayer. „Es gibt Spielregeln. Da dreht niemand durch. Wenn sie das verbieten, können sie auch gleich die Schützenvereine zumachen.” Ein Vergleich, der Karl Jansen aus Menden, Oberst des Sauerländer Schützenbundes, ärgert: „Bei uns stehen Brauchtum und Werte im Mittelpunkt.”

Halbherzige Vorschläge der Politik

Jörg Jagener aus Soest ist Geschäftsführer des Westfälischen Schützenbundes für sportliches Schießen. Er findet die Vorschläge „halbherzig”: „Ein Verbot großkalibriger Kurzwaffen wäre für die meisten Sportschützen kein Problem. 95 Prozent unserer Mitglieder haben damit nichts am Hut.” Sie schießen mit Flinten auf Wurfscheiben, mit Langwaffen und kurzläufigen Sportpistolen: „Alles keine Waffen für einen Amoklauf.”

Unangemeldete Kontrollen der Waffenschränke findet er in Ordnung: „Wenn die Polizei mich im Auto anhält, kündigt sie das ja auch nicht vorher schriftlich an. Ich habe ein ruhiges Gewissen.” Man solle lieber gültige Vorschriften ausnutzen, statt „zum Rundumschlag auszuholen.”

Elektronisches Waffenregister überflüssig

Nicht begreifen kann er die Forderung nach einem bundesweiten elektronischen Waffenregister: „Jede legale Waffe ist doch bereits bei den Behörden registriert. Die brauchen doch nur ihre Dateien zu kopieren.”

„Wenn die Polizei mich anhält, kündigt sie das ja auch nicht vorher an.” Jörg Jagener

In Winnenden benutzte Tim K. eine Beretta 92. Solche Waffen, konzipiert für Polizei und Militär, sollen künftig nur noch von mindestens 18-Jährigen benutzt werden dürfen, derzeit dürfen damit auch 14-Jährige schießen. Waffenkenner schütteln den Kopf: „Und wenn ein Amokläufer 19 ist, werden sie dann das Mindestalter auf 21 hochsetzen?”

Das Bundesinnenministerium hält sich bedeckt: „Auf Initiative von Minister Schäuble wurde in Folge des Amoklaufs eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet. Ziel ist es, noch in dieser Legislaturperiode gesetzliche Verbesserungen des Waffenrechts vorzunehmen”, erklärt uns ein Sprecher lapidar.

Auch die Angehörigen der Opfer von Winnenden üben Kritik an den Vorschlägen

Selbst die Angehörigen der Opfer von Winnenden, die ein vollständiges Verbot großkalibriger Pistolen fordern, kritisieren den neuen Kurs: „Unsere Forderungen sind damit nicht erfüllt.” Faustfeuerwaffen dürften nicht in Haushalten „herumliegen”. Das Vorhaben sei „reine Kosmetik”.

Derweil will der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt Kontrollen der Waffenaufbewahrung in Wohnungen generell verhindern. Und Jochen Borchert vom Deutschen Jagdschutz Verband verlangt eine Umsetzung bestehender Vorschriften statt „die Jägerschaft unter Generalverdacht” zu stellen: Behörden können bereits jetzt von Jägern einen Nachweis für die richtige Aufbewahrung von Waffen einfordern, machen das aber „nur lückenhaft”.

Mehr zum Thema:

Von Ulrich Friske

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/675371/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Jahreskonferenz...
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
Unfall
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Fotostrecke
Liese am Rednerpult
Video
EU
Foto
Aus dem Ressort
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 14
Fortsetzungskrimi
Wendler und Schulthof fluchten und fühlten sich an der Nase herumgeführt. In zwölf Städten und Gemeinden hatten sie vergeblich gesucht, hatten historische Stätten und touristische Sehenswürdigkeiten kennen gelernt und manchen städtischen Werbeblock gehört. Aber eine Spur von der Schwarzen Hand?
Foto Text
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Fortsetzungskrimi
Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?
Foto