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Erklärmaschine

Siegerländer Pragmatismus:

18.07.2011 | 17:43 Uhr
Siegerländer Pragmatismus:
Markus Möller (li.) und Sean Kollak auf der Computermesse Cebit.

Siegen.Die Kunst, sich kurz zu fassen. Kaum jemand beherrscht diese Kunst besser als der geschätzte Siegerländer, dem durchaus wohlmeinende Menschen Mundfaulheit im positiven Sinne attestieren. Fast zwangsläufig, dass zwei Siegerländer im Internet eine Wissensplattform mit kurzen, prägnanten Erklärungen entwickelt haben.

„Twick.it“ heißt diese ­nicht-kommerzielle „Erklärmaschine“, die nach Angaben von Projektmanager Sean ­Kollak den „typischen Siegerländer Pragmatismus mit den modernen Kommunika­tionsmitteln des Social Web“ (aktive Gestaltung des Internet durch den Einzelnen) verbindet. Wobei mit Siegerländer Pragmatismus das Schnell-auf-den-Punkt-bringen gemeint ist. Kurzum: Die ­Kurzerklärungen, die von ­anderen Nutzern bewertet werden, dürfen nur maximal 140 Zeichen lang sein. ­Sozusagen: kurze Rede, langer Sinn.

Es gibt eine Vielzahl an ­Themen, die von Nutzern ­erklärt werden. Wobei ein Drittel der bislang 15 000 ­Erklärungen bei „Twick.it“ ­einen regionalen, sprich: Siegerländer Bezug haben. Also erfährt der geneigte Nutzer präzise und verständlich, was sich hinter den Begriffen Duffeln (Siegerländer Bezeichnung für Kartoffeln) oder Dilldappen (Siegerländer Fabelwesen) verbirgt. „Es ist eine Plattform, in der Menschen ihre kleinen Wissensschätze unterbringen können, und eine Fundgrube für Menschen, die interessante Dinge suchen“, sagt Kollak. Und in Zukunft womöglich eine interessante Kommunikationsmöglichkeit für Bereiche wie Tourismus und Stadtmarketing.

Der 36 Jahre alte Kollak hat die Wissensplattform, die automatisch Verlinkungen zu verwandten Themen herstellt, nach dem Erklärbär-Prinzip gemeinsam mit dem Siegener Web-Programmierer Markus Möller (36) entwickelt, mit dem er zusammen bei einer Siegener Werbeagentur ­gearbeitet hat. Die Sprache des sozialen Glossars aus dem Siegerland ist bewusst deutsch - auch, um sich von den ­sozialen Netzwerken made in USA zu unterscheiden. ­„Quasselecke hört sich doch besser an als Timeline und spricht eher Leute an, die noch nicht so viele Erfahrungen im Internet gesammelt haben“, sagt Sean Kollak und berichtet von verschiedenen Kom­munikationskanälen in seiner Erklärmaschine: eine Quas­selecke für öffentliche Dis­kussionen, eine Flüsterpost für private Nachrichten und ein Radar für automatisierte ­Benachrichtigungen, die ganz individuell eingestellt werden können. Alles für den gepflegten Austausch zwischen den Nutzern.

„Twick.it“ erklärt uns also die (Siegerländer) Welt. „Es gibt bislang in Deutschland keine vergleichbare Plattform“, sagt Sean Kollak, der seinen Mitstreiter Markus Möller und sich als eine Art Vorreiter sieht: „Unser Prinzip der Erklärmaschine kann Schule machen. Es lässt sich in den verschiedensten Regionen umsetzen.“

Man sei kein Facebook und kein Google, betont Kollak noch einmal. Ganz im Gegenteil, man sei sogar noch „sozialer“ als die sozialen Netzwerke, weil die Daten von jedem weiterverbreitet werden dürfen bzw. der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Und überhaupt: „Bei uns gibt es dieses ganze Gequatsche nicht.“ Der geschätzte Siegerländer mag eben keine ausschweifenden Reden.

Rolf Hansmann

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