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Kriminalität

Sexualmord nach 32 Jahren aufgeklärt

13.05.2011 | 19:03 Uhr
Sexualmord nach  32 Jahren aufgeklärt
Dietrich Entz spricht über den Tod seiner Tochter. Foto: Michael KLEINRENSING

Hagen.   32 Jahre liegt der Mord an seiner lieben Tochter Brunhilde (18) zurück, 32 Jahre lang hat er täglich an jene Nacht, in der ihn die Polizei aus dem Bett klingelte, denken müssen, und jetzt endlich kann er so etwas wie Genugtuung empfinden. Dietrich Entz (82) weiß nun, wer seine Tochter bestialisch ermordete.

32 Jahre liegt der Mord an seiner lieben Tochter Brunhilde (18) zurück, 32 Jahre lang hat er täglich an jene Nacht, in der ihn die Polizei aus dem Bett klingelte, denken müssen, und jetzt endlich kann er so etwas wie Genugtuung empfinden. Dietrich Entz (82) weiß nun, wer seine Tochter bestialisch ermordete.

Es war Dieter F. (damals 35), ein mehrfach vorbestrafter Sexgangster. „Ich bin froh, dass das Verbrechen endlich aufgeklärt ist“, sagt Entz, der ebenso wie seine Frau seit zwei Jahren in einem Hagener Altenheim lebt.

Dass der Mord an Brunhilde Entz, die alle „Bruni“ nannten, nach über drei Jahrzehnten enträtselt werden konnte, ist zwei Männern zu verdanken: dem Hagener Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer (59) und Martin Erlmann (54), Leiter der kriminaltechnischen Ermittlungsstelle im Polizeipräsidium. Sie holten die Akten des ungelösten Verbrechens noch einmal aus dem Schrank, wendeten neuartige Ermittlungsmethoden an und untersuchten die Asservate. „Wir hatten Glück, die Kleidung des Opfers stand noch zur Verfügung“, berichtet Erlmann. Experten des Landeskriminalamtes sicherten auf einer Hose von Brunhilde Entz DNS - sie stammte eindeutig von Dieter F., der wegen eines anderen barbarischen Frauenmordes seit 1980 eine lebenslängliche Haftstrafe im Gefängnis von Diez (nahe Limburg/Lahn) absitzt. „Ich gehe davon aus, dass er das Opfer überfiel, brutal missbrauchte und erwürgte“, so Oberstaatsanwalt Rahmer. „Die Leiche legte er unter einen VW Käfer.“

Der Mord an Brunhilde Entz erschütterte seinerzeit ganz Hagen. Die junge Frau, Verkäuferin bei Tschibo, hatte am 8. Januar 1979 mit Freunden eine Kneipe, den „Pilssalon“ am Bahnhof, besucht. „Sie wollte gar nicht ausgehen, hat sich aber überreden lassen“, erinnert sich ihr Vater. Gegen 2 Uhr machte sie sich auf den Rückweg zum 900 Meter entfernten Zuhause. Wahrscheinlich verließ auch Dieter F., der eine Kneipe nebenan besucht hatte, um diese Zeit das Lokal. Im Ortsteil Altenhagen muss er dem lebenslustigen Mädchen aufgelauert und es mit unbeschreiblicher Brutalität gequält und ermordet haben. Als Passanten Brunhilde Entz um 2.25 Uhr unter einem Auto fanden, war sie gepfählt, ihr Unterleib regelrecht auseinandergerissen. „Der Täter wollte die Frau vernichten“, so Kriminalist Erlmann, der sich damals als blutjunger Ermittler seine ersten Sporen verdiente, allerdings noch nicht mit dem Mord befasst war.

Untergetaucht

Dieter F., der aus Worms stammte, aber in Hohenlimburg wohnte, tauchte nach der Tat unter. Zwei Monate später brachte er in Mainz eine zweite Frau auf ähnlich grausame Weise um; beim Versuch, die Leiche zu beseitigen, wurde er gefasst. Seitdem sitzt er im Gefängnis. Zum Mord an Brunhilde Entz will er sich nach Informationen unserer Zeitung nicht äußern.

Dietrich Entz jedoch möchte dem Mörder seiner Tochter, wenn demnächst der Prozess am Landgericht Hagen eröffnet wird, gegenübersitzen. „Ich will sehen, welches Schwein meiner Bruni so etwas angetan hat“, sagt der Rentner, der den Verlust seines jüngsten Kindes nie verwunden hat: „Ich musste sie in der Leichenhalle identifizieren. Bis auf den Kopf war alles zugedeckt.“

Ihr Grab ist längst eigeebnet

Brunhilde Entz wurde auf dem Friedhof am Loxbaum bestattet, das Grab ist längst eingeebnet, das Verbrechen war schon fast vergessen, nur die Erinnerung quälte Dietrich Entz, die Bilder jener Nacht, die Fahrt im Polizeiauto durch die dunklen Straßen der Stadt, seine Frau, die auf dem Boden der Leichenhalle lag und schrie, das blau unterlaufene Gesicht seiner Tochter.

Mit geballter Macht wird jetzt alles nach oben gespült, seine Frau ist dement, es ist, wenn man so sagen darf, ein gnädiges Vergessen, aber Dietrich Entz will bei der Verhandlung zugegen sein und dem Mörder seiner Bruni in die Augen schauen: „Das bringt sie mir ja nicht zurück. Aber wir hatten vier Kinder. Es sind nur noch drei.“

Hubertus Heuel

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