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3D-Kino

Schmerzen beim Blick in die dritte Dimension

19.01.2010 | 18:22 Uhr
Schmerzen beim Blick in die dritte Dimension

Hagen. Aahhs und Oohhs schallen derzeit aus Deutschlands Kinosälen. Der Grund ist die dritte Dimension. Die Besucherzahlen des Blockbusters „Avatar” belegen - die dreidimensionale Darstellungsform begeistert das Publikum. Doch Kinobesucher klagen über Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Schwindel.

Statt vor der flachen Leinwand sitzen Zuschauer mitten drin: Hubschrauber schwirren über Köpfe, Actionstars schießen in die Sitzreihen, Brad Pitt ist zum Greifen nah. Doch viele Kinobesucher klagen über Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. In Taiwan ist nun sogar ein 42-jähriger Mann an einer Hirnblutung gestorben, nachdem er sich das 3D-Spektakel im Kino angesehen hatte.

Eine stetig wachsende 3D-Fangemeinde verlangt nach neuen Angeboten. Und die Industrie reagiert - Sony stellte jüngst auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas seine neueste Gerätschaft vor: Den ersten 3D-fähigen Fernseher. Andere Anbieter ziehen nach - in diesem Jahr wollen praktisch alle TV-Geräte-Hersteller auf den Massenmarkt. Film-Bösewichte ballern dann ins heimische Wohnzimmer, vielleicht schon diesen Sommer.

Neue Einnahmequellen

Auch die Erotikbranche erhofft sich auf dem Home-Entertainment-Markt neue Einnahmequellen: Porno-Produzenten träumen, die flache Leinwand-Welt zu verlassen und ihre Kunden in plastische Sphären zu schicken. In Las Vegas stellten sie das erste Porno-3D-Heimkino vor.

Doch was den einen vergnügt, ist für den anderen womöglich mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Sehstörungen verbunden. „Wem beim 3D-Filme schauen schlecht wird, sollte zunächst einen Augenarzt aufsuchen”, rät Prof. Dr. Hans-Werner Meyer-Rüsenberg, Direktor der Augenklinik des Hagener St. Josef Hospitals. „Ist das der Fall, liegt möglicherweise ein Ungleichgewicht zwischen den Augenmuskeln vor.” Und erklärt weiter: „Bei Patienten mittleren Alters klemmt der ,Zoom', also das Umschalten der Augen von Ferne auf Nähe und umgekehrt.” Wenn dies nicht richtig funktioniert, müssen sich diese Menschen beim Sehen besonders anstrengen - das verursacht Kopfschmerzen. 3D-Kino sei Höchstleistung für Augen und Gehirn.

Um das nachvollziehen zu können, ist es hilfreich, die Technik zu verstehen. Ein 3D-Film wird mit zwei Kameras gleichzeitig aufgenommen, die beim Dreh nebeneinander stehen, ähnlich wie das rechte und das linke Auge. Beim Schauen des fertigen Films bekommen dann beide Augen gleichzeitig verschiedene Bilder zu sehen - so entsteht der dreidimensionale Eindruck. „Daher funktioniert die Technik auch nur, wenn man auf beiden Augen sehen kann”, bestätigt Hans-Werner Meyer-Rüsenberg. Im Gehirn werden die beiden Bilder wieder zusammengesetzt - das strengt Augen und Hirn massiv an.

Ein weiteres Problem: Durch das intensive Gucken vergessen Zuschauer zu blinzeln. Übrigens auch ein häufiges Problem für Menschen, die lange am PC arbeiten. Die Schleimhaut des Auges trocknet aus - das kann ebenfalls Kopfweh verursachen. „Dann hilft es, das Auge zu schließen, es zu entspannen.” Gesundheitliche Folgen haben Kinobesucher aber nicht zu erwarten. „3D-Filme zu schauen ist nur intensives Sehen. Und das ist an sich nicht schädlich.”

Augen zu

Der Todesfall des 42-jährigen Mannes aus Taiwan ist also trauriger Zufall. Laut Medienberichten litt er unter hohem Blutdruck, die Hirnblutung habe er wohl aufgrund übermäßiger Aufregung erlitten. Der Augen-Experte gibt Entwarnung: „Keiner muss auf das 3D-Vergnügen verzichten.” Und plagen die Kopfschmerzen im Kino doch zu sehr, lautet die ärztliche Empfehlung: Augen zu und durch.

Kristina Mader

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