Schlämmer versetzt in Grevenbroich Schuttberge
17.08.2009 | 19:02 Uhr 2009-08-17T19:02:00+0200
Grevenbroich. Viele Menschen glauben, dass es Horst Schlämmer gar nicht gibt. Dass der schmierige Lokaljournalist mit Wampe unterm Trenchcoat, Moppfrisur und Schnappatmung nur eine Erfindung von Hape Kerkeling ist. Wie dem auch sei: In Grevenbroich hat er eine Menge bewirkt.
In Horst Schlämmers Heimat Grevenbroich hat der angeblich fiktive Spitzenkandidat der Horst-Schlämmer-Partei (HSP) wenige Tage vor dem Kinostart seines Films „Isch kandidiere” schon allerlei ganz Reales bewirkt.
„Es war furchtbar”, sagt Elisabeth Huthmacher, „ein Schandfleck und gefährlich dazu.” Sie meint den Schutthaufen auf dem Nachbargrundstück an der Richard-Wagner-Straße im Stadtteil Orken. Gut zweieinhalb Jahre musste sie damit leben. Am Neujahrsmorgen 2007 war plötzlich eine Mauer des Hauses zusammengefallen, kurz darauf ließ die Stadtverwaltung das Gebäude wegen Baufälligkeit niederreißen. Der Schutt blieb liegen - bis am Montag vergangener Woche ein Bagger anrollte und den Schutt abräumte. Bürgermeister Axel Prümm (CDU) hatte das kurzfristig organisiert.
Richard Wagner statt Amselweg
Was das mit Horst Schlämmer zu tun hat? Der wohnt gegenüber. In einem Fünfziger-Jahre-Einfamilienhaus. Amselweg 94 ist die Adresse in Film und TV, doch im dreidimensionalen Grevenbroich heißt die Straße nach Richard Wagner. Und wenn Schlämmer auf Frauensuche sein Eigenheim vorführte, war im Hintergrund immer der peinliche Schutthaufen zu sehen. Und als eine Zeitung titelte „Horst Schlämmer deckt Umweltskandal auf”, kam noch am gleichen Tag das Abräumkommando.
„Haben Schlämmer zu verdanken, dass der Müll weg ist”
„Natürlich haben wir das Schlämmer zu verdanken, dass der Müll weg ist”, sagt Josef Becker. Der 75-Jährige bewohnt mit Ehefrau Marga das Schlämmer-Haus. Oder vielleicht ist es auch anders herum: Drei Mal hat das Produktionsteam schon bei den Beckers gedreht. Und das kam so: Zu Beginn der Schlämmerei drehte Kerkeling ein Video zu seinem Lied in der Straße. Er kaufte Doornkaat am inzwischen abgerissenen Kiosk, schloss sich einer Festgesellschaft in der Kneipe Alt Orken an und war nach ein paar Stunden wieder weg. Wochen später kam ein Produktionsteam auf Wohnungssuche und entdeckte das Haus.
„Sie waren zuerst bei den Nachbarn”, erinnert sich der Hausherr, „aber deren Wohnzimmer war zu groß.” Für den Film sei zwar einiges umgebaut worden, aber ordentlich seien die Filmleute schon gewesen: „Ich habe gesagt: ,keinen Nagel in die Wand', und daran haben sie sich gehalten. Und aufgeräumt haben sie auch wieder.” Und Schlämmer/Kerkeling? „Der war im Stress.” Aber eine Autogrammkarte haben die Beckers bekommen.
Rheinisches Dehnungs-I
Was Horst Schlämmer niemand übel nimmt, ist seine Aussprache der 64.000-Einwohner-Stadt, die sich wegen ihrer Braunkohle-Kraftwerke und -Förderung „Bundeshauptstadt der Energie” nennt: Grevenbreusch. Dabei wäre Grevenbrooch korrekt. Fachbegriff: rheinisches Dehnungs-I. „Aber das nehmen die Einheimischen selbst nicht so genau”, sagt die Kioskbetreiberin in der Blumenstraße. „Die einen sagen so, die anderen eben so.” Die freundliche Frau, die ihren Namen nicht gedruckt sehen will, betont, dass sie Schlämmer zwar etwas albern findet, ihn aber trotzdem mag. Würde sie ihn auch wählen? „Warum nicht.” Für einen Fehlgriff hält sie die Anzeige, die CDU-Bürgermeisterkandidatin Ursula Kwasny drucken ließ. Darauf war sie gemeinsam mit dem berühmtesten Herrenhandtaschenträger der Republik abgebildet. Zum Ärger der Filmproduktionsfirma. Kwasny hat sich mittlerweile entschuldigt: „Ich bin doch ein großer Horst-Schlämmer-Fan. Und jetzt dieser schreckliche Wirbel. Das macht mich ganz fertig.” Ihre Aktion war die größte Aufregung im Kommunalwahlkampf. Was einen schon daran zweifeln lassen kann, ob die Realität mit der Fiktion mithalten kann.
Bei der örtlichen Neuss-Grevenbroicher Zeitung hat man daraus Konsequenzen gezogen: Fragen zu Horst Schlämmer, dem stellvertretenden Chefredakteur des ungleich berühmteren Grevenbroicher Tagblatts, werden nicht mehr beantwortet. Man will die Realitätsebenen schön auseinanderhalten. Bloß: Der Schutt ist wirklich weg.

10:08
Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,
ich heiße Horst Schlämmer und bin, wie Sie sicher schon wissen, der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts. Damit sind wir quasi Kollegen. Deshalb bitte ich hiermit um Ihre geschätzte Veröffentlichung meiner Spass-Attacke gegen Steinmeier in Ihrer Zeitung. Wenn ich es mit meiner HSP (Horst Schlämmer Partei) bis ins Kanzler(in)amt nach Berlin schaffen sollte, dann
lade ich Sie auch zu einem Interview mit reichlich Doornkaat in meine Kanzlersuite ein. Also jetzt mal ran an den Speck und mein Statement hübsch veröffentlichen tun. Weiße Bescheid. Denn: Isch kandidiere! Ich brauche so viel P. R. und Unterstützung wie Schnappatmungen für meinen Albtraum: Schlämmer for Kanzler, denn Steinmeier kann es nicht!:
Nach Jürgen W. Möllemann nun erst recht Horst Schlämmer. Nach dem Polit-Clown Jürgen W. Möllemann (FDP), der immer von 18% geträumt hatte und leider dabei vergaß, den Fallschirm zu öffnen, betrete ich, Horst Schlämmer, die politische Bühne. Nur, ich kämpfe nicht um die 5%-Hürde, ich steige bereits bei 18% im Umfragehoch ein. Das beweist, dass der Wähler endlich die Schnauze voll hat von spröden, furz- und knochentrockenen bzw. nichtssagenden Typen wie z. B. Frank-Walter Steinmeier. Wahlkampf und -krampf mit Frank-Walter Steinmeier passt nicht in unsere spassarme Zeit. Deshalb habe ich einen Wahlspot mit und gegen Frank-Walter Steinmeier gedreht. Der kann nämlich sowieso gegen meinen Deutschland-Plan - Solarium gratis für alle und Schönheitsoperationen auf Kasse - nicht anstinken:
Zum Wahlkampfaufritt von Frank-Walter Steinmeier ertönt Michael Jacksons Thriller BAD: Because I`m Bad, I`m Bad - Come on (Bad Bad - Really, Really Bad) You Know I`m Bad, I`m Bad - Come on, You Know I`m Bad... And The Whole World Has To Answer Right Now, Just To Tell You Once Again, Who`s Bad...
Dann betritt Frank-Walter Steinmeier staatsmännisch die politische Bühne und wendet sich an die krisengebeutelte Nation mit kämpferischen Worten:
Liebe Fans, mein politischer Ziehvater, Gerd Schröder, war BAD. Er hat Hartz I-IV, die Rente mit 67, die Agenda 2010 eingeführt und die SPD abgewirtschaftet. Er hat nach dem Vorbild des großen Genossen Stalin die SPD-Führungstroika zerschlagen und Politgrößen wie Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine geschasst, bis nur noch Don Münte aus dem schönen Sauerland übrigblieb.
Und gerade deshalb verspreche ich in der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 - um der sozialen Gerechtigkeit willen - vier Millionen zusätzliche Jobs im absoluten Niedriglohnsektor für einen branchenübergreifenden Mindestlohn von 1 €/Std. mit kostenlosem Schlafplatz im Obdachlosenheim bzw. all-inclusive Caritas-Suppenküche und örtliche Tafel. Da es sich hierbei um neue Supermini-Vollzeitjobs handelt, entsteht allerdings kein Rentenanspruch. So muss durchgearbeitet werden bis der Arzt und danach der Sensenmann höchstpersönlich vorbeikommt.
Dafür brauchen wir mehr als je zuvor natürlich die BAD BANKS, damit die Good Banks unsere Wirtschaft mit Krediten versorgen und so künstlich am Leben erhalten können, oder so. Denn nur mit den BAD BANKS können wir der bösen Krise trotzen, so wie wir auch den Teufel nur mit Belzebub austreiben können. Ich will dabei Euer Exorzist - ähm Kanzler - sein, der Euch wie einst Moses trockenen Fußes aus der Krise herausführen wird.
Ich bin nämlich ein echter Rolling Stone, der alle Songs der Rolling Stones wirklich draufhat, - außer: ANGIE - und diese unerschütterlich bis zum bitteren Ende abrocken kann. Darum werde ich meinen Weg konsequent weitergehen und nichts wird mich aufhalten. Ich allein bin der Kanzlerkandidat der alten Dame SPD, der Mutter aller Parteien. Deshalb kann mich auch die sog. Mutter der Nation, Angela Merkel, nicht von meinem unumstößlichen Ziel abbringen. Ich persönlich werde sie zur Oma machen und ins Pflegeheim abschieben. So wahr ich Frank-Walter BAD Steinmeier heiße. Deutschland braucht klare Kante und meine erlösenden Worte: Ein Rolling Stone(d)(meier) muss Kanzler werden. Drum wählen Sie bitte nur mich am 27. September 2009 in meinem Wahlkreis in Brandenburg, wo mich keine Sau kennt, und mit der Zweitstimme meine ehemalige Volkspartei: die BAD-SPD. Danke, für Ihren nicht eintreten wollenden Beifall. Glück auf, wir können es gebrauchen. Yes, I can`t Kanzler.
*** PS: Schätzelein, wenn Du das abdruckst, dann komm ich mal bei Dir zu Hause vorbei. Mit mir kannst Du allemal mehr Spass haben als mit diesem langweiligen Steinmeier. Wenn nicht, dann krieg ich Rücken. Und das wollen wir doch beide nicht, oder?
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Leser Roland Klose aus 57392 Bad Fredeburg/Hochsauerland, Unter der Suntelt 5; Tel. (02974) 215.
17:48
...nach so viel Wirbel glaube ich dass es Menschen gibt, die nur oberflächlich von Horst Schlämmer gehört haben, am 27.9. mit ihrem Wahlzettel in die Wahlkabine gehen und nach einiger Zeit sich beim Wahlleiter beschwehren dass Horst Schlämmer nicht drauf ist, ha,ha, klaus h
03:01
... da haben wir es -- Deutschland sucht eben wieder den starken Mann, die Geschichte wiederholt sich ...
23:21
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23:02
Bitte wählt die Schlämmer-Partei...schlämmer als jetzt kann es nicht kommen...das wäre ein Ding :))