Schienenbusfahrer lässt zehn Kinder auf Bahnsteig stehen
09.02.2010 | 14:33 Uhr 2010-02-09T14:33:00+0100
Balve. Wieder hat ein Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr Recht vor Gnade ergehen lassen. In Balve ließ ein Busfahrer am Abend zehn Kinder stehen. Begründung: keine Fahrkarte, kein Transport. Doch am Haltepunkt gibt es keinen Automaten, an dem sich die Kinder eine Karte hätten kaufen können.
Da war der Zug abgefahren, und das Gesicht der zehn Kinder wurde immer länger. Der Fahrer des Hönnetal-Express' hatte den 12- bis 14-Jährigen am Freitagabend um 18 Uhr am Haltepunkt Volkringhausen die Mitnahme verweigert, weil sie keine Fahrkarten vorweisen konnten. Den Verkauf von Karten lehnte der Zugführer ab. Und: keine Fahrkarte, kein Transport. Dann schloss er die Türen des Schienenbusses und fuhr davon.
Kein Automat
Der Knackpunkt: Am Haltepunkt Volkringhausen gibt es keinen Automaten, an dem sich die Kinder eine Karte hätten kaufen können. Verärgert über den „sturen Schaffner” alarmierten die stehengelassenen potenziellen Mitfahrer die Polizei. Als sie den Beamten per Handy ihre Geschichte erzählten, machten sich die Ordnungshüter sofort auf den Weg nach Volkringhausen. Dort warteten die Beamten gemeinsam mit den verschmähten Fahrgästen auf die Rückkehr des Schienenbusfahrers.
Pünktlich traf der Triebwagen am Haltepunkt ein. Nachdrücklich erklärten die Polizisten dem herzlosen Bahnbediensteten, dass auch ohne Fahrkarte eine Beförderungspflicht besteht, wenn an der jeweiligen Station kein Fahrkartenautomat installiert ist. Doch der Zugführer blieb unbelehrbar. Er entgegnete, dann hätten sich die Kinder eben an anderer Stelle eine Fahrkarten kaufen müssen.
Freundlicher Zugführer
Wesentlich freundlicher und flexibler zeigte sich der nächste Zugführer, der gegen 19 Uhr mit einem Schienenbus in Volkringhausen eintraf. Ohne Umschweife ließ er die Kinder einsteigen (es waren allerdings nur noch acht, denn zwei Mädchen waren von ihren Eltern abgeholt worden). Ohne zu zahlen, durften sie mit bis nach Balve fahren. Dort mussten sie sich nachträglich ein Ticket kaufen und unter der Aufsicht des Schienenbusfahrers entwerten. Für alle eine machbare und zufriedenstellende Lösung.
Eine Stellungnahme der Deutschen Bahn steht aus. Pressesprecher Gerd Felser: „Wir haben noch nicht mit den Beteiligten reden können.”

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