Rüttelstreifen sollen Leben retten
15.07.2011 | 17:55 Uhr 2011-07-15T17:55:00+0200Meschede/Hagen.Weil das Land der Seen und der Berge auch das der Kurven und Gefälle ist, sind Sauerländer Straßen bei Motorradfahrern sehr beliebt. Aber manchmal schlägt Liebe in Raserei um, und Tote sind die Folge. Dann müssen die Behörden reagieren und im schlimmsten Fall beliebte Motorradstrecken an Wochenenden und Feiertagen sperren. Das gilt beispielsweise seit drei Jahren für den Ochsenkopf von Sundern nach Arnsberg. Auf der B 236 zwischen Letmathe und Schwerte gehören sogar die Werktage zwischen 17 und 21 Uhr zur Sperrzeit.
Das sind radikale Maßnahmen, die letzte Möglichkeit, wenn sonst nichts mehr geht. „Haben Sie schon erlebt, dass Straßen für Autos gesperrt werden, wenn viele zu schnell fahren und Unfälle bauen?“, fragt Heinrich Bergerbusch und ergänzt: „Eben.“ Der Verkehrsingenieur beschäftigt sich beim Landesbetrieb Straßen NRW mit baulichen Maßnahmen zur Zweiradsicherheit. Und seit 2003 kann er eine Möglichkeit nutzen, die nach seinen Angaben gute Erfolge erzielt hat: Rüttelstreifen.
An sieben Stellen in NRW sind die 1,5 Zentimeter hohen und 50 Zentimeter breiten Schwellen bislang installiert, und jetzt kommen noch zwei dazu: Am Dienstag die L 839 zwischen Hellefeld und Arnsberg (Hellefelder Höhe) und am Mittwoch die B 236 zwischen Schmallenberg und Albrechtsplatz in Höhe des Panoramaparkplatzes.
Der Bundesverband der Motorradfahrer, die Polizei, der HSK sowie die Städte sundern und Schmallenberg wollen damit gegen die jahrelange Häufung von Motorradunfällen vorgehen. „Andere Möglichkeiten wie Richtungstafeln in Kurven und durchgezogene doppelte Mittelmarkierungen haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht“, sagt Rudolf Heupel von Straßen.NRW in Meschede. Nun hofft man, mit den Rüttelstreifen eine Sperrung vermeiden zu können.
„In sechs der sieben bisherigen Fälle ist das gelungen“, erklärt Bergerbusch. Ausnahme: die B236 zwischen Letmathe und Schwerte. Und am Ochsenkopf seien die „Aufmerksamkeitsstreifen“ nicht einsetzbar, weil Motorräder hier wegen der Kurven in Schräglage gefahren werden. Das wäre zu gefährlich. Anderswo ist es Anwohnern nicht zuzumuten, dass leere Sattelschlepper über die Schwellen donnern.
Vorbild für die Rüttelstreifen waren Querschläge an Autobahnausfahrten, die Fahrer zur angepassten Geschwindigkeit motivieren sollten. Ebenfalls mit Erfolg. „Man kann niemand zwingen, ordentlich zu fahren“, weiß Bergerbusch, selbst Motorradfan. „Aber wenn wir den Anteil der Rennsemmeln und Kampfschweine, der bei fünf bis zehn Prozent liegt, senken können, ist schon viel gewonnen.“

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