Roman Polanski ist der erste Star der Berlinale
12.02.2010 | 18:09 Uhr 2010-02-12T18:09:00+0100
Berlin. Mit Roman Polanskis neuem Thriller „Der Ghostwriter” hat die Berlinale bereits an ihrem ersten Arbeitstag einen in doppelter Hinsicht bemerkenswerten Höhepunkt erlebt. Pikanterweise gibt es im Film einige Parallelen zu Polanskis gegenwärtiger Wirklichkeit.
Die Situation hat etwas Eigentümliches, etwas geradezu Bizarres: Alle bejubeln den Meisterregisseur, und der sitzt derweil in einem Haus in der Schweiz, von einer elektronischen Fußfessel daran gehindert, sein Zwangsdomizil zu verlassen. „Der abwesende Polanski sorgt im Moment für größere Aufregung als zehn anwesende Renée Zellwegers”, staunt ein Kollege von der Berliner Zeitung.
Mit Pierce Brosnan, Ewan McGregor und Olivia Williams sind fast alle Hauptdarsteller des Polanski-Films nach Berlin gekommen, lediglich Kim Cattrall („Sex and the City”) hat es leider nicht geschafft. Die Anwesenden jedoch, zusätzlich flankiert durch den Produzenten Robert Benmussa und den Bestsellerautor Robert Harris, werden nicht müde, die professionelle Klasse und mitmenschliche Freundlichkeit Roman Polanskis in humorvollen Anekdoten vom Dreh und wehmütigen Gedanken Richtung Schweiz zu loben.
Von Trauer zu Heiterkeit
Der Beobachter hat den Eindruck, er wäre bei einer Art Leichenschmaus, wo auch häufig die Trauer über den Verstorbenen von plötzlicher Heiterkeit in gleich wieder tiefe Melancholie wechselt. Doch dieser Roman Polanski ist nicht tot, sondern lediglich seit dem 26. September in der Schweiz in Haft gesetzt. Vorgeworfen wird ihm immerhin das Delikt, vor mehr als 30 Jahren eine Minderjährige in den USA sexuell missbraucht zu haben. Polanski bestreitet das auch gar nicht, das damals 13-jährige Mädchen hat ihm in aller Öffentlichkeit verziehen, aber der amerikanische Haftbefehl wurde nie außer Kraft gesetzt, und nun hat die Schweiz spektakuläre Amtshilfe geleistet.
Verteidiger und Staatsanwaltschaft ringen nun schon seit Monaten darum, wie es weitergehen soll, Auslieferung oder Freilassung, und das Gezerre kann sich noch gut ein Jahr lang weiter hinziehen. An dieser Stelle kommt nun Polanskis Wettbewerbsbeitrag für die Berlinale ins dramatische Spiel. Die Produktion war zum Zeitpunkt der Arrestierung praktisch fertig; letzte Korrekturen nahm der Regisseur mittels Kurier-Hilfe aus seiner Gefängniszelle vor.
Pikante Parallelen
Pikanterweise gibt es im Film einige Parallelen zu Polanskis gegenwärtiger Wirklichkeit. Es geht dabei um den ehemaligen britischen Premierminister, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden und dem nun sein zufälliger Aufenthaltsort in Amerika zum Zwangsexil wird. Pierce Brosnan spielt den gefallenen Politiker, wobei immer wieder Ähnlichkeiten zu Tony Blair und seiner Rolle im Iran-Krieg aufflackern. Ein Ghostwriter (Ewan McGregor) soll vor Ort die Memoiren des Premierministers in eine möglichst verkaufbare Fassung gießen, und dabei stößt der Berufsschreiber auf lebensgefährliche Fakten für alle Beteiligten.
Polanski hat die Roman-Vorlage von Robert Harris geradezu perfekt in seinem Film umgesetzt. In Berlin bekannte Harris bescheiden, die Verfilmung sei teilweise noch besser als sein Buch geworden. Tatsächlich ist schon lange nicht mehr ein derart vollkommenes Filmwerk gelungen.
Filmstart in Deutschland am 18. Februar
Bis ins letzte Detail stimmig und spannend, hervorragend auch in der kleinsten Nebenrolle besetzt. Kamera- und Toneinstellungen, Musikuntermalung und Kulissen fügen sich zu einem Gesamtkunstwerk. Der Film startet am 18. Februar in den deutschen Kinos.
Er sei „sehr stolz, für diesen großartigen Mann gearbeitet” haben zu dürfen, setzt Pierce Brosnan in Berlin einen weiteren Akzent der Polanski-Verehrung: „Wir alle haben für ihn unser Bestes gegeben; es war ein magisches Erlebnis.”
Besser als der Roman
Roman Polanski wird das alles mit Genugtuung aus der Ferne zur Kenntnis nehmen - und einmal mehr jenen verhängnisvollen Tag vor über 30 Jahren verfluchen.

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