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"Risiko ist für die Banken momentan ein No-Go"

23.07.2009 | 15:11 Uhr

Hagen/Arnsberg. Während die Banken eine Kreditklemme verneinen, ist der Aufschrei bei betroffenen Unternehmen groß. Kammern und Arbeitgebervertreter sehen das Thema zwiespältig. Im WP-Interview bezieht der Arnsberger Finanzberater Klaus-Dieter Erdmann eindeutig Stellung.

Westfalenpost: Der eine klagt über sie, der andere dementiert sie: Was ist Ihre Meinung zur angeblichen Kreditklemme?

Klaus-Dieter Erdmann: Ich meine ganz eindeutig: Ja, es gibt eine Kreditklemme. Ich berate mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen und stelle fest, dass die Banken deutlich restriktiver geworden sind. Sie schreiben mehr Formalien vor und wollen mehr Sicherheiten, um ihr eigenes Risiko zu mindern. Risiko ist für die Banken momentan ein No-Go.

WP: Warum soll das so sein, wenn die Banken doch behaupten, es gibt kein Problem?

Erdmann: Wir haben auf der einen Seite das Eigenkapital der Banken und auf der anderen Seite die Bonität der Unternehmen. Beides hat sich wegen der Krise verschlechtert. Gerade wenn sich die Bonität der Unternehmen verschlechtert, wird aber aufgrund rechtlicher Regularien mehr Eigenkapital zur Unterlegung der Kreditrisiken benötigt. Es gibt zwar neu aufgelegte, teilweise haftungsfreigestellte öffentliche Kreditprogramme. Die werden aber nicht von allen Banken angeboten, da sie ein eigenes Haftungsrisiko für die Banken beinhalten und die Margen einigen zu gering sind.

Von den Zinssenkungen der letzten Monate haben die Kreditnehmer ja bisher ohnehin wenig gesehen. Liquidität bei den Banken wäre vorhanden. Ende Juni haben sich die Kreditinstitute 442 Milliarden Euro zu Prozent auf 12 Monate bei der Europäischen Zentralbank geliehen. Dieses Geld ist bisher aber weitgehend bei der EZB angelegt worden. Dort sind die Einlagen der Banken von Ende bis zum 1. Juli von 11 Milliarden auf 257 Milliarden Euro angestiegen.

WP: Klingt teilweise aber auch nach einem strukturellen Problem.

Erdmann: Bei allen Vorschlägen sitzen zwei Parteien am Tisch: Politik und Banken. Da wurden die Brandstifter der Krise aber zu den Feuerwehrleuten gemacht. Verantwortung und Haftung fallen einfach auseinander. Die Banken müssen ihrer originären Verantwortung gegenüber den Unternehmen wieder gerecht werden. Die Kreditklemme wird sich sonst nämlich noch verstärken.

WP: Was meinen Sie damit?

Erdmann: Bis ins 4. Quartal 2008 war die Auftragslage noch überwiegend gut. Dann brach der Absatz ein. Die Unternehmen haben ihre Kosten relativ rasch insbesondere durch Kurzarbeit angepasst. Bis dahin brauchen sie noch kein Geld. Aber 2009 ist Kreditbedarf aufgetreten, weil zum Teil Verluste finanziert werden mussten, und wenn die Wirtschaft wieder anzieht, werden die liquiden Mittel erst recht fehlen. Und wie sieht es dann mit den Banken aus?

WP: Was raten Sie den Firmen bei den Kreditverhandlungen?

Erdmann: Die Unternehmen sollen sich ihre eigene Finanzierungssituation und -bedürfnisse klarmachen und dann ein Finanzierungskonzept aufstellen. Dabei sollten sie die Möglichkeiten öffentlicher Mittel ausloten und ihre eigene Informationsbasis stärken, bevor sie konkrete Finanzierungsanfragen stellen. Firmen dürfen nicht allein auf die Beratung durch die Bank vertrauen.

WP: Was schlagen Sie vor, damit es nicht weiter zu den von Ihnen beschriebenen Verwerfungen für die Wirtschaft kommt?

Erdmann: Ein Blick nach Frankreich hilft da vielleicht: Da wurde ein Kreditwächter eingesetzt, um die Banken bei der Vergabe von Krediten zu überprüfen. Wir brauchen auf jeden Fall eine neutrale Stelle, an die sich Unternehmen wenden können, damit überlebensfähige Betriebe nicht wegen unbewilligter Kredite untergehen.

Tobias Patzkowsky

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