Reisebüros rügen Schalterzuschlag
15.10.2009 | 05:47 Uhr 2009-10-15T05:47:00+0200Hagen. Die Bahn führt durch die Hintertür einen Schalterzuschlag ein. Das beklagen Reisebüros. Die Bahn weist die Vorwürfe zurück.
Es geht um das Sonderangebot „Dauer Spezial”. Seit zwei Jahren bereits können Frühbucher ab 29 Euro durchs Land reisen. Wer das Billett im Internet oder am Automaten kauft, zahlt allerdings fünf Euro weniger als Kunden, die den Fahrschein am Schalter lösen und sich beraten lassen.
Mit der Erhöhung der Bahnpreise ab Dezember will die Bahn dieses Angebot noch massiv ausweiten. „Damit führt die Bahn den im letzten Jahr noch von allen Seiten bis hin zur Bundeskanzlerin abgelehnten Bedienzuschlag durch die Hintertür ein”, sagt der Arnsberger Guido Schulte vom Verband der Premium-Bahnagenturen. Im Herbst 2008 hatte die Bahn ankündigt, am Schalter eine Gebühr von 2,50 Euro pro Strecke zu verlangen. Politiker und Verbände protestierten, die Bahn zog den Plan zurück.
Beratung ohne Nachteile
Beim Verband der Bahnagenturen schätzt man, dass bis zu 80 Prozent des Fernverkehrs im Inland nun auf die Spezialtickets umgesteuert werden sollen. Und somit viel mehr Kunden als bislang den Aufpreis zahlen müssen.
„Wir sind dafür, dass es möglich sein muss, eine Fahrkarte in einer Agentur zu kaufen, ohne bestraft zu werden”, kritisiert Hartmut Buyken vom Fahrgastverband Pro Bahn. Kunden dürften nicht benachteiligt werden, nur weil sie sich beraten lassen, heißt es auch beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.
Beratung spart Geld
Zumal eine gute Beratung auch dazu führen könne, dass man am Ende eine günstigere Fahrkarte bekomme als am Automaten, sagt Hartmut Buyken. „Alle Preisvergleiche zeigen, dass die Kunden im Internet und am Automaten oft mehr zahlen, als wenn sie sich im Reisebüro beraten lassen”, so Guido Schulte. „Wir kennen alle Tricks und Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Angeboten, um einen besseren Preis zu erzielen.”
Von einer Strafe oder einem Aufpreis für Kunden, die am Schalter kaufen, will man bei der Bahn nicht sprechen. Vielmehr gebe es beim Kauf im Internet oder am Automaten einen Nachlass, weil das für die Bahn der billigere Vertriebsweg sei, so ein Bahn-Sprecher.

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