Personalchefs stöbern im Netz
21.08.2009 | 18:22 Uhr 2009-08-21T18:22:00+0200Nach einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage des Dimap-Instituts nutzt bereits mehr als ein Viertel der Arbeitgeber bei der Personalauswahl persönliche Informationen von Bewerbern aus dem Internet. Datenschützer halten diese Entwicklung für bedenklich.
Das Internet vergisst nichts. Auch nicht das Foto von dem jungen Mann, das auf einer Sauftour entstanden ist und das in ein soziales Netzwerk wie Myspace, Facebook oder StudiVZ gestellt wurde, in dem Menschen ungeschützt teils sehr private Informationen über sich preisgeben. Jahre später stößt ein Personalchef auf dieses Bild in feucht-fröhlicher Runde und sagt dem Arbeitsplatzbewerber ab - der Mann könnte ein Alkoholproblem haben.
Eine frei erfundene Geschichte. Aber sie könnte wahr sein. Wie die Berliner Zeitung berichtete, werden Stellensuchende „zum Teil systematisch” mit Hilfe persönlicher Daten aus dem weltweiten Netz „auf ihre Hobbys, Interessen, Meinungsäußerungen oder auch private Vorlieben hin getestet”. Verbraucherministerin Aigner warnt die Bürger deshalb vor einem allzu freizügigen Umgang mit persönlichen Informationen im Internet.
Michael Heidelberger, Vorstand des Fachverbandes Personalberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater, bestätigt, dass es eine steigende Tendenz gebe, Jobsucher im Internet zu überprüfen. „Dass aber, wie in der Dimap-Studie berichtet, dies mehr als ein Viertel der Arbeitgeber tut, glaube ich nicht.” In Großunternehmen könne dies der Fall sein, aber in Richtung Mittelstand seien es deutlich weniger.
Für den Unternehmensberater aus Stuttgart ist es nachvollziehbar, wenn Personalchefs sich im Web zusätzliche Informationen über einen Berufskandidaten besorgen, „um über die häufig geschönten Bewerbungsunterlagen hinaus eine sichere Entscheidung zu treffen”. Eine Einzelinformation aus einem sozialen Netzwerk freilich ließe keine eindeutigen Rückschlüsse zu und könne nie ausschlaggebend für eine Personalentscheidung sein. „Es kann nur eine Tendenz aufzeigen bzw. einen Gesamteindruck verstärken.” Dass Personalabteilungen damit möglicherweise Persönlichkeitsrechte verletzen, findet Heidelberger nicht. Das Internet sei für jeden frei zugänglich. „Warum sollte dies Unternehmen verwehrt sein?”
Diese Sicht können Datenschützer nicht nachvollziehen. „Es ist praktisch rechtlich nicht zulässig”, sagt Bettina Gayk, Sprecherin der NRW-Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, „alle relevanten Daten müssen unmittelbar beim Bewerber erhoben werden.” Zudem gebe es keine Garantie, dass Personalchefs beim Surfen auf die richtigen Daten über den möglichen künftigen Mitarbeiter stoßen. Es könnten Bilder gefälscht sein, so Gayk, oder Namen verwechselt werden.
Für den Bewerber sei es sehr schwierig, sich vor solchen Praktiken zu schützen. „Im Vorstellungsgespräch wird niemand sagen, dass er sich Informationen im Internet besorgt hat”, so die Sprecherin der NRW-Datenschutzbeauftragten. Sie kann Arbeitsplatzbewerbern nur raten, persönliche Daten kontrolliert und nicht allgemein zugänglich ins Netz zu stellen. Gleichzeitig fordert sie, dass soziale Netzwerke dem digitalen Exhibitionismus entgegenwirken und die höchste Schutzstufe an den Anfang des Nutzerkontakts stellen. „Das sensibilisiert ihn, Informationen über sich nicht allzu sorglos zu verbreiten.”

04:27
Ja und? Sollen sie doch!
Gut ausgebildete Leute googeln schließlich die Firma auch, BEVOR sie ein Bewrbung abschicken.
Ich habe auf diese Art und Weise schonmal auf ein Nebenjob-Angebot verzichtet, da Google genug Berichte fand, was in der Firma so abging.
Gleiches Recht für alle....
10:21
STASISPITZEL und SPION = Personalchef
23:38
Personalchefs sollten sich genau überlegen ob Sie das wirklich tun. Im Netz steht leider auch oft komplett Falsches. Zudem haben Services wie Reputationsverteiger.de oder OnID.de die Möglichkeit Profile im Netz verschönern. Schöne neue Welt.