Olympia-Club Haspe: In 61 Jahren zweimal um die Welt
11.08.2009 | 21:58 Uhr 2009-08-11T21:58:00+0200Hagen. Zürich ist Geschichte, die Zukunft heißt Berlin. Mehr als 80 000 Kilometer sind die Mitglieder des Olympia-Club Haspe schon in Sachen Sport gereist.
Reiht man alle Fahrten aneinander, zweimal um die Welt. Die am Samstag beginnende Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der Hauptstadt wird das Konto weiter aufstocken. Globale Sport-Championate waren noch selten, als Erich Beermann 1948 im Hagener Stadtteil Haspe den Olympia-Club ins Leben rief. Der Elektromeister von der einstigen Hasper Hütte, ein Stahlwerk, das in seiner Blütezeit bis zu 7000 Beschäftigte zählte, setzte eine Idee um, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin geboren wurde. Einige Hasper waren damals live dabei und wurden angeregt, in ihrer westfälischen Heimat den olympischen Geist hochzuhalten. Nicht zuletzt der 2. Weltkrieg führte dazu, dass bis zur Verwirklichung dieser Pläne zwölf Jahre vergingen. Drei Jahre nach Kriegsende war es dann soweit. Zehn sportinteressierte Männer fanden sich zur Vereinsgründung zusammen. Den olympischen Gedanken zu pflegen, Völkerverständigung über den Sport zu betreiben und nicht zuletzt die Ermöglichung erschwinglicher Fahrten für die hauptsächlich „auf der Hütte” beschäftigten Mitglieder schrieb sich der neue Club auf die Fahne. „Privat-Autos gab es damals ja kaum”, weiß der aktuelle Vorsitzende Winni Knesia (55), dessen 85-jähriger Vater Heinz zur ersten Olympia-Club-Generation zählt. „Es galt, Busreisen zu organisieren, nachdem die Grundlage dafür geschaffen war, überhaupt Karten für Großveranstaltungen zu bekommen”, erläutert Dieter Schüßler, seit 31 Jahren dabei. Denn diese Billets wurden früher vorwiegend an Vereine vergeben. Dank ihres Olympia-Clubs zählten Hasper Werktätige zu den ersten deutschen „Sporttouristen” der Nachkriegszeit. Als die Fußball-Nationalelf 1951 ihr erstes Nachkriegs-Auswärts-Länderspiel in Zürich mit 3:2 gegen die Schweiz gewann, waren „Olympioniken” aus dem Hagener Westen dabei. Fahrten nach Frankreich, Holland oder England folgten. Die waren in den 50er-Jahren abenteuerlicher als heute. „Zwecks Überwindung des Ärmelkanals wurde der Bus auf einen Frachter verladen”, weiß der frühere Club-Chef Kurt Findeisen aus der Pionierzeit zu berichten. Dieter Schüßlers erste Tour ist „erst” 30 Jahre her. München war im Mai 1979 das Ziel, das Fußball-Europapokal-Finale der Landesmeister zwischen Nottingham Forest und Malmö FF der Anlass. „Kurz vor München hatte der Bus einen Defekt”, erinnert sich Schüßler noch gut. Die Olympia-Club-Truppe saß im Bus, als das Fahrzeug auf eine Hebebühne gehoben und inspiziert wurde. Weil eine schnelle Reparatur nicht zu machen war, ging es mit Taxis ins Olympiastadion. „Nach einem müden Kick”, erzählt Schüßler, „wollten wir noch ein Bier trinken.” Aber es hatte nur noch ein Hähnchenbrater geöffnet. Schüßler: „Biergärten und Kneipen hatten dicht gemacht - aus Angst vor britischen Hooligans.” Neben nationalen und internationalen Fußball-Höhepunkten - wie zuletzt das WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Russland in Dortmund - ziehen auch andere Sportarten die aktuell 26 Hasper Vereinsmitglieder im Alter zwischen 32 und 81 Jahren alljährlich an. Die Eishockey-WM 1993 in München, Bundesliga-Handball in Kiel beim Gastspiel von Gummersbach oder Weltcup-Wintersport in Winterberg waren in der Vergangenheit lohnenswerte Ziele. Nur eine Gruppenreise zu Olympischen Spielen gab es trotz des Club-Namens noch nie. „Wir haben es mehrfach versucht, sind aber mit der Umsetzung immer gescheitert”, bedauert Winni Knesia. „Keine Quartiere, zu hohe Kosten!” Der Biathlon-Weltcup im kommenden Jahr in Oberhof, der schon gebucht ist, und die bevorstehende Leichtathletik-WM in Berlin sind reizvoll genug. Während der auch heute noch nur „unbescholtenen Männern” offen stehende Club normalerweise eine vereinsinterne Sportreise pro Jahr und eine „Fahrt mit Frauen” durchführt, gibt es 2009 allein den viertägigen Gemeinschafts-Trip nächste Woche an die Spree. „Berlin ist immer eine Reise wert”, hat Knesia keinen Zweifel daran, dass dabei auch die Ehefrauen auf ihre Kosten kommen. Die Abfahrt rückt näher, das Reisefieber steigt. „Trüben die Leichtathletik-Doping-Fälle der Vergangenheit die Vorfreude auf das bevorstehende WM-Spektakel nicht?” Einen Moment lang ist ob dieser Fragestellung Ruhe in den Reihen beim monatlichen Clubabend. Dann sagt Winni Knesia: „Ich kann nur versprechen, dass unsere Mitglieder in der Hauptstadt alle sauber sein werden.”

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