Ohne Plan und Ziel auf nach Waziristan
29.08.2009 | 07:50 Uhr 2009-08-29T07:50:00+0200Langen/Düsseldorf. Die Polizei kreist der Umfeld der Sauerland-Zelle weiter ein. Im hessischen Langen nahmen Beamte des Bundeskriminalamtes den Deutsch-Türken Kadir T. fest. Der Prozess gegen die vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht vier angeklagten Terroristen wird am Dienstag fortgesetzt.
Die Festnahme des 24-jährigen Terrorverdächtigen erfolgte bereits am Mittwoch. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Freitag mit. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Juni 2007 im Auftrag des in Düsseldorf angeklagten Adem Yilmaz eine Videokamera und ein Nachtsichtgerät für die Islamische Jihad Union (IJU) gekauft zu haben. Yilmaz soll die Geräte über seinen Bruder an den IJU-Kämpfer Sadullah K. weitergeleitet haben. Mehr Einzelheiten teilt die Bundesanwaltschaft aus Ermittlungsgründen nicht mit.
Die Polizei stellte Kadir T., als er sich auf den Weg in ein Terror-Lager nach Waziristan machen wollte. Angeblich sollen sich weitere junge Männer im Raum Langen für einen Aufenthalt in einem Ausbildungslager interessieren, will die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Sicherheitskreisen erfahren haben. Die gleiche Quelle geht davon aus, dass das Internet eine entscheidende Rolle bei der Rekrutierung potenzieller Attentäter spielt.
Gesprächiger gaben sich in den vergangenen Verhandlungstagen die Angeklagten im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts. Yilmaz spricht von einem „kindischen” Theorieunterricht in der zweimonaten Terrorausbildung im Lager in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Der Kampf gegen die Ungläubigen muss aus seiner Sicht viel zu lange warten.
„Wir waren für alles offen, wollten mal sehen, was passiert.”
Angeklagter Atilla Selek
Dafür hämmern die Ausbilder den Neulingen Verhaltensregeln ein: Chef ist der Emir. Die Kämpfer müssen ihm gehorchen. Yilmaz zügelt seine Ungeduld, regt sich über das eintönige Training und den Verhaltenscodex nicht auf. Zum Strafsystem gehören Liegestütze und Abwasch. Warum er ruhig bleibt? Seine Antwort, kurz und knapp: „Die hatten Kalaschnikows.”
Auch wollen er und Rädelsführer Fritz Gelowicz nicht gewusst haben, welcher Gruppe sie sich im Heiligen Krieg anschließen würden. Der 30-Jährige: „Das war mir auch egal. Ich war nur froh, dass ich endlich Krieg machen und gegen Amerikaner und Pakistanis kämpfen konnte.”
Sein Drang in den Dschihad zu ziehen, deckt sich mit dem Wunsch des Mitangeklagten Atilla Selek. Seine Gedanken beschreibt der 24-Jährige so: „Ich wollte schon den Märtyrertod sterben. Allah wird uns schon lenken, damit wir dahin kommen. Wir waren für alles offen, wollten mal sehen, was passiert.” Und der frühere Autolackierer gibt zu: „Wir sind eigentlich so planlos gewesen.” Das Wort der Terror-Tölpel macht spätestens hier unter den Zuschauern die Runde. Nur eines scheint sicher: Wild entschlossen schreibt sich das Quartett den Heiligen Krieg auf seine Fahne. Dass es den jungen Männern nicht gelingt, in den Irak und nach Tschetschenien zu kommen, empfindet Selek nicht als Niederlage: „Wenn Allah nicht will, dann geht es halt nicht.”
