OB Roters: Täglich wächst die Angst
16.02.2010 | 17:08 Uhr 2010-02-16T17:08:00+0100Köln. Um gegen ein eventuelles Hochwasser gewappnet zu sein, bereitet man sich in Köln auf eine kontrollierte Flutung der Krisenbaustelle am Heumarkt vor.
Die ständigen Beruhigungen haben etwas Beunruhigendes: Nein, derzeit bestehe keinerlei Einsturzgefahr, teilen die Stadt Köln und die Verkehsbetriebe (KVB) mit. Aber trotzdem werden zusätzliche Verstärkungen an den Schlitzwänden der U-Bahn-Baustelle am Heumarkt angebracht. Es gebe aktuell keine Überlegungen, die Baugrube zu fluten, da Grundwasserstand und Rheinpegel niedrig seien und bis zum Wochenende auch blieben. Trotzdem beginnt man damit, ein Schott einzubauen, dass die Baustelle gegenüber der benachbarten Haltestelle Rathaus abtrennt.
Bei Hochwasser, das bei Schneeschmelze und Regen einsetzen könnte, wären die Betonmauern, denen 80 Prozent der notwendigen Stahlbügel fehlen, offenbar doch nicht stabil. Es müsste geflutet werden, um einen Druckausgleich auf beiden Mauerseiten zu schaffen. Doch bei welchem Pegel das nötig wäre, das wollen oder können Stadt, KVB und die leitende Baufirma Biflinger Berger nicht mitteilen. „Die Statiker rechnen noch”, sagt Matthias Vollstedt, Leiter des Verkehrsdezernats bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Er macht aber deutlich, dass die Entwarnung vom Donnerstag keine für die Ewigkeit war und erinnert an den Bonner Schürmann-Bau, wo man sich eben nicht auf Hochwasser vorbereitet hatte.
Krisenmanagement versagt
Doch das Krisenmanagement versagt auch ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs, der auf den U-Bahn-Bau zurückgeführt wird. Sonst müsste Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) am Rosenmontag (!) keinen Brief an Biflinger Berger-Vorstandschef Herbert Bodner schreiben, in dem steht: „Täglich wächst die Angst, weil immer neue Mängel bei der Bausausführung bekannt werden.”
Die Mannheimer Baufirma bestätigte unterdessen, dass sie einen Polier und zwei Bauleiter der Baustelle am Heumarkt suspendiert hat. Gegen zwölf Verdächtige ermittelt der Staatsanwalt - wegen Metalldiebstahls und der Manipulation von Vermessungsprotokollen. Biflinger Berger wollte gestern überhaupt kein Hochwasserproblem bestätigen. Möglicherweise sorgt man sich mehr um den Aktienkurs. Der fiel gestern zwisschenzeitlich um 4,4 Prozent. Vor Schadensersatzforderungen fürchtet sich der Konzern laut eigenen Angaben nicht. Dagegen sei man versichert.

19:34
Sinnvollerweise sollte man permanent U-Boote statt U-Bahnen einsetzen .