Notärzte als Lückenbüßer im Einsatz
15.04.2009 | 14:18 Uhr 2009-04-15T14:18:00+0200
Hagen/Arnsberg. Das Problem ist nicht neu, doch die Suche nach Lösungen blieb bisher erfolglos. Deutschlands Notärzte klagen über schlechte Arbeitsbedingungen und sehen die angemessene Versorgung der Patienten zunehmend in Gefahr.
Wer die 112 wähle, müsse immer länger auf Rettungskräfte warten, kritisierte Detlef Blumenberg, Chef der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (Band), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Vor fünf Jahren habe es im Bundesdurchschnitt bereits fast elf Minuten gedauert, bis ein Notarzt am Einsatzort angekommen sei, heißt es darin weiter. In fünf Prozent der Fälle seien sogar mehr als 27 Minuten vergangen. Obwohl noch keine neuen Statistiken vorliegen, geht Blumenberg davon aus, dass sich diese Zeitspannen in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert hätten.
Gesetzliche Vorgaben
Die Kreise und kreisfreien Städte in Südwestfalen, die für die Organisation der Rettungsdienste zuständig sind, können diesen Trend für ihr Gebiet (noch) nicht bestätigen. Sie schaffen nach eigenen Angaben die gesetzlichen Vorgaben, nach denen in Städten der Rettungsdienst in der Regel nach maximal acht Minuten, auf dem Land nach höchstens zwölf Minuten den Einsatzort erreicht haben muss.
Doch auch hierzulande wachsen die Probleme: Das Personal wird knapp, den Krankenhäusern gehen die Notärzte aus. Gerade auf dem Land mangelt es immer häufiger an qualifizierten Medizinern. Bei denen, die übrig bleiben, wächst angesichts ungünstiger Dienstzeiten und unangemessener Bezahlung der Frust. Zudem sinkt in den Hospitälern die Bereitschaft, Ärzte für den Rettungsdienst zur Verfügung zu stellen. Schließlich gibt es dort genug Arbeit. Dr. Dietmar Wetzchewald vom Institut für Notfallmedizin an der Universität Witten/Herdecke plädiert daher dafür, die Notarztversorgung von den Kliniken zu trennen. In Arnsberg sei dieses Modell erfolgreich umgesetzt worden.
Allerdings wächst so angesichts des generellen Ärztemangels die Gefahr, dass die Probleme lediglich geografisch verlagert werden.
Die Ausdünnung des kassenärztlichen Notdienste dürfte zu einer Zunahme der Notdiensteinsätze führen. „Wir kalkulieren mit einem Plus von bis zu 20 Prozent", sagt Wetzchewald, der selbst im Arnsberger Raum als Notarzt tätig ist.
„Die Verant- wortlichen haben nie richtig hingehört." Dr. Dietmar Wetzchewald
Wenn der nächste Ansprechpartner des hausärztlichen Notdienstes seinen Sitz in 40 Kilometern Entfernung habe, sinke die Hemmschwelle, den Notarzt auch bei weniger bedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen zu rufen.
Oft kein Notarzt erforderlich
Die Zahl der Einsätze, bei denen aus medizinischer Sicht überhaupt kein Notarzt erforderlich ist, nimmt nach Angaben der Bundesvereinigung weiter zu. Immer häufiger würden die Notfallmediziner zum Beispiel zu Ehestreitigkeiten und den Folgen von Alkoholproblemen gerufen. Zeit, die für die wichtigeren Fälle fehlt.
„Viele Menschen werden vom karitativen System nicht mehr erfasst", sagt Horst Wisotzki, Chef der Hagener Feuerwehr. Sie haben keinen Hausarzt, keine Krankenversicherung - eine Lücke, die zunehmend die Notärzte füllen müssen.
Die Klage der Bundesvereinigung sei nicht neu, bringt es Dr. Dietmar Wetzchewald auf den Punkt. „Aber die Verantwortlichen haben nie richtig hingehört."

15:27
Die Arbeit der Notärzte kann nicht hoch genug eingeschätzt werdenauch nicht die der bereitschaftshabenden in den Notaufnahmen der Krankenhäuser .Daß die - ähnlich wie bei der Feuerwehr - auch zu Fehlalarmen gerufen werden,liegt wahrscheinlich eher in der Natur der Sache. Wer schickt denn den Rettungswagen und gleichzeitig den Notarzt zum Einsatz , ohne sich nach Sympthomen des Patienten zu erkundigen?
Die Feuerwehr fragt bei einem Notruf (Brand/Unfall)auch nach und schickt die erforderlichen Trupps los. Wenn einer besoffen auf der Parkbank liegt,kann er i.d.R. auch von gutausgebildeten Rettungssanitätern erstversorgt. werden.