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Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern

14.03.2010 | 08:28 Uhr
Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern

Essen. Früher war alles einfacher: Strom wurde in Kraftwerken produziert und über die Verteilernetze an die Abnehmer geliefert. Heute geht der Strom immer öfter den umgekehrten Weg. Das stellt die Betreiber von Stromnetzen vor neue Aufgaben und Investitionen.

Immer mehr Fotovoltaik-Anlagen speisen bei Sonnenschein selbst produzierten Strom ins Netz. Und wenn genug Wind vorhanden ist, produzieren einzelne Windräder oder ganze Parks jede Menge Strom, der ebenfalls weitergeleitet werden muss. Hinzu kommen in absehbarer Zeit neue Abnehmer: Elektroautos möchten ihre Speicher an öffentlichen und privaten Stromtankstellen auffüllen. Das erfordert eine zusätzliche Infrastruktur, die Versorgungssicherheit und bequeme Bezahlung nötig macht. Denn kaum jemand möchte die Ladestation durch Münzeinwurf aktivieren - bargeldlose Abrechnung wie bei Kreditkarte oder Telefonkarte ist nötig.

„Die Bevölkerungs- und Nachfragestruktur ändert sich - bis 2020 werden zwischen eine und vier Millionen Elektrofahrzeuge erwartet mit der Notwendigkeit, die zugehörige Ladeinfrastruktur in die Netze zu integrieren”, stellt Arndt Neuhaus, Vorstandschef der RWE Rheinland-Westfalen Netz fest. Dafür investiert die Gesellschaft kräftig: „Die Investitionen in unsere Netze und Gasspeicher übertreffen mit 740 Millionen Euro unser Ergebnis deutlich. Eine solche Relation ist für Unternehmen eher selten”, berichtet Neuhaus.

Beispiel Stromtankstelle. Wer sein Elektroauto abends in der Garage an die 220-Volt-Steckdose anschließt, mit der er sonst samstags den Autostaubsauger versorgt, findet am nächsten Morgen möglicherweise einen nur halb geladenen Autoakku vor. Denn nötig ist dafür eine 30 oder gar 60-Ampere-Versorgung. Das Problem: Bislang ist das Stromnetz etwa in Wohnvierteln nicht darauf ausgelegt, derartige Strommengen auch nur jedem zweiten Haushalt zur Verfügung zu stellen.

Zweites Problem: Der wachsende Bedarf an Regelenergie zur Speicherung von Energie und der Ausregelung von Erzeugungsschwankungen. Laut Technik-Vorstand Joachim Schneider ist dafür die Aufrüstung der Netzinfrastruktur durch Informations- technologien unumgänglich. Dazu gehört die intelligente Steuerung der Hochspannungsnetze, aber auch Kommunikationsschnittstellen zwischen E-Auto und Ladestationen, intelligente Stromzähler mit Fernauslesung und für Kunden optimierbare Darstellung von Verbräuchen.

Der Strom wird zwar auch künftig aus der Steckdose kommen, aber Abnehmer wie Produzenten werden sich künftig wohl stärker als bisher damit befassen müssen, wie und wann sie Energie beziehen oder zur Verfügung stellen. Eine Strom-Flatrate ist nicht in Sicht - eher das Gegenteil. Gewinner dieser Zukunft sind diejenigen, die sich rechtzeitig damit befassen.

Ulrich Friske

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Kommentare
14.03.2010
15:31
Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern
von frankZork | #4

@3
nehem sie bitte die ökobrille ab und kommen sie in der realität an. atomstrom ist der günstigste den es zur zeit gibt. warum sonst gewinnt frankreich fast seinen kompletten strom aus akws?

14.03.2010
15:03
Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern
von sgt.donny | #3

witzig, dass es immernoch leute gibt, die behaupten atomstrom ist billig...
wieviel tausend jahre muss der müll eingelagert werden?
subventionen in den atomstrom damals in der hochbauzeit?

14.03.2010
13:05
Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern
von dezentral | #2

@1 die Großversorger wie E.on und Vattenfall verkauften ihre Netzaktivitäten auf massiven Druck der EU.

Das Problem ist nicht der grüne Strom an sich, sondern die zentrale Erzeugung von grünen Strom wie sie die Traditionsunternehmen der Strombranche mit Offshoreparks und Saharastrom anstreben.

14.03.2010
11:51
Netz-Infrastruktur beim Strom muss sich ändern
von feder24 | #1

Die erneuerbaren Energien kosten den Stromverbraucher bereits 10 % Aufschlag auf den Stromtarif mit Basis konventioneller Stromerzeugung( Kohle+ AKW).
Die Netzkosten werden weiter steigen. Da auf diesem Markt neben Problemen nichts zu verdienen ist, haben bereits Großversorger wie E.on und Vattenfall ihre Netzaktivitäten verkauft, u.a. an ausländische Investoren.
Es werden enorme Kosten auf die Netzbetreiber (wie im Artikel angedeutet) und somit auf den Verbraucher zukommen, wenn , wie jetzt geplant , 40% der Gesamtenergie aus „grünem“ Strom erzeugt werden.
Das Problem kann erahnt werden, wenn man sich klar macht, dass Netzstrukturen mit entsprechenden Kapazitäten aufgebaut werden müssen, die innerhalb von 15 Minuten Stromversorgungen von mehreren tausend MW –Leistung aufbauen müssen, da die angestrebten Windparks (OFF-SHORE Nordsee-Ostsee ) und Sonnenenergie (Nordafrika!) nicht an derselben Stromschiene hängen können! Außerdem müssen für Lastspitzen aufwendige Energiespeicher , über das ganze System verteilt, errichtet werden.
Da kann man nur sagen:
Glück Auf!

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