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Nachhilfe in "liturgischer Präsenz"

27.08.2008 | 18:31 Uhr
Nachhilfe in "liturgischer Präsenz"

Iserlohn.Wenn Thomas Kabel die Pfarrer „ins Gebet” nimmt, kommt so mancher Geistliche mächtig ins Schwitzen. „Wenn du dich an der Kanzel festhältst, blockierst du deinen Körper. Du bist zwar gut zu verstehen, aber es geht Natürlichkeit verloren”, sagt der 50-Jährige zu Pfarrer Christian Bald.

Der hat gerade eine Probepredigt in einer Kirche in Iserlohn-Hennen gehalten. Der Theologe aus Opherdecke hört die Botschaft - und gelobt Besserung, der 43-Jährige will an seiner „liturgischen Präsenz” arbeiten und seine Predigten besser an die Gemeinde bringen. Bald ist einer von 19 Teilnehmern der Fortbildung „Liturgische Präsenz”, die die Evangelische Kirche von Westfalen in dieser Woche wieder ihren Pfarrern anbietet.

Schauspieler, Regisseur und Dokumentarfilmer Thomas Kabel zeigt den Geistlichen in gewohnter Umgebung, wie sie sich im Gottesdienst am besten präsentieren. Dazu gehört Rhetorik genauso wie Auftreten, Gestik und Mimik. Obwohl das Amt des Pfarrers ein Sprachberuf sei, werden darstellerische Fähigkeiten in der Ausbildung nicht richtig angesprochen, so Kabel, der in München lebt. Oft sind sich Pfarrer genauso wie Schauspieler oder Lehrer nicht bewusst, wie ihre Sprechweise auf andere wirkt. Da bedarf es kritischer Blicke von Experten und Kollegen und ein wenig angeleiteter Übung. Schon seit den 90er Jahren werden die Kurse mit Thomas Kabel regelmäßig angeboten. Mittlerweile lassen sich viele Pfarrer auch zu so genannten Multiplikatoren ausbilden, die selbst Weiterbildungen in „liturgischer Präsenz” leiten können. Pfarrer Christian Bald widmet sich in seiner Predigt dem Brief des Paulus an die Thessaloniker. Für das ungeübte Auge und Ohr wirkt die Predigt durchaus ansprechend - dennoch gibt es offenbar viel Nachholbedarf, wie die Reaktionen der übrigen Pfarrer und die ungeschönte Analyse Kabels ans Licht bringen. Profi Kabel nimmt die Haltung des Pfarrers in den Blick, kritisiert das Abrutschen in den „pastoralen Singsang” oder fordert einen längeren Blickkontakt zwischen Pfarrern und Gottesdienstbesuchern. Intensiv setzt sich Kabel auch mit den Bibeltexten auseinander, die die Pfarrer vortragen. „Warum schreibt Paulus diesen Brief an die Thessaloniker?”, fragt er Bald. Um sich die dramaturgische Darstellung zu verbessern, inszeniert er Rollenspiele. „Du bist jetzt Paulus und ich einer aus der Gemeinde”, gibt Kabel vor. So soll den Theologen ihre eigene Stellung zum Text deutlicher machen - damit sie es in der Predigt besser präsentieren können. Bald, der seit elf Jahren predigt, kann hier viel lernen. „Ich kann immer noch ein Stück authentischer werden”, gesteht er. „Liturgische Präsenz will die Rolle mit den Gaben der Person entwickeln”, sagt der Leiter des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung der westfälischen Landeskirche, Gerd Kerl. Dass die Teilnehmer der Fortbildung auch eigene Ängste überwinden müssen, zeigt die Übung mit Anja Martin (45). Die Pfarrerin aus Ennepetal-Voerde hat ihre Predigt zwar locker präsentiert, ihre Stimme ist aber etwas eintönig geblieben. Deshalb erklärt Kabel: „Ich will mit dir singen!” Anja Martin schaut verschreckt und erklärt, dass sie nicht singen könne. Kabel lässt sich nicht abwimmeln und improvisiert eine Art Liturgiegesang. Die Pfarrerin muss immer wieder nachsingen und richtige Intonation finden. Der Zuhörer merkt, dass es ihr nicht leicht fällt, sie sich aber mit jedem Durchgang verbessert.

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