Mutti bleibt bei Problemen erste Anlaufstelle für Kinder
11.05.2009 | 16:40 Uhr 2009-05-11T16:40:00+0200Düsseldorf. Eltern nehmen sich mehr Zeit für ihre Kinder: Gibt es Probleme, bleibt Mutti aber nach wie vor die erste Anlaufstelle - selbst dann, wenn sie Vollzeit arbeitet. Im Rollenverhalten hat sich wenig geändert: Auch bei den Hausaufgaben helfen Mütter häufiger als Väter.
Seit zehn Jahren ermittelt das LBS-Kinderbarometer, was unsere 9- bis 14-Jährigen denken und erleben. Fazit: Kinder fühlen sich in der Familie sicherer als früher. Zwar werden immer noch 19 Prozent der Kinder regelmäßig oder selten mit Schlägen bestraft. Generell „wird aber weniger geschimpft und darüber geredet, wenn Kinder etwas angestellt haben”, weiß Anja Beisenkamp vom ProKids-Institut in Herten.
Die Ergebnisse im einzelnen:
- Computer: Familie und Freunde sind wichtig - aber es gibt auch den Trend zur Vereinzelung. So spielen bereits 66 Prozent der Kinder regelmäßig am Computer. Während Jungen häufiger stundenlang am PC hängen, gehen Mädchen lieber mit Freundinnen bummeln.
- Tiere: 64 Prozent der Kinder haben ein eigenes Haustier. Der Umgang mit Katzen, Hunden und Vögeln zählt für 38 Prozent der Mädchen zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen, aber nur für 16 Prozent der Jungen. Die treiben dafür lieber Sport als Mädchen. Interessant: Nur für drei Prozent der 9- bis 14-jährigen Mädchen ist Besitz von großer Bedeutung - für neun Prozent steht die spätere Partnerschaft oben auf der persönlichen Wunschliste.
- Schule: Natürlich spielt die Schule für die Jugendlichen eine besondere Rolle. Auf Platz 1 der Änderungswünsche rangiert der Traum von weniger und leichteren Hausaufgaben. Insgesamt finden die Kinder ihre Lehrer in Ordnung - auch wenn sich Lehrer an Hauptschulen aus Sicht der Schüler mehr um die sozialen Probleme kümmern als Pädagogen an Gymnasien.
- Gewalt: Mädchen fürchten sich deutlich mehr vor Gewalt als Jungen.
- Taschengeld: Die geringen Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre schlagen offenbar auch aufs Taschengeld durch. „Die wirtschaftliche Drucksituation ist in den Kinderzimmern angekommen”, weiß Kinderschützer Greese. Seit 2004 sank das monatliche Taschengeld durchschnittlich von 21,88 Euro auf 18,68 Euro. Das meiste Geld erhalten Hauptschüler mit 27 Euro und Kinder aus ausländischen Familien mit 21,30 Euro.
- Ängste: Schon Kinder haben Angst vor Arbeitslosigkeit. Bereits 60 Prozent der Siebtklässler plagt die Sorge vor Armut und Arbeitslosigkeit. Nur 70 Prozent der Kinder sind aber zuversichtlich, später einen Arbeitsplatz zu erhalten. Eine Folge: Schon jedes dritte Kind würde als Erwachsener gern in einem anderen Land leben. Oft handelt es sich um Kinder aus Migrantenfamilien.
- Politiker: Mit einem Anteil von 14 Prozent setzen erschreckend wenig Kinder Vertrauen in die Politik. Bedenklich: Von der vierten bis zur siebten Klasse nimmt das Vertrauen rapide ab.
„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass unsere Kinder sich zu früh von ihrer Kindheit verabschieden und zu früh erwachsen werden”, bilanziert Familienminister Armin Laschet. „Waren einst Arbeitslosigkeit und Armut noch Probleme der Erwachsenen, so dringen sie heute auch immer stärker in die Kinderzimmer.” Auch die Angst vor Umweltzerstörung und Klimawandel spielte vor einem Jahrzehnt keine Rolle: Heute ranfiert sie auf Platz 2 der Zukunftsängste.
Traditionelles Rollenbild
Dass immer noch 76 Prozent der Kinder optimistisch in die eigene Zukunft blicken, hält Laschet für einen Auftrag an die ganze Gesellschaft. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese positive Einschätzung erhalten bleibt.” Einen Weg gibt der Minister vor: „Wir brauchen eine neue Kultur der Kinderfreundlichkeit.”
Das traditionelle Rollenbild der Eltern hat sich in den Familien kaum verändert: Für 96 Prozent der Kinder bleibt die Mutter wesentlich zuständig für den Hauhalt, für 81 Prozent muss der Vater das „Geld verdienen” und reparieren. Anja Beisenkamp vom ProKids-Institut zieht aber neue Erkenntnisse aus der Studie: „Wenn Väter den Staubsauer schwingen und die Mutter repariert, fühlen sich die Kinder wohler.”

0mitdiskutieren