Mitten aus dem Leben
18.11.2009 | 16:03 Uhr 2009-11-18T16:03:00+0100
Nach der Trauerfeier in Hannover stellt sich die Frage: Wird sich etwas ändern?
Es sind Bilder, die nicht so schnell aus den Köpfen verschwinden werden: Das leere Tor im großen Stadion, die Tränen der Hannoveraner Spieler, die Verzweiflung von Per Mertesacker auf der Tribüne, die weinenden Fans mit ihren Schals, das 17-jährige Mädchen, das beherrscht die Hymne des Fußballs singt.
Würdige Feier
Es war eine stilvolle, einfühlsame Trauerfeier.
Die Bilder sind nachhaltig, die Worte sind eindrucksvoll.
Doch werden die vielen schönen Worte, die von bewegten Rednern gesprochen worden sind, auch einen Nachhall haben?
Wird sich irgendetwas ändern im Fußball, im Sport, in der Gesellschaft?
Das ist nicht mit Gewissheit vorherzusagen.
Aber es ist zu befürchten, dass sich gar nichts ändern wird. Dass alles so bleiben wird, wie es ist.
Und es ist nun einmal so, dass kein Arbeitnehmer es wagen würde, zu seinem Chef zu gehen und ihm von Depressionen zu berichten. Erst recht nicht im Profi-Fußball, der geprägt ist von unbeugsamen Titanen, herrschenden Göttern und strahlenden Helden.
Betrieb, Produkt, Marke
Die Gefahr, aussortiert und durch einen Stärkeren ersetzt zu werden, wäre viel zu groß. Denn zuallerst, und das wird den Managern eingebimst, kommt der Betrieb, das Produkt, die Marke, die Leistung.
Deshalb werden die Betroffenen weiter schweigen. Und hoffen, dass sie der Leistungsgesellschaft irgendwie gerecht werden. Und dem immensen Druck standhalten können, den diese tagtäglich auf den Einzelnen ausübt.
Sie werden allesamt weiter versuchen, zu funktionieren. So wie es Robert Enke über Jahre gemacht hat. Bis er nicht mehr konnte.
Theo Zwanziger, der DFB-Präsident, hat sowohl in der Pressekonferenz in Bonn wie auch in der Arena in Hannover bemerkenswerte Worte gefunden. Er zeigt Willen, Grundgedanken zu ändern.
Doch wie schwierig seine Mission werden wird, zeigte sich während der Trauerfeier. Die auf halber Höhe im Stadion umlaufende Reklame war nicht abgedeckt worden. Hier wurde unberührt vom tragischen Anlass weitergeworben. Und so war dort auch im Fernsehen, und das war ja die Absicht, ein Schriftzug zu lesen, der exakt das Motto der Branche trifft, in der Robert Enke umkam: „Mehr Siege - mehr Tore - mehr netto.”
Dieses Bild wird sehr lange in den Köpfen bleiben.

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