Mediziner geben neue Ratschläge für Baby-Kost
20.01.2010 | 17:45 Uhr 2010-01-20T17:45:00+0100Hagen. Um Allergien zu verhindern, haben Experten neue Leitlinien erarbeitet, was Säuglinge essen dürfen: eine Revolution in der Baby-Ernährung.
Kein Fisch,keine Eier, keine Kuhmilch. Aus Angst vor Allergien. Stattdessen haben jahrelang junge Eltern ihre Babys allein mit Kartoffeln und Karotten gefüttert, um ihre Kleinen vor Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis zu schützen. Sie folgten damit nur dem Rat der Experten - die jetzt allerdings genau das Gegenteil empfehlen.
Keine Verbote mehr
Keine Verbote mehr - so lässt sich die neue Leitlinie zur Allergievorbeugung zusammenfassen, die die medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben haben. 217 Allergie-Studien aus den vergangenen Jahren haben die Experten gesichtet - mit dem Ergebnis: Kommt ein Kind früh mit vielen verschiedenen Nahrungsmitteln in Kontakt, stellt sich sein Körper darauf ein. „Jahrelang ging man davon aus, dass die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel die bessere Strategie ist, um Allergien zu verhindern”, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Imke Reese, die an den Leitlinien mitgearbeitet hat.
Keine Fertiggerichte
Erste Untersuchungen schienen diese Vermutung zunächst zu belegen. „Tatsächlich aber haben Studien der vergangenen Jahre gezeigt,dass dieser Weg nicht der richtige ist”, räumt Reese ein. „Offenbar ist es besser, die Kinder mit vielen verschiedenen Nahrungsmitteln zu konfrontieren.”
Auch Mütter in der Schwangerschaft sollten auf nichts mehr verzichten - abgesehen von rohem Fleisch und Rohmilchprodukten. Denn die Studien hätten gezeigt, dass diejenigen Kinder den besten Schutz vor Allergien haben, deren Mütter sich nichts verboten, sondern sich von frisch gekochten Zutaten, statt Fertiggerichten ernährt haben, erklärt Imke Reese.
"Der Druck ist weg"
„Der Druck ist weg - und das ist das Beste, was den Kindern aus Allergikerfamilien passieren konnte.” Entspannen und die Schwangerschaft sowie die Zeit mit dem Baby genießen - das rät die Ernährungswissenschaftlern den Eltern.
Fragt sich nur, ob nicht in wenigen Jahren eine neue Leitlinie veröffentlich wird,die wiederum etwas anderes empfiehlt? „Aus heutiger Sicht ist die Datenlage gut”, so Reese.
„Das einzige, worauf man sich verlassen kann, ist der gesunde Menschenverstand”, warnt der kritische Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer vor vielen Ernährungsempfehlungen, die nur eine kurze Halbwertszeit hätten. „Kinder können alles essen, müssen aber nicht”, mahnt er, Hinweise mit Vorsicht zu genießen, dass bestimmte Nahrungsmittel wichtig für die Kleinen seien. „Wenn die Kinder etwas mögen, dann dürfen sie es essen. Wenn nicht, sollte man sie nicht zwingen”, rät Pollmer, mit Ratschlägen gelassen umzugehen.
Die Leitlinien zur Allergievorbeugung werden übrigens 2014 erneut überprüft.

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