Mathematik mit Genuss
25.08.2008 | 19:36 Uhr 2008-08-25T19:36:00+0200
99 Gymnasiasten lösen bei Schülerakademie für Mathematik besonders schwere Aufgaben
Münster.Castor und Pollux haben viel vor. Bewegen können sie sich schon, aber sie sollen lernen, Tore zu schießen - oder zu halten. Castor und Pollux sind Roboter im Kaninchenformat - eigentlich sind sie Computer mit ausgeprägten Extremitäten. Ihnen das Fußballspielen beizubringen, ist eine der anspruchsvollen Aufgaben bei der einwöchigen NRW-Schülerakademie für Mathematik und Informatik.
99 Gymnasiasten der Stufe 13 aus ganz NRW vertauschen dafür den Schulalltag mit dem wissenschaftlichen Flair von 20 Projektgruppen, in denen sie sich mit so illustren Themen wie GPS-Simulation, Entwicklung eines Adventure-Spiels, Konzeption eines Mehr-Personen-Netzwerks oder Krypto-Software beschäftigen. Eine Gruppe baut und programmiert Lego-Roboter und bringt sie dazu, Klavier zu spielen oder ein Regallager zu bedienen. Andere Themen sind 3D-Animationen, die Entwicklung mathematischer Modelle zur Medikamenteneinnahme oder ein Programm, um Kopfrechnen zu trainieren. Mit dabei sind etliche Schüler aus der Region, die eines gemeinsam haben: Sie haben Talent für Mathe und/oder Informatik: „Ich mache mit, weil ich erstens Spaß an Physik und Mathe habe und zweitens mehr darüber wissen will, was man mit dem theoretischen Wissen eigentlich anfangen kann. Das kommt nämlich in der Schule oft zu kurz”, findet Rebecca Schleime aus Elspe, die am Gymnasium in Lennestadt nächstes Jahr Abitur macht und gern Physik studieren möchte. „Außerdem finde ich es wichtig, berufliche Perspektiven zu sehen.” „Die Teilnahme hat viele Vorteile, es ist eine gute Fortbildung und auch für spätere Bewerbungen nützlich”, beschreibt Rasmus Risse aus Warstein seine Motivation. Unter Federführung von Regierungsschuldirektor Klaus Dingemann von der Bezirksregierung Münster, unterstützt von Fachlehrern und gefördert durch Sponsoren, die nicht nur Geld, sondern auch 51 Computer zur Verfügung stellen, sollen 36 Mädchen und 63 Jungen Gelegenheit haben, einen Einblick in die Bedeutung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zu erhalten. Sie wurden aus 300 Bewerbern ausgesucht.
„Ich bin schon froh, wenn die Kiste läuft.”Ilka Jahn Besonders angesprochen sind Mädchen, weil sie in der Informatik unterrepräsentiert sind. Sandra Uhlenbrock aus Münster - sie möchte Informatik studieren - kann das nur bestätigen. „Es gibt viele Vorurteile”, sagt sie. „Der weibliche Anteil im Fach Informatik ist nicht sehr groß. Es müsste Info-Grundkurse für alle Mädchen geben.” Ilka Jahn aus Velbert möchte Physik studieren und ihre Computer-Kenntnisse verbessern: „Ich bin schon froh, wenn die Kiste läuft.” Wer sein Gehirn anstrengt, braucht auch eine gute Ernährung, denn: Mathematik macht hungrig. Auf dem Speiseplan stehen deshalb zum Auftakt Salat, Antipasti, Tomaten-Feta, Quiche und viel Gemüse. Und das in einer Jugendherberge? „Ja, wir sind sehr auf mediterrane Küche eingestellt”, gesteht Küchenchef Peter de Lange. „Außerdem haben wir den Anspruch, bestes Jugendhaus Deutschlands zu werden. Unsere Gäste sind anspruchsvoller geworden, da muss man ihnen schon etwas bieten.” Mathematik mit Genuss also. Thomas Blum aus Velbert, angehender Mathematiker: „Und außerdem brauchen wir eine Woche lang nicht zur Schule.”
