Martin Suter und die Unbelehrbaren
25.01.2010 | 16:09 Uhr 2010-01-25T16:09:00+0100Hagen. Martin Suter ist Hobbykoch und hat in rund 800 Kolumnen mit der „Business Class” aufgeräumt.
Der 61-jährige Schweizer gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. In seinem neuen Roman „Der Koch” geht es um die molekulare Küche, um die Finanzkrise, die Unbelehrbaren und vor allem um jene Leute, die auch in der sauberen Schweiz die Drecksarbeit machen müssen.
Erotische Menüs
Zum Beispiel Maravan.Der 33-jährige tamilische Asylant arbeitet als Hilfskraft in einem Züricher Edelrestaurant. Er muss sich von jedem schikanieren lassen, keiner weiß, dass er ein begnadeter Koch ist, der von seiner Großmutter unter anderem in die Geheimnisse der aphrodisischen Küche eingeweiht wurde. In seiner Wohnung erfindet Maravan all jene Rezepte, die er im Lokal nicht kochen darf, weil niemand einem Asylanten eine Chance geben will. Als er gefeuert wird, tut er sich mit seiner Kollegin Andrea zusammen, die einen Cateringservice für erotische Menüs gründet.
Martin Suter lässt auch in diesem Roman wieder Personal auftreten, das wir alle kennen und verabscheuen: Spesenritter, die sich mit Waffengeschäften durch die Finanzkrise mogeln. Doch hinter den Kulissen der reichen Fassaden versuchen die Asylanten und Ausgegrenzten, ein Lebensglück zu finden. Das ist nicht einfach, denn Maravan etwa muss sich um seine Familie im bürgerkriegsgeplagten Sri Lanka sorgen.
Geschliffener Stil
Suters Stil ist geschliffen. Präzise, elegant und gelegentlich verletzend deckt er die kleinen und größeren Schweinereien auf, ohne die die kapitalistische Maschinerie nicht im Sinne des Wortes wie geschmiert laufen könnte. Das Finale ist ein echter Suter, voller bösem Witz und listiger Überraschungen. Das Herz des Autors gehört denjenigen seiner Protagonisten, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.
Apropos Löffel: Das Buch wartet mit Rezepten aus der molekularen Küche auf, zum Beispiel „Süß-pikante Kardamom-Zimt-Ghee-Sphären” und dabei hat sich der Schweizer Autor von dem Dortmunder Molekular-Koch Heiko Antoniewicz beraten lassen.
Martin Suter
Der Koch
Diogenes, 309 S., 21,90 Euro

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