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Aidsforschung

"Man kann von einer Sensation sprechen"

24.09.2009 | 18:27 Uhr

Bonn. Forscher in aller Welt sprechen von einer „Sensation”, Vertreter der Vereinten Nationen jubeln über einen Durchbruch im Kampf gegen Aids: Bei einem Massentest in Thailand wurde ein Impfstoff entdeckt, der das Infektionsrisiko um 31,2 Prozent senken soll.

„Auch wenn es nur ein Teilerfolg ist, ist es doch ein historischer Meilenstein”, berichtet Dr. Ulrich Heide, Chef der Deutschen Aids-Stiftung in Bonn. Es sei das erste Mal, dass solch ein Test am Menschen positiv verlaufen ist und Impfstoffkandidaten einen Schutz aufgebaut haben. Zuvor waren alle Studien zur Entwicklung eines Aids-Impfstoffes kläglich gescheitert. Die Studie aus Südostasien sei die erste, die tatsächlich Hoffnung mache. „Sie ist das Beste, was wir im Kampf gegen Aids in den letzten 30 Jahren gesehen haben.”

Der Erfolg kam für die Aids-Forscher - nach zuvor vergeblich durchgeführten Tierversuchen - völlig unerwartet. Und zwar so unerwartet, dass die beteiligten Wissenschaftler bis heute vor einem Rätsel stehen. Sie wissen immer noch nicht, was da genau abgelaufen ist.

Medikamentencocktail

Was war geschehen? Unter Führung der US-Armee hatte das thailändische Gesundheitsministerium sechs Monate lang 16 402 freiwillige Einheimische in der Provinz nahe Bangkok einen Medikamentencocktail verabreicht. Hierbei handelt es sich um zwei alte Impfstoffe, die einzeln nicht erfolgreich waren. Die eine Hälfte der Probanden erhielt Placebos, die andere genveränderte Virenstämme (Alvac von Sanofi-Pasteur und Aidsvax). Das Verhältnis der Infizierten lag bei 74 zu 51. Ein aussagekräftiger Wert, wie Forscher versichern.

Natürlich brauche man nun Zeit, um die Ergebnisse in Ruhe auswerten zu können, berichtet Ulrich Heide. „Wir sind noch lange nicht am Ziel.” Eines aber sei sicher: Nach den Fehlschlägen der letzten Jahrzehnte seien die Aids-Forscher in aller Welt elektrisiert. „Sie haben wieder Hoffnung, etwas zu entwickeln, das zu mehr als 50 Prozent vor einer Aids-Infektion schützt.” Für die Arbeit der Aids-Stiftung habe der Impf-Erfolg keine Bedeutung. „Prävention wird noch lange das Gebot der Stunde sein.”

Studie nicht unumstritten

Die Reduzierung des Ansteckungsrisikos um 31,2 Prozent, sagt Dr. Ulrich Heide, könnte Millionen von Menschen das Leben retten. „Keine Frage.” Jeden Tag infizieren sich nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit 7500 Menschen mit dem Virus. 2007 starben zwei Millionen Menschen an Aids. Ob der Wirkstoff aber zum Beispiel in Südafrika, in dem Land mit der höchsten Neuansteckungsrate wirkt, sei fraglich. Der neue Impfstoff sei speziell für E- und B-Unterarten des HI-Virus entwickelt worden. „Diese Unterarten kommen vor allem in Südostasien, Amerika und Europa vor.”

Die neue Studie ist nicht unumstritten. Einige Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation schätzen sie als ethisch fragwürdig ein. Sie werfen der US-Armee vor, auf die thailändischen Behörden Druck ausgeübt zu haben, um den Massentest unbürokratisch und schnell über die Bühne zu bringen. Jerome Kim, Oberst der US-Streitkräfte, hat die Vorwürfe umgehend dementiert und verweist auf die neutrale Beteiligung des Nationalen Institutes für Allergie und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA. Die Welt möge zur Kenntnis nehmen, dass dem Teilerfolg weitere Erfolge folgen werden.

Rudi Pistilli



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