Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Girls' Day

Mädchen erobern Männer-Domänen

09.03.2010 | 09:00 Uhr
Mädchen erobern Männer-Domänen

Hagen. 15 Jahre ist es her, dass Michael Volmer die Bewerbung einer Frau in den Händen hielt. Seitdem hat sich kein Mädchen mehr bei dem Balver Unternehmen Rickmeier beworben - alle Lehrlinge sind männlich. Dennoch wollen sie Mädels für Technik begeistern und laden am 22. April zum Girls Day.

Seit zehn Jahren schrauben Mädchen bei der Firma Rickmeier aus Balve einmal jährlich an der Werkbank. „Seit es den Girls' Day gibt, nehmen wir daran teil”, erklärt Ausbildungsleiter Michael Volmer. „Die Mädchen sind jedesmal begeistert.” Bewerbungen schicken dann aber doch nur Jungs. „Schade”, findet Volmer. „Denn unter den Mädchen gibt es richtige Talente.” Dennoch will das Unternehmen auch dieses Jahr am Girls' Day teilnehmen. Dann können Mädels in den Betriebsalltag schnuppern, mit praktischen Montage-Übungen sollen typische Männerjobs schmackhaft gemacht werden. „Wer weiß, vielleicht ist dieses Mal eine Schülerin dabei, die Zerspanungs- oder Industriemechanikerin werden möchte.”

Darauf hofft auch die Firma RBR Messtechnik aus Iserlohn. „Bis jetzt hat sich noch kein Mädchen für eine Ausbildung in der Elektronik beworben”, sagt Marketingleiterin Jennifer Binz. Trotzdem sei der Girls' Day eine gute Gelegenheit, jungen Mädchen Einblicke in technische Berufe zu ermöglichen. „Daher laden wir auch dieses Mal Schülerinnen zu uns ein.”

Positive Bilanz

In eine positive Richtung zeigt dagegen die Bilanz des NRW-Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration, die den Aktionstag veranstaltet. Hat der Girls' Day mehr Frauen in Männerdomänen gelockt? „Ja”, meint Verena Rothbrust, Sprecherin des Ministeriums. Und legt Zahlen vor: „Zehn Prozent der beteiligten Unternehmen stellten dank des Zukunftstages Frauen in technischen Berufen ein.” Auch der Anteil der Studierenden in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern sei gestiegen - dank Unterstützung des Girls' Days. „Mit über 21 000 Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften begannen zuletzt so viele Frauen wie noch nie ein Technikstudium.”

Auch beim Landesbetrieb StraßenNRW in Meschede sind im April einige Mädchen zu Besuch. Dort schauen sie Sandra Buschkühl über die Schulter. Die 34-Jährige Bauingenieurin macht den Jugendlichen ihren Job begreifbar: „Wir zeigen ihnen, wie eine Straßen-Planung entsteht und zeigen ihnen praktische Übungen.” Sandra Buschkühl findet es sinnvoll, einen Girls' Day zu veranstalten: „Gerade in ländlichen Gebieten, wo Berufsentscheidungen familiärer geprägt sind als in städtischen, ist es wichtig, neue Einblicke in von Männern dominierte Berufsfelder zu bekommen.”

Die Erkenntnis ist wichtig

Die meisten reagieren mit Begeisterung, manche aber auch mit der Erkenntnis, dass sie ein technischer Beruf nicht reizt. „Auch das ist viel Wert.” Vor allem findet die Ingenieurin gut, Vorbild für Mädchen zu sein: „So sehen sie, dass ein technischer Beruf vielseitig ist und nicht nur von Männern besetzt ist.”

Damit das männliche Geschlecht aber nicht zu kurz kommt, wird seit 2005 parallel zum Girls' Day der Aktionstag „Neue Wege für Jungs” veranstaltet. Hier bieten Schulen Angebote, bei denen sich Jungs in frauentypischen Berufen umsehen können. Zum Beispiel als Erzieher, Arzthelfer oder Altenpfleger. Denn auch hier bestehe Bedarf, das berufliche Bewusstsein zu erweitern. Weitere Informationen gibt's im Netz: www.girls-day.de, www.neue-wege-fuer-jungs.de.

Kristina Mader

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2692757/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Jahreskonferenz...
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
Unfall
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Fotostrecke
Liese am Rednerpult
Video
EU
Foto
Aus dem Ressort
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 14
Fortsetzungskrimi
Wendler und Schulthof fluchten und fühlten sich an der Nase herumgeführt. In zwölf Städten und Gemeinden hatten sie vergeblich gesucht, hatten historische Stätten und touristische Sehenswürdigkeiten kennen gelernt und manchen städtischen Werbeblock gehört. Aber eine Spur von der Schwarzen Hand?
Foto Text
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Fortsetzungskrimi
Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?
Foto