Löhrmann hält Grünen eine Hintertür offen
29.11.2009 | 18:59 Uhr 2009-11-29T18:59:00+0100Hamm. Die neue grüne Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann trifft in ihrer Bewerbungsrede den Nerv der 280 Parteitags-Delegierten in Hamm.
„Unsere große Stunde kommt noch. Die Zukunft der Industriegesellschaft ist grün.“ Bärbel Höhn, Löhrmanns Vorgängerin als Spitzenkandidatin, klatscht begeistert – obwohl Löhrmann anders als Höhn eine schwarz-grüne Koalition 2010 in NRW nicht grundsätzlich ausschließt.
In einer kämpferischen Rede bedient Löhrmann die Wünsche der Basis und geht voll auf Konfrontation zu Rüttgers & Co. „Solange dieser Rüttgers in zentralen Bereichen keine Kehrtwende macht, kann er für uns kein Partner sein.“ Den grünen Lieblingsfeind, die FDP, geißelt Löhrmann böse als „parlamentarischen Arm der Heuschrecken“. Das kommt an: Am Ende stimmen 86,8 Prozent der Delegierten in Hamm für die Solinger Bildungspolitikerin. Eine Hintertür zur Koalition mit Rüttgers hält sich die Strategin Löhrmann offen: Über eine Koalitionsaussage soll erst ein Parteitag im Februar entscheiden. Bärbel Höhn will so lange nicht warten: In der nachrichtenarmen Weihnachtspause will die agile Obergrüne ein klares Stopp-Signal für schwarz-gelb-grüne „Jamaika“-Träume setzen. Motto: Mit der FDP geht es für Grüne auf keinen Fall, mit der CDU eigentlich auch nicht.
Liebäugeln mit gutem Ergebnis
Parteichef Cem Özdemir schlägt in die gleiche Kerbe. „In NRW liebäugeln die Grünen nicht mit der CDU, sondern mit einem guten Wahlergebnis.“ Die Botschaft: Grün geht lieber in die Opposition, wenn es keine gemeinsamen Inhalte gibt. Özdemir erntet viel Beifall für diese Passage – nicht wenige in der Öko-Partei fürchten, dass grüne Politik wie früher in der Koalition mit der SPD geopfert wird. Löhrmann redet gegen die Bedenken der gebrannten Kinder an. Sie unterschreibe einen Koalitionsvertrag nur dann, wenn die CDU einer grundlegenden Reform des Schulsystems und einer Energiewende hin zu erneuerbaren Energien zustimme. Bis dahin nimmt sie Regierungschef Jürgen Rüttgers ins Visier: Rüttgers berausche sich an der Macht, pflege den schwarzen Filz und betreibe eine gewaltige Selbstinszenierung.
Grünen-Landeschef Arndt Klocke sieht deutlich mehr Schnittmengen mit der SPD, erinnert sich aber mit Grausen daran, dass die ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement und Peer Steinbrück die Grünen „wie Schuljungen behandelt haben“.
Beim Ringen um die Listenplätze für die lukrativen Abgeordnetenmandate schaffen die beiden grünen Landeschefs Klocke und Daniela Schneckenburger den Sprung auf die Parlamentsplätze erst im zweiten Anlauf. Hinter Löhrmann wird Rainer Priggen mit 80 Prozent gewählt. Barbara Steffens erhält 78,9%, Johannes Remmel in einer Kampfkandidatur mit Klocke 60,4%. Platz 5 holt Sigrid Beer (81,7%) vor Klocke (72,35), Monika Düker (58%). Auch Schneckenburger und Horst Becker landen auf den erste zehn aussichtsreichen Plätzen. Insgesamt 74 Kandidaten bewerben sich auf der Liste – die Grünen hoffen, bei einem Wahlergebnis von zehn bis elf Prozent - auf bis zu 20 Landtagsmandate in NRW. Die arrivierten Grünen sichern sich die besten Listenplätze – nur der Essener Kommunalexperte Ewald Groth fällt durchs Rost.
Grünen-Chef Cem Özedmir baut darauf, dass von der Landtagswahl 2010 in NRW ein Signal ausgeht, dass die Zeit von Schwarz-Gelb in Bund und Land beendet wird. Löhrmann gibt sich mit Blick auf die derzeit schwache SPD in NRW vorsichtig. Löhrmann wirbt für einen grünen Wahlkampf und will In Hamm lieber nicht über Farben reden. Man weiß ja nie.

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