Lehrstellen: Viele Bewerber gehen leer aus
01.09.2010 | 18:20 Uhr 2010-09-01T18:20:00+0200
Hagen.Der von vielen Unternehmen beklagte Nachwuchsmangel macht sich auf dem Ausbildungsmarkt noch nicht bemerkbar - weder in Südwestfalen noch landesweit. Im Gegenteil: Zum Start des neuen Ausbildungsjahres gibt es weiter deutlich mehr unversorgte Bewerber als freie Lehrstellen.
In NRW sind bei den Arbeitsagenturen noch 25 016 junge Leute registriert, die bisher vergeblich nach einem Ausbildungsplatz suchen. Dem standen Ende August lediglich noch 11 448 unbesetzte Lehrstellen gegenüber, wie die NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit berichtet. Auch in Südwestfalen stehen einer noch offenen Lehrstelle mehr als zwei unversorgte Schulabgänger gegenüber: 2677 Jugendliche haben in der Region noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, 1083 freie Stellen sind noch gemeldet.
Vor diesem Hintergrund kündigten die Arbeitsagenturen für die kommenden Wochen noch einmal eine Vermittlungsoffensive mit regionalen Ausbildungsbörsen an. „Alle Jugendlichen, die sich jetzt noch bei unserer Berufsberatung melden, werden wir aktiv unterstützen, damit Bewerber und Ausbildungsplatz zueinander finden”, verspricht der Geschäftsführer der NRW-Arbeitsagentur, Luidger Wolterhoff. „Wir wollen ihnen zeigen, dass auch nach dem 1. September noch etwas für sie geht.”
Dass die Betriebe in diesem Jahr ihr Angebot nach der Krise landesweit wieder um 4373 auf 92 868 Ausbildungsplätze aufgestockt haben, ändert nichts daran, dass es weiter eine beträchtliche Lehrstellen-Lücke gibt. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass sich die sinkende Zahl der Schulabgänger noch nicht in den Bewerberzahlen widerspiegelt. Vor allem wohl auch deshalb, weil noch zahlreiche Jugendliche auf der Suche sind, die in den Vorjahren leer ausgegangen waren. So nahm die Zahl der Lehrstellen-Bewerber zumindest in einigen Region des Landes wie Südwestfalen (+865 auf 18 350) nochmals zu. Landesweit waren es 133 326 - das sind 424 mehr als vor einem Jahr.
„Der Arbeitsmarkt ist nicht leergefegt”, betont die Chefin der NRW-Arbeitsagentur, Christiane Schönefeld. Ursächlich für diesen Eindruck sei, dass sich Betriebe auf die Schulabgänger mit den besten Noten, angenehmsten Umgangsformen und der höchsten Motivation konzentrierten. Dies sei zwar nachvollziehbar, angesichts absehbar sinkender Bewerberzahlen künftig aber nicht mehr immer zielführend. Daher appelliert Schönefeld an die Firmen, „Bewerber, die vielleicht nur 80 Prozent des Anforderungsprofils abdecken, nicht zu 100 Prozent von einer Ausbildung auszugrenzen.”

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