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Landwirtschaft

Landwirten geht das Land aus

19.10.2011 | 18:24 Uhr
Landwirten geht das Land aus

Hagen/Altena. Südwestfalens Landwirte schlagen Alarm. Sie sind aufgebracht über das wachsende Ausmaß an Agrarfläche, das ihnen jeden Tag verloren geht: für Ortsumgehungen, für Gewerbe- und Baugebiete. Und für die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen. „Das sind knapp 60 Hektar im Jahr allein im Märkischen Kreis“, rechnet Günter Buttighoffer vor, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes.

Was die Bauern in Südwestfalen aufbringt, ist nicht allein, dass „ständig neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden“. Vielmehr sind es auch Renaturierungen und Aufforstungen als Ausgleich für die in Anspruch genommenen Flächen, die ebenfalls meist Agrarland treffen. Über die kann der Kreis mitbestimmen. „Die Ausgleichsmaßnahmen dürfen möglichst nicht auf landwirtschaftlicher Fläche stattfinden“, fordert Buttighoffer. Das ist aber gängige Praxis seit Jahren.

Das will auch der westfälische Landwirtschaftsverband in Münster. Und er geht noch weiter. „Wir glauben, dass es Mittel und Wege gibt, das Ausmaß des Flächenverbrauchs zu reduzieren. Wir müssen über den 1:1-Ausgleich von Flächen reden, und wir müssen darüber reden, ob alles gebaut werden muss, was geplant ist“, fordert Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Die Kanzlerin habe ihre Zusage für neue Lösungen gegeben.

Aber noch geht viel Fläche verloren - und der Ausbau der Hochspannungsleitungen steht ja noch bevor. In Nordrhein-Westfalen verschwinden jeden Tag 17 Hektar Agrarland - 24 Fußballfelder. Bundesweit sind es 95 Hektar. Das Problem ist nicht neu. Kommunen weisen gern Gewerbe- und Baugebiete am Ortsrand aus. Und die Anwohner wollen Ortsumgehungen haben. Gilt dem einen der Kranz von Gewerbegebieten etwa entlang der Autobahn 45 als Beweis für blühende Landschaften, wären dem anderen blühende Rapsfelder lieber.

Statt ständig neue Gewerbegebiete in Autobahnnähe auszuweisen, sollten Industriebrachen besser genutzt werden und freie Flächen innerhalb der Städte, fordert Buttighoffer und nennt Beispiele. So werde das Gewerbegebiet Rosmart bei Altena bisher „wenig in Anspruch genommen“. Ähnliches gelte für die Industriebrache Nahmer bei Hohenlimburg.

Wichtig wird die Diskussion aber auch vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Energien. So werden im Märkischen Kreis nicht nur Nahrungsmittel produziert, sondern es wird auch immer mehr Mais zur Erzeugung von Biogas angebaut. Zwei Biogasanlagen existieren in Balve, eine in Iserlohn-Sümmern. Jede landwirtschaftliche Fläche, die verloren geht, mindert das Anbaugebiet für Nahrungsmittel und Biogas. „Wir müssen diesen Flächenfraß endlich stoppen, denn auf einer schrumpfenden Fläche kann die Landwirtschaft nicht den Anforderungen gerecht werden, gleichzeitig mehr Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, erneuerbare Energien zu erzeugen und dem Umweltschutz verstärkt Rechnung zu tragen“, sagt Buttighoffer und fordert Schutz für land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen, „also eigentlich Landwirtschaftsschutzgebiete.“

Stefan Pohl

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