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Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus

29.08.2009 | 17:50 Uhr
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus

Saarbrücken. Landtagswahlkampf im Saarland. Oskar Lafontaine hat immer die kleine Sofortbildkamera dabei. Jeder soll ein Foto von sich und dem Spitzenkandidaten der Linken bekommen.

„Wir können diese Frauen doch nicht ohne Foto lassen”, ruft Oskar Lafontaine seiner Begleiterin zu, die sogleich die kleine Kamera reicht. Lafontaine posiert willig und signiert das Foto. So auf dem Volksfest in Burbach, in der Fußgängerzone und vor der Abschlusskundgebung der Linken am Tiblisser Platz in Saarbrücken.

Da wird Lafontaine dann schnell demagogisch, zeichnet das Feinbild von den bösen Firmenbossen. „Die Unternehmer wollen, dass die Menschen an der Saar niedrige Löhne haben.” Für den Linken hängt die Union am Tropf der Konzerne. Deshalb gehöre sie abgewählt. Er ruft: „Die Linke hat die Politik an der Saar aufgemischt.” „De Oskar”, wie ihn die Leute hier nennen, gibt wieder einmal den Volkstribun.

Ruhm vergangener Tage ist sein Kapital

Als Sozialdemokrat, lange vor dem großen Zerwürfnis mit seinen Genossen, war Lafontaine Saarbrücker Oberbürgermeister und saarländischer Ministerpräsident. Der Ruhm vergangener Tage ist das Kapital des 66-Jährigen. Lafontaine setzt auf Nostalgie und Protest.

Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (links) und der saarländische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahlen, Heiko Maas, geben sich bei der Wahlkampfabschlussveranstaltung der Saar-SPD in Saarbrücken siegessicher. Foto: ddp

Er sagt angeblichen Kriegstreibern den Kampf an. „Wir können stolz darauf sein, dass die Linke die einzige Anti-Kriegspartei in Deutschland ist.” Lafontaines Rede ist blanker Populismus. Er spricht vom politischen Gegner, der die Bevölkerung „belügt und betrügt”, der deshalb davongejagt gehört. Weiter liefere sich die politische Klasse einem „Lobbyismus” aus, der „ans Kriminelle” grenze.

Maas will Amtsinhaber Müller ablösen

Lafontaine will morgen bei der Landtagswahl im Saarland triumphieren und würde gern erster linker Ministerpräsident in einem westdeutschen Bundesland werden. Doch die Wahrheit ist, dass seine Partei, die in Umfragen so um die 15 Prozent liegt, nur ohne Lafontaine an die Macht kommen kann. Als Juniorpartner. Das ist aber eine Rolle, die Lafontaine fremd ist. Ein rot-rot-grünes Bündnis käme an der Saar wohl nur unter einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten zustande. Dafür steht SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas bereit. Er will Amtsinhaber Peter Müller (CDU) verdrängen. Der 53-jährige Landesvater steht nach zehn Jahren an der Spitze vor dem Verlust der absoluten CDU-Mehrheit und strebt ein schwarz-gelbes Bündnis mit der FDP an.

Ob das reicht? Die Union fürchtet Müllers Machtverlust im Vorfeld der Bundestagswahl. Schwarze Ängste und rote Träume. Die SPD erhofft sich vom ersten rot-rot-grünen Bündnis in den alten Ländern nichts geringeres als die Trendwende für ihren bislang glücklosen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier.

Müntefering vertraut nicht seinem Mann

Mit ihrem Spitzenkandidaten Heiko Maas hat die SPD an der Saar einen erklärten Kritiker von Schröders Agenda 2010 ins Rennen geschickt, der nicht wirklich das Vertrauen von SPD-Chef Franz Müntefering genießt. Maas hat mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Seine Kampagne „Der neue Mann” könnte origineller sein. Überdies kommt er fast norddeutsch unterkühlt daher.

Um reifer zu wirken, hat der 42-Jährige sich einen Drei-Tage-Bart stehen lassen. Der SPD-Spitzenkandidat, der an der Saar mit 30 Jahren jüngster Staatssekretär Deutschlands wurde, kämpft heute immer noch gegen ein Pennäler-Image. Auf den Wahlplakaten zeigt sein Gesicht Fältchen. Wichtig ist ihm: „Die SPD muss in den Ländern wieder erfolgreich sein, um ihre strukturelle Mehrheit zu sichern.” Und Maas scheut sich nicht, dies mit einem umstrittenen rot-rot-grünen Bündnis zu versuchen.

Anlass genug für CDU-Spitzenkandidat Peter Müller, die Landtagswahl im Saarland zu einer Richtungswahl zu stilisieren. Bei der Abschlusskundgebung seiner Partei in Saarbrücken bekommt er Schützenhilfe von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Dieses Bundesland muss weiter gut regiert werden und dieses Bundesland darf auf gar keinen Fall in rot-rote Hände fallen.” Merkel brandmarkt Lafontaine als einen, der gegen die deutsche Einheit gewesen sei. „So einer darf nicht 20 Jahre nach dem Mauerfall wieder was zu sagen haben in Deutschland”, ruft die Kanzlerin den 1200 Gästen in der Saarbrücker Congresshalle zu.

Jörg Fleischer

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Kommentare
31.08.2009
12:04
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von sozialerdemokrat | #73

Es ist sicher ein großer Erfolg für Oskar Lafontaine. Sicher ist das Saarland nicht typisch für Westdeutschland, da Lafontaine dort Ministerpräsident war. Aber es gibt Auftrieb für die Linke. 10 % bei der Bundestagswahl sind realistisch. Noch wichtiger ist aber die Wahl in Schleswig-Holstein geworden. Schwarz-Gelb hat gestern die Mehrheit im Bundesrat verloren. In Schleswig-Holstein könnte sie sie zurückgewinnen. Aber eine starke Linke könnte dies verhindern. Dann kommt 2010 der Wahlkampf in NRW. Die Kommunalwahl zeigt, dass Rüttgers sich keineswegs sicher sein kann. Und dies Ergebnis wurde in einer Zeit erzielt, die für die CDU noch relativ günstig ist. Es gibt noch genügend Wählerinnen und Wähler, die der CDU/CSU und der FDP glauben, dass die die Steuern senken. Vielleicht werden sie einige Steuern senken, andere aber dafür so kräftiger erhöhen. Dieser Betrug würde auffliegen, wenn schwarz-gelb gewinnt.

31.08.2009
09:44
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von scorpionx | #72

BRAVO oskar lafontaine !!!

wieder hat der mann poltikgeschichte geschrieben und würde unser
kanzler vom volke gewählt, stünde er m. e. ebenfalls so souverän fest ...

klarer kann man einen parteisieg nicht demonstrieren ...

für soziale gerechtigkeit und gegen krieg -> mein herz schlägt links ...

31.08.2009
08:39
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von Rainer Mako | #71

@rkant/immerNett:
Muss eine fürchertliche Nacht für Sie gewesen sein. Mein aufrichtiges Beileid!
Kicher! Grins! Hihi!

31.08.2009
00:24
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von immerNett | #70

Die Saarländer haben gewählt, jetzt ist es klar es gibt Reichtum für alle dank Oskar.

30.08.2009
23:09
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von Pfeifender Haser | #69

@Carsten Rökens:
Na, Sie können Fragen stellen! Wenn Sie so etwas suchen, haben Sie sich hier garantiert verirrt. BLÖD lässt grüssen. Noch nicht perfekt, aber man arbeitet intensiv daran.

30.08.2009
18:53
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von Carsten Rökens | #68

Demogogisch, Feindbild, Volkstribun, blanker Populismus - hat dies noch irgendetwas mit seriösem Journalismus zu tun?

30.08.2009
18:50
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #67

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2009
17:45
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von ProOskar | #66

Buuuuhhhhh

30.08.2009
15:26
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #65

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2009
14:26
Lafontaine setzt im Wahlkampf auf Populismus
von Rudi | #64

Sehr geehrter Herr Fleischer,
dieser von Ihnen geschriebene Artikel hat wirklich nichts mit aufklärendem Journalismus zu tun. Sie werfen Herrn Lafontaine Populismus vor, doch Sie müssen zugeben, dass Sie selbst populistisch argumentieren, wenn man überhaupt von „Argumentieren“ sprechen kann. Für solche Menschen wie Sie, ist jeder Populist, der die Sprache des Volkes spricht. Als Ex-Soldat (12 Jahre) sage ich Ihnen, dass es keinen Grund gibt, deutsche Soldaten in Afghanistan zu verheizen! Und ich bin garantiert kein Pazifist! Wenn jemand wie Lafontaine dieses – egal wie – zum Ausdruck bringt, ist er gleich ein Populist. Gleiches gilt für Lafontaine’s Auffassung, dass die Großindustrie Deutschland in ein Billiglohnland verwandeln will und dieses bereits in weiten Teilen der Arbeitswelt schon geschafft hat. Ihre Art der Berichterstattung traurig, volksverdummend und volksverhetzend. Sie als Journalist, sollten die Menschen aufklären, wie es wirklich ist und nicht im Stile der Bildzeitung Herrn Lafontaine an den Pranger stellen, weil Ihnen seine Argumentation bzw. die Art seiner politischen Überzeugungsarbeit nicht passt!

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