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06.02.2009 | 15:27 Uhr

Winnetous 80. Geburtstag am Freitag hat mich wieder einmal ein paar schöne Erinnerungen lang in meine Kindheit zurück gebracht. Dass Pierre Brice nur ein schwierig auszusprechender Zweitname für den einzig wahren Winnetou ist, muss an dieser Stelle nicht sonderlich betont werden.

Also, Winnetou und mich verbindet eine lange Männerfreundschaft aus jungen Jahren. Obwohl ich mich anfangs eher auf Old Shatterhands Seite gezogen fühlte - denn der hatte neben seinem Gewehr auch einen Revolver, und eine Zündplättchenpistole war damals mein großer Traum.

Andreas Thiemann. Foto: Gerd Lorenzen

Derart martialisches Spielzeug fand jedoch nicht die elterliche Gunst, und so zog ich denn nicht weniger stolz mit Gummi-Tomahawk und Federschmuck auf den Kriegspfad meiner Phantasien.

Dem ohnehin etwas älteren Freund Friedhelm überließ ich notgedrungen großzügig die Old Shatterhand-Rolle, weitere Kameraden mussten sich entsprechend mit rangniedrigeren Figuren wie Old Firehand oder Old Surehand begnügen.

Wir galoppierten mit wahrem Feuereifer und täuschend echt klingendem Indianergeheul durch die Grünanlagen, und mein imaginärer Iltschi erwies sich bei allen abenteuerlichen Ausritten als ebenso schnell wie zuverlässig.

Die Friedenspfeife rauchten wir in atemloser Aufregung mittels einer Tonpfeife, an der noch letzte Reste des Stutenkerls aus der Weihnachtszeit klebten. Die dafaür gepflückten Blätter erwiesen sich jedoch als wenig friedenswirksam, obwohl wir die Zeremonie im feierlichen Schneidersitz ganz in Winnetous Sinne vorgenommen hatten.

Nicht wirklich zufriedenstellend verlief auch das Blutsbrüder-Ritual. Zwar verständigten wir uns schnell darauf, statt scharfer Taschenmesser (die wir stets in unseren Lederhosen dabei hatten) lieber eine Nadel zu verwenden, aber es stellte sich heraus, dass der Pikser bis zum Blutstropfen das Maß unserer freiwilligen Selbstverstümmelung doch ein wenig überschritt. Wir nahmen den Willen für die Tat, verzichteten auf Blut und schworen uns umso tiefere Freundschaft, die wir zudem mit dem Vergraben einer Schatzkiste auf ewig besiegelten.

Die Kräfte des Bösen, denen wir gottlob nie begegneten, wussten jedenfalls von Stund an, dass mit unsere Blutsbrüderbande nicht zu spaßen war. Wir schützten uns zudem perfekt mit der Geheimsprache von Kalle Blomquist, und so wird es niemanden verwundern, dass ich jetzt schon ein wenig wehmütig an meine erfolgreiche Winnetou-Zeit zurückdenke.

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Von Andreas Thiemann

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