Krautscheid muss den Feuerwehrmann für Rüttgers spielen
23.02.2010 | 23:10 Uhr 2010-02-23T23:10:00+0100
Düsseldorf. Bis zur letzten Minute suchte Jürgen Rüttgers nach einer 1a-Lösung für das Amt des CDU-Generalsekretärs. Dann präsentierte der CDU-Chef dem Landesvorstand einen alten Bekannten: Europaminister Andreas Krautscheid soll die Christdemokraten durch den stürmischen Wahlkampf führen.
Mitten in der Sponsoren-Affäre brauchte Rüttgers nach dem Rauswurf von Hendrik Wüst einen schlagkräftigen Manager. Der Rheinländer Krautscheid gilt als kompetenter Organisator, der einen engen Draht zu Parteichef Rüttgers pflegt. Der Jurist war seit 2007 Europa- und Bundesratsminister - seit 2008 ist er auch Medienminister.
Der 48-Jährige Polit-Manager aus dem Rhein-Sieg-Kreis muss jetzt für Rüttgers den Feuerwehrmann spielen. Nachdem die Wahlprognosen für die schwarz-gelbe Koalition sich etwas eingetrübt haben, braucht die NRW-CDU einen versierten Antreiber. Für Krautscheid ist der Wechsel vom Ministeramt in die Parteizentrale kein leichter Gang. „Es fällt mir nicht leicht, mein Ministeramt am 7. März abzugeben”, sagte er. Weil Rüttgers aber schnell handeln musste, gab es zuletzt keine Alternative für Krautscheid. Rüttgers will das Europa- und Bundesratsministerium „für die kurze Zeit bis zur Wahl” nicht neu besetzen. Andere Regierungsmitglieder werden die Aufgaben Krautscheids kommissarisch mit übernehmen.
Der verheiratete Politiker hat zwei Kinder und gilt als fleißiger Kärrner. In die Medienpolitik des Landes hatte er sich seit 2008 schnell eingearbeitet. Krautscheid ist loyal - er wird immer wieder als möglicher Kronprinz für Rüttgers genannt. Der Jurist, der noch kein Landtagsmandat hat, ist Favorit als CDU-Fraktionschef für die Zeit nach der Wahl. Hemdsärmelig, zielorientiert, pragmatisch - in der NRW-CDU hat sich Krautscheid in wenigen Jahren den Ruf des Machers erworben. In der „Sponsoren-Affäre” hatte er SPD-Vorwürfe der Käuflichkeit von CDU-Regierungspolitik umgehend als infam zurückgewiesen. Als Parteimanager soll Krautscheid nun eine Strategie entwickeln, um der Union den Wahlsieg am 9. Mai zu gewährleisten.
Während in der CDU bei der Suche nach einem erfahrenen General die Telefondrähte glühten, verlief der Wechsel im „Generalstab” beim Koalitionspartner FDP geräuschlos. Für den nach Berlin beförderten Generalsekretär Christian Lindner kommt der Bonner Politikwissenschaftler Joachim Stamp (39, verheiratet, eine Tochter). Einstimmig nominierte der Landesvorstand den 2009 mit sagenhaften 67,6 Prozent in den Bonner Stadtrat wiedergewählten Liberalen. Seit 1999 ist Stamp Vizechef der Bonner FDP und sitzt seit 2006 auch im Landesvorstand.
„Aufsteigerland NRW”
FDP-Landeschef Andreas Pinkwart kündigte an, dass Stamp als neuer FDP-General die Wahlkampfführung übernehmen solle. Dabei will der neue Mann deutlich machen, dass sich NRW vom rot-grünen Absteiger- zum Aufsteigerland entwickelt habe. In der Hartz-IV-Debatte kritisierte Stamp im Tenor Guido Westerwelles den „bürokratischen Sozialstaat”. Er kenne Westerwelle seit 22 Jahren, sagte dessen ehemaliger Büromitarbeiter. Es sei dem Parteichef bei der Kritik nicht um Vorwürfe gegen Langzeitarbeitslose gegangen, sondern um eine neue Mentaliät.

11:59
Was ich jetzt nicht verstehe: Wenn der Boss nach einer 1a-Lösung suchte - warum wurde denn ausgerechnet Herr Krautscheid auf das Pöstchen gesetzt? Allein das Infamie-Schreien ist doch wohl keine ausreichende Qualifikation. Oder sollte man die Messlatte bei dieser Landesregierung nicht ganz so hoch anlegen?
11:25
Schwarz-Gelb in NRW? Nie wieder!